BVD-Ausnahmeregelung für Salzburg!

Was passiert mit der weißen AMA-Ohrstanze?

Seit Anfang 2020 ist das Bundesland Salzburg aufgrund der erfolgreichen BVD-Bekämpfung erstmals als ein Gebiet festgelegt, für welches die befristete Ausnahmebewilligung hinsichtlich der verpflichtenden BVD-Einzeltieruntersuchungen gilt. Es kommt somit zu weiteren Vereinfachungen bei der BVD-Überwachung.

Betriebe, welche bisher ihren BVD-Status mittels regelmäßigem Jungtierfenster oder aufgrund Untersuchung aller nachgeborener Kälber durch Verwendung der weißen AMA-Ohrstanze aufrechterhalten haben, dürfen ab jetzt alle Rinder auch OHNE BVD-Untersuchung in Verkehr setzen. Die Einsendung von Gewebeproben der AMA-Ohrstanze ist somit nicht mehr notwendig, ebenso wenig wie die Durchführung eines Jungtierfensters.

Für alle milchliefernden, amtlich anerkannt BVD-freien Betriebe ändert sich nichts. Das Land Salzburg lässt wie bisher die Tankmilch mindestens einmal jährlich beproben und übernimmt weiterhin die Kosten dafür.

Die Überwachung des Status „BVD-frei" erfolgt in Beständen ohne Tankmilch durch ein Stichprobenprogramm. Dazu werden in wenigen, durch das Bundesministerium ausgewählten Betrieben Blutproben durch Amtstierärztinnen und Amtstierärzte entnommen. Dies ist ebenfalls kostenfrei für die Betriebe.

Noch am Betrieb lagernde weiße AMA-Ohrmarken mit Probebehälter können nicht zurückgeschickt werden. Die Ohrmarke kann jedoch trotzdem verwendet werden, ein Einsenden der Probe ist ab sofort nicht mehr nötig. In Folge wird die AMA nur mehr Ohrmarken ohne Ohrstanzfunktion an die Betriebe schicken.

BVD-Tierverkehrsbescheinigungen können weiterhin online unter salzburg.gv.at/bvd abgerufen werden, auch für trächtige Tiere. Eine Bestätigung des Landwirtes auf dem Viehverkehrsschein „BVD-freier Bestand" ist ebenfalls ausreichend. Für den Almauftrieb auf Salzburger Almen wird kein Zeugnis mehr nötig sein. Bei anderen Bundesländer bitte die Vorschriften der dortigen Landesveterinärdienste erfragen.

Ohne Eingabe von Passwörtern oder spezielle Benutzerberechtigungen kann ganz einfach eine Bescheinigung über die Verkehrsfähigkeit des entsprechenden Tieres erstellt werden. Ausländische Marken müssen mit dem Landeskennzeichen ohne Leerzeichen eingegeben werden, bei Tieren mit AT Marke können die Nummern auch ohne den Vorsatz AT eingegeben werden. Führende Nullen müssen immer eingegeben werden. Die Untersuchungsdaten werden täglich aktualisiert.

Hier nochmals die Adresse, unter der die Bescheinigung ausgestellt werden kann: salzburg.gv.at/bvd

Wesen der Krankheit

Beim Krankheitskomplex Bovine Virusdiarrhoe/Mucosal Disease (BVD/MD) handelt es sich um eine weltweit verbreitete Viruserkrankung, die massive wirtschaftliche Schäden für Rinderhalter verursacht. Der finanzielle Schaden infolge einer BVD-Virusinfektion in einer Herde wird mit bis zu € 155 pro Kuh angegeben. Aufgrund der großen ökonomischen Bedeutung der BVD-Virusinfektion ist daher ein Bekämpfungsprogramm sinnvoll.

Erstinfektionen mit dem BVD-Virus verlaufen oft ohne Krankheitserscheinungen, es können aber auch vorübergehend Durchfall, Fieber, Appetitlosigkeit, gestörtes Allgemeinbefinden, Husten und reduzierte Milchleistung auftreten. Fallweise werden auch schwere Verlaufsformen beobachtet.

Als Reaktion auf das Eindringen des BVD-Virus bildet das Rind sogenannte Antikörper aus.Dabei handelt es sich um Schutzstoffe, die die Viren bekämpfen und aus dem Körper entfernen. BVD-Antikörper bleiben nach Infektion lebenslang nachweisbar.

BVD-Virusinfektionen gehen immer mit einer Beeinträchtigung des Immunsystems einher, wodurch sich die Empfindlichkeit für andere Krankheitserreger erhöht. Verschiedene Infektionskrankheiten verlaufen ungünstiger und schwerer, wenn das BVD-Virus am Infektionsgeschehen beteiligt ist.
Bei trächtigen empfänglichen Rindern führen Infektionen mit dem BVD-Virus abhängig vom Trächtigkeitsstadium zu Fruchtbarkeitsstörungen, zu Verwerfen, Totgeburten, Missbildungen oder zur Geburt von lebensschwachen Kälbern.

Im ersten Trächtigkeitsdrittel zwischen dem 40. und 120. Tag der Trächtigkeit verursacht eine Infektion des ungeborenen Kalbes mit dem BVD-Virus eine spezifische Immuntoleranz. Das Immunsystem solcher Kälber erkennt den Krankheitserreger nicht als körperfremd, sondern betrachtet das Virus als körpereigenen Bestandteil. Diese Tiere beherbergen lebenslang das Virus. Sie werden als sogenannte Virusstreuer geboren und scheiden den Krankheitserreger in großen Mengen zeitlebens permanent aus (=PI-Tiere). Daher sind diese Kälber die wichtigste Quelle für die Virusverbreitung.

Virusstreuer können sich schlecht entwickeln, zeigen aber häufig untypische oder unauffällige Erscheinungen. Sie entziehen sich damit für längere Zeit der Feststellung und werden ohne Laboruntersuchungen erst bei Auftreten von Mucosal Disease (MD) entdeckt.

Ausschließlich Virusstreuer können an der MD erkranken. Meist tritt die MD im Alter von einem bis zwei Jahren auf, aber nicht alle Virusstreuer müssen an der MD erkranken. Die MD äußert sich durch Nasenausfluss, Fieber, unstillbaren Durchfall und Erosionen im gesamten Verdauungstrakt. Die MD ist unheilbar und endet immer tödlich.

BVD infiziertes Rind
BVD infiziertes Rind©Erika Sakoparnig
Schadwirkungen durch das BVD-Virus in einer Herde sind neben Ausfällen infolge MD Verwerfensfälle, Nachgeburtsverhalten, Fruchtbarkeitsstörungen, Euterentzündungen, Milchzellzahlerhöhungen, Darm- und Lungenentzündungen sowie die Geburt lebensschwacher oder missgebildeter Kälber.

BVD-Viren können auf verschiedene Weise in eine Herde eingeführt werden. Die weitaus wichtigsten Quellen für BVD-Virusinfektionen sind der Kontakt mit Virusstreuern auf Gemeinschaftsweiden, über Zukauf und Märkte, sowie der Zukauf von Muttertieren, die mit einem Virusstreuer trächtig sind.

Daneben spielen die Übertragung mit verschiedenen Instrumenten, verunreinigten Lebendvakzinen, infiziertem Samen und der Kontakt mit anderen Wiederkäuerarten eine Rolle.
Zusätzlich ist die Ansteckung über indirekte Wege wie Transportfahrzeuge, Handelsstallungen und Personen möglich, aber von untergeordneter Bedeutung.