Autor:
Martin Wautischer,
Fotos:
Land Salzburg/Melanie Hutter/Neumayr/Franz Wieser
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Wasser

Noch besserer Hochwasserschutz für den Oberpinzgau

Die Bilder der jüngsten Hochwasserkatastrophe im Sommer 2021 haben sich nicht nur in den Köpfen der Oberpinzgauer eingebrannt. Damit sich diese Katastrophe nicht wiederholt, soll die Region noch besser vor geschützt werden. Das Land hat gemeinsam mit Experten acht mögliche Standorte ausgearbeitet, wo in den Seitentälern Wassermassen temporär zurück gehalten werden können. Gemeinsam mit allen Beteiligten werden jetzt die besten Lösungen erarbeitet. Auch der Spagat zwischen den Schutzbauten und dem Nationalpark Hohe Tauern soll auf diese Weise gelingen.
 

Für zusätzliche Hochwasserschutz-Maßnahmen wurden die südlichen Salzach-Seitentäler zwischen Krimml und Felbertauern untersucht. Experten haben berechnet, an welchen Standorten die größte Schutzwirkung erzielt werden kann. Bei einem runden Tisch mit Bürgermeistern und Grundeigentümern sowie Vertretern von Nationalpark, Naturschutzbund, Alpenverein und Landesumweltanwaltschaft wurden diese Ergebnisse vorgestellt. „Als nächsten Schritt prüfen wir die Machbarkeit, danach werden die erforderlichen Verfahren durchgeführt", erläutern Landesrat Josef Schwaiger und Landesrätin Daniela Gutschi. Die Experten haben klar dargestellt, dass im Talboden defacto keine zusätzlichen Retentionsräume zwischen Krimml und Niedernsill mehr zur Verfügung stehen.

Naturverträgliche Lösung im Fokus

„Es war mir schon damals klar, wir müssen diesen für den Pinzgau so wichtigen Lebensraum noch besser vor den Naturgewalten schützen und das funktioniert am besten in den großen Trichtern der Tauerntäler. Dass hier mehrere Interessen aufeinanderprallen, ist offensichtlich", so Schwaiger. Für die für den Naturschutz und Nationalpark zuständige Landesrätin Daniela Gutschi liegt besonderes Augenmerk auf „den Auswirkungen auf geschützte Lebensräume. Wir suchen verträgliche Lösungen, schließlich befinden sich die Standorte im so wichtigen Nationalparkgebiet. Gemeinsam werden wir die Ziele und die Aufgaben unseres Nationalparks mit den berechtigten Anliegen eines wirksamen Hochwasserschutzes für die Bevölkerung in Einklang bringen", so Gutschi.

Der Zeitplan

„Das Jahr 2022 wird noch für die konkrete Planung und die finale Abstimmung mit den Grundeigentümern gebraucht, im kommenden Jahr sollen die notwendigen rechtlichen Verhandlungen stattfinden, um im Jahr 2024 mit den Umsetzungsarbeiten beginnen zu können. Insgesamt werden die Kosten rund 30 Millionen Euro betragen, aber dieses Geld ist bestens investiert" so Landesrat Josef Schwaiger und er ergänzt: „Jetzt brauchen wir noch weitere Optimierungen der Standorte, um den bestmöglichen Schutz der Bevölkerung und die geringstmöglichen Eingriffe für Grundbesitzer und Natur zu bewerkstelligen". 

Warter: „Für den gesamten Oberpinzgau wichtig."

Der Vorsitzende der Pinzgauer Bürgermeisterkonferenz sowie Ortschef von Piesendorf Hans Warter betont: „Der Sommer 2021 hat gezeigt, dass schon sehr viel für den Schutz der Bevölkerung gemacht wurde und diese Maßnahmen auch gewirkt haben. Die Auswirkungen wären sonst noch viel fataler gewesen. Aber wir haben auch erkennen müssen, dass wir knapp an einer Katastrophe vorbei geschrammt sind. Daher sind diese neuen, effektiven Schutzprojekte von essenzieller Bedeutung für eine ganze Region", so Warter.

Viertler: „Überlebensfrage für die Region."

