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Salzburger Landesinstitut für Volkskunde

Das Salzburger Landesinstitut für Volkskunde (SLIVK) wurde 1983 gegründet und versteht sich als wissenschaftliche Forschungseinrichtung des Landes Salzburg sowie als Vermittlungsinstanz zwischen wissenschaftlich-forschender Arbeit und öffentlichem Interesse.

 

Institutsdarstellung

Institutsdarstellung im neuen Sammelband der nicht-universitären Forschungs- und Landesstellen der Deutschen Gesellschaft für Volkskunde (dgv), herausgegeben 2021 von Ira Spieker und Sönke Friedreich vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde (ISGV) in Dresden.

Bibliotheken Volkskunde

Das Salzburger Landesinstitut für Volkskunde (SLIVK) wurde begründet, um die Vielfalt der Salzburger Volkskultur(en) „in (ihrer) Gesamtheit und in (ihrer) Verbindung mit anderen wissenschaftlichen Disziplinen“ darzustellen beziehungsweise „die wissenschaftliche Ergänzung und Erfüllung zu sichern.“
Eröffnungsrede Landeshauptmann Dr. Wilfried Haslauer d.Ä., 5. November 1983

Sammlungsschwerpunkte

  • Geschichte der Volkskunde, Europäische Ethnologie, Kulturanthropologie, Empirische Kulturwissenschaft in Österreich, insbesondere in Salzburg oder mit Bezug zu Salzburg: Quellen, schriftliche Dokumente (Manuskripte wie Notizhefte, Konzepte, Typoskripte, Korrespondenz, Sonderdrucke) sowie Bild- und Tonträger (Dias, Fotos, Negative, Audio-Kompaktkassetten, Langspielplatten, Tonbänder) oder seltene Druckwerke
  • Bräuche in Salzburg oder deren Europäische Kulturzusammenhänge sowie Selbstrepräsentation von Akteur:innen: Quellen, schriftliche Dokumente (Manuskripte, Typoskripte, Korrespondenz) sowie Bild- und Tonträger oder seltene Druckwerke
  • Geschichte der Österreichischen Gesellschaft für Empirische Kulturwissenschaft und Volkskunde (ÖGEKW, ehemals: Österreichischer Fachverband für Volkskunde): Quellen und Materialien (Schriftzeugnisse, Bild- und Tonträger, seltene Druckwerke)

Sammlungskriterien

  • Sämtliche Quellen und schriftlichen Dokumente entsprechen den Sammlungsschwerpunkten (ansonsten Verweis von Anbietenden an relevante und potenziell interessierte Stellen in Salzburg, gegebenenfalls überregional).
  • Literaturbestände werden zur Vermeidung von Doubletten nur nach Einzelfallprüfung aufgenommen.
  • Gesamte (Forschungs-)Bibliotheken oder Sammlungen werden aufgrund des beschränkten Depotplatzes und den vorhandenen Personalressourcen nicht (mehr) aufgenommen.
  • Dreidimensionale Objekte zu Bräuchen wie Masken, Kostüme, Accessoires, Ausstattungselemente, Bühnenbilder etc. stehen nicht im Fokus der Sammlungsinteressen.
  • Die Provenienz der Bestände ist geklärt.
  • Das SLIVK übernimmt keine Leihgaben.

Sammlungsziele

  • Neben den Forschungs- und Vermittlungsarbeiten ist die ordnungsgemäße Verzeichnung sowie die konservatorische und wissenschaftliche Bearbeitung der Nachlassbestände eine zentrale Aufgabe.
  • Auf Basis des Archivmaterials werden institutsinterne Publikationen zur Fachgeschichte erstellt, wesentliche Beiträge zur quellenbezogenen Fundamentierung sowie Illustrierung von Publikationen (auch von Fachkolleg:innen) geleistet sowie diverse wissenschaftliche Fragestellungen bearbeitet.
  • Eine adäquate Aufbewahrung der Sammlungsbestände wird gewährleistet.

Das Sammlungsgut befindet sich im Eigentum des SLIVK bzw. des Landes Salzburg als Rechtsträger des Institutes.

Besondere Expertise hat das Landesinstitut für Volkskunde in den Bereichen Ritual- und Brauchforschung in Salzburg (unter gegenwärtigen und historischen Aspekten) samt den dazugehörigen europäischen Kulturzusammenhängen, der Wissens-, Wissenschafts-, Disziplinen-, Personen- und Institutionengeschichte der Europäischen Ethnologie, Kulturanthropologie, Volkskunde, der Trachten- und Kleiderforschung sowie der Beforschung von Salzburger Selbst- und Fremdbildern und deren Wandel.

Die Institutsmitarbeiterinnen und Institutsmitarbeiter stehen in enger Zusammenarbeit mit anderen fachlich relevanten Einrichtungen im In- und Ausland und präsentieren die Ergebnisse ihrer Forschungen in Publikationen, Vorträgen und auf Fachtagungen. Das Institut möchte erstens neben quellenbasierter kulturhistorischer Arbeit mit den theoretischen und methodischen Mitteln einer vor allem qualitativ forschenden Europäischen Ethnologie des 21. Jahrhunderts seine Aufmerksamkeit auf den Wandel und die Vielgestaltigkeit der diversen Salzburger Milieus richten. Dabei stehen die tiefgreifenden ökonomischen, sozialen und kulturellen Veränderungen im Fokus.

Ein zweiter Schwerpunkt besteht in der Erschließung und kritischen Aufarbeitung der Nachlasssammlungen im Hinblick auf Instrumentalisierung, Missbrauch und freiwillige Anbiederung einzelner Fachvertreterinnen und Fachvertreter durch/an die „völkische“ und später die nationalsozialistische Wissenschaftsauffassung.

Begleitend dazu informieren und beraten wir als kompetenter Ansprechpartner öffentliche Einrichtungen und die Medien. Die Institutsmitarbeiterinnen und Institutsmitarbeiter treten Tendenzen einer „völkischen“ Wissenschaft, Kontinuitäts-Phantasien sowie etwaigen, die NS-Zeit und ihre Opfer verharmlosenden Positionen mit Entschiedenheit entgegen.

Die aktive Tätigkeit als Heimatpfleger:innen, als Erneuer:innen oder Erfinder:innen von Ritualen, Bräuchen oder Ähnlichem ist dabei nicht Ziel unserer Forschungs- und Informationsarbeit. Dies schließt mit ein, dass wir Akteur:innen nicht absichtlich manipulieren,
keine ungefragten Bewertungen und Beeinflussungen vornehmen und nicht aktiv kulturprägend tätig sind.

Mehrfach ausgezeichnet wurden die „Salzburger Beiträge zur Volkskunde“ Nummern 13 bis 16, erschienen als CD-ROM-Reihe „Bräuche im Salzburger Land. Zeitgeist, Lebenskonzepte, Rituale, Trends, Alternativen“ (2002 bis 2005), zweimal mit dem europäischen Bildungsmedienpreis (der Comeniusmedaille) und 2004 mit dem Salzburger Kulturgüterpreis. Die CD-ROMs zeigen identifikatorische Salzburger Bräuche und Feste als regionale Eigenheiten im Austausch mit historischen europäischen Kulturnetzwerken und gegenwärtigen Kulturkontakten.