Liechtenstein ist rund fünf Stunden mit dem Auto von St. Johann entfernt. Trotzdem trägt das Naturdenkmal im Pongau den Namen des kleinen Fürstentums. Als 1875 die Arbeiten zur Begehbarmachung der Klamm starteten, wurden diese rasch aufgrund Geldmangels eingestellt. Erst durch eine Geldspende von Fürst Johann II. von Liechtenstein in der Höhe von 600 Gulden konnten die Bauarbeiten fortgesetzt und 1876 beendet werden. Wegen der großzügigen Spende des Fürsten benannte man die Klamm nach ihm.
Sicherheit ist das A und O
Hannes Rieser ist seit fünf Jahren für die Verwaltung der Liechtensteinklamm im Auftrag der Stadtgemeinde St. Johann im Pongau zuständig. Der Pongauer kennt die Klamm wie fast kein anderer, ist sie doch während der Saison sein zweites Wohnzimmer. Das Landes-Medienzentrum (LMZ) hat mit Rieser über die Sicherheit sowie die Faszination der Liechtensteinklamm gesprochen.
LMZ: Herr Rieser, der Felssturz am 27. Mai 2017 war eine Zäsur für das Naturjuwel. Welche Sicherheitsvorkehrungen wurden damals umgesetzt?
Rieser: Die Sicherheit unserer Gäste ist das A und O. Nach dem Felssturz haben umfangreiche Studien stattgefunden, und wir mussten weitreichende Sicherheitseinbauten machen, um die Klamm wieder für die Öffentlichkeit zugänglich zumachen. So haben wir bis zur Wiedereröffnung 2020 unter anderem einen Kilometer an Sicherheitszäunen und -netzen verbaut. Dazu wurden rund drei Kilometer an Bohrungen für Stützen, Seile und Verankerungen durchgeführt, so wie man es von Felssicherungen auf Straßen kennt. Zusätzlich wurden noch neue Tunnelanlagen errichtet und die übrigen Abschnitte ertüchtigt. Auch die Helix-Treppe ist ein Teil des Sicherheitskonzepts.
LMZ: Welche laufenden Monitoring-Maßnahmen gibt es für die Klamm?
Rieser: Die Klamm wird 24 Stunden, sieben Tage die Woche, mittels Sensorik überwacht. Veränderungen des Felsens im Millimeterbereich werden sofort gemeldet. Sobald das Alarmsystem anschlägt, wird die Klamm gesperrt und geleert. Zusätzlich wird die Klamm ständig von Geologen besichtigt. Insbesondere nach Starkregenereignissen im Sommer wird die Klamm vor der Freigabe der Wege noch auf Gefahrenstellen durchsucht.

Die Klamm wird 24 Stunden, sieben Tage die Woche, mittels Sensorik überwacht.
Hannes Rieser
LMZ: Jährlich besuchen bis zu 230.000 Gäste die Liechtensteinklamm. Welche Rückmeldungen erhalten Sie von den Besuchern?
Rieser: Im Sommer sitze ich öfter mal selbst an der Kasse. Wenn die Gäste ihre 15 Euro bezahlen, fragen manche ungläubig: „So viel Geld für Fels und Wasser?“ Ich sage dann immer, dass sie sich die Klamm ansehen sollen und wenn sie glauben, der Eintrittspreis ist nicht gerechtfertigt, dann erhalten sie es zurück. Bis dato hat noch niemand die Geld-zurück-Garantie in Anspruch genommen. Im Gegenteil: Die Besucherinnen und Besucher sind tief beeindruckt von dem Naturschauspiel. Wir haben auch viele Stammgäste, die jedes Jahr zu uns kommen. Die Helix-Treppe, als von Menschenhand geschaffene Attraktion, war vor allem in den ersten Jahren nach ihrer Einweihung 2020 ein „Zugpferd“.
LMZ: Was ist Ihr persönlicher Lieblingsort in der Klamm?
Rieser: Ich absolviere während der Saison zweimal wöchentlich am Morgen einen Kontrollgang in der Klamm. Um 6 Uhr bin ich ganz allein und sammle hier ganz spezielle Eindrücke, wobei ich immer etwas Neues entdecke. REP_260408_90 (msc/grs)