Mittersills Bürgermeister Wolfgang Viertler – die Stadt ist leider Hochwasser geprüft und entging im vergangenen Sommer trotz Rückhaltebecken und Begleitmaßnahmen nur knapp einer neuerlichen Überschwemmung - hält weitere Schutzmaßnahmen für unabdingbar: „Für uns ist es eine Überlebensfrage. Wenn das Hochwasser über die Tauerntäler nicht reguliert wird, dann kann der Dauersiedlungsraum im Oberpinzgau nicht aufrechterhalten werden." Ohne die bisherigen Maßnahmen wäre für den Stadtchef die Region schon jetzt nicht mehr besiedelbar.

Wir müssen den für den Pinzgau so wichtigen Lebensraum noch besser schützen. Wir werden mit den vielen Beteiligten eine Lösung finden.
Landesrat Josef Schwaiger

Obermoser: „Behutsames Vorgehen."

Auch für Michael Obermoser, Bürgermeister von Wald, das 2021 stark von den Naturgewalten getroffen wurde, hat der Schutz der Menschen Vorrang, doch spricht er sich auch für die Rücksicht auf die Natur aus: „Wir müssen einen Weg finden, die Eingriffe behutsam zu machen und gleichzeitig einen effizienten Schutz schaffen." Obermoser begrüßt, dass nun die Fakten und Optionen durch die Experten ausgearbeitet worden sind: „Darauf aufbauend werden wir jetzt weitere Schritte setzen. Ich bin zuversichtlich, dass alles in die richtige Richtung geht."

Zusätzliche Retentionsräume nur in den Seitentälern

Ziel der vorgeschlagenen Maßnahmen ist es, dass für extreme Wetterereignisse zusätzliche Retentionsräume in den Seitentälern geschaffen werden. Vorerst haben Experten acht mögliche Standorte für weitere Hochwasserschutzmaßnahmen in den Seitentälern des Oberpinzgaus herausgearbeitet.  Damit werden bei Großereignissen die vorhandenen Hochwasserschutzbauten im Tal wieder ausreichen und die Bevölkerung ausreichend schützen. Insgesamt wurde ein Potential von mehr als neun Millionen Kubikmeter festgestellt. Ob alle Standorte verwirklicht werden oder welche das sein werden, ist nun Teil der nächsten Schritte.

Regionaler Info-Schwerpunkt

Beim Gespräch mit den Bürgermeistern der Region und den Experten wurde außerdem vereinbart, dass die regionale Bevölkerung über die Vorhaben ausführlich informiert wird. Es wir dazu auch direkte Mitteilungen des Landes Salzburg gemeinsam mit den jeweiligen Gemeinden geben. Und: Sobald die notwendigen Informationen vorliegen, wird es umgehend Gespräche mit den betroffenen Grundeigentümern sowie Gemeinden geben.

Bisherige Schutzmaßnahmen wirkten

Im vergangenen Juli standen große Teile des Oberpinzgaus nach 36 Stunden Dauerregen unter Wasser, die vorgesehenen Überflutungsbereiche entlang der Salzach waren bis zur Oberkante gefüllt. Das Hochwasser verursachte Schäden an 50 Wohnhäusern und einigen Gewerbebetrieben sowie an Freizeitanlagen, auch die Trasse der Pinzgaubahn zwischen Wald und Niedernsill wurde teilweise zerstört, Landwirtschafsflächen überschwemmt. „Die Schutzmaßnahmen haben gewirkt und weitaus Schlimmeres verhindert. Nicht auszudenken, was ohne den konsequenten Ausbau in den vergangenen Jahren passiert wäre. Und trotzdem war danach klar: Wir müssen noch mehr tun", blickt Landesrat Josef Schwaiger zurück. REP_220325 (mw/mel)

Pinzgau; Sicherheit; Schwaiger; Wasser; Gutschi
Info
Hochwasserschutz Oberpingzau

1. Hochwasserschäden 2021 wurden bereits behoben

2. Diese Schutzbauten werden optimiert:
  • Neukirchen Neudau
  • Bramberg Mühlbach
  • HWS Hollersbach
  • Anpassung HWS Mittersill
  • Ergänzung HWS Uttendorf
  • HWS Niedernsill

3. Mögliche Standorte für neue Schutzbauten:
  • Krimmler Achental
  • Obersulzbachtal
  • Habachtal
  • Hollersbachtal
  • Felbertal-Hintersee