BVD-Überblick

Beim Krankheitskomplex Bovine Virusdiarrhoe/Mucosal Disease (BVD/MD) handelt es sich um eine weltweit verbreitete Viruserkrankung, die massive wirtschaftliche Schäden für Rinderhalter verursacht.

Der finanzielle Schaden infolge einer BVD-Virusinfektion in einer Herde wird mit bis zu € 155 pro Kuh angegeben. Aufgrund der großen ökonomischen Bedeutung der BVD-Virusinfektion ist daher ein Bekämpfungsprogramm sinnvoll.

Salzburg ist BVD - frei - Vorteile beim Kälberverkauf

Seit 1. April 2011 zählt das Land Salzburg zu jenen Gebieten, für die eine befristete, auf Antrag des Landes jährlich zu verlängernde, Ausnahmebewilligung hinsichtlich der verpflichtenden Einzeltieruntersuchungen festgelegt wurde. In Salzburg können cirka 2.900 amtlich anerkannte BVD-virusfreie Bestände mit laufend negativem Tankmilchergebnis diese Ausnahme nutzen.

Diese Betriebe können alle Kälber, die innerhalb von vierzehn Monaten nach einer negativen Tankmilch verkauft werden sollen, einmalig ohne Einzeltieruntersuchung Inverkehr setzen.

BVD-Tierverkehrsbescheinigungen für diese Kälber, die aufgrund der Ausnahme der BVD-Untersuchungspflicht verkauft werden dürfen, können im Internet unter  salzburg.gv.at/bvd ausgedruckt werden und haben das Kalb zu begleiten. Für alle anderen Betriebe ändert sich nichts!

Bedeutende Verwaltungsvereinfachung für die Ausstellung der BVD-Bescheinigungen von Salzburger Betrieben

Ab sofort können Landwirte und Händler in Salzburg die Verkehrsfähigkeit ihrer Tiere Online auf salzburg.gv.at/bvd abrufen. Darüber hinaus lässt sich auch eine Tierverkehrsbescheinigung für nicht trächtige Tiere erstellen und ausdrucken. Ohne Eingabe von Passwörtern oder spezielle Benutzerberechtigungen kann ganz einfach eine Bescheinigung über die Verkehrsfähigkeit des entsprechenden Tieres erstellt werden. Ausländische Marken müssen mit dem Landeskennzeichen ohne Leerzeichen eingegeben werden, bei Tieren mit AT Marke können die Nummern auch ohne den Vorsatz AT eingegeben werden. Führende Nullen müssen immer eingegeben werden. Die Untersuchungsdaten werden täglich aktualisiert.

Verkehrsfähig sind sowohl alle Tiere, die eine AMA-Ohrstanze eingezogen haben für die eine negative Untersuchung vorliegt, als auch Tiere, die sich bereits länger als sechs Monate auf einem amtlich BVD-frei zertifizierten Hof befunden haben. Trächtige Tiere sind grundsätzlich nur mit einem Einzeltierzeugnis, das wie bisher vom zuständigen Amtstierarzt bzw. der Veterinärdirektion ausgestellt wird, verkehrsfähig.

Hier nochmals die Adresse, unter der die Bescheinigung ausgestellt werden kann: salzburg.gv.at/bvd

Wesen der Krankheit

Beim Krankheitskomplex Bovine Virusdiarrhoe/Mucosal Disease (BVD/MD) handelt es sich um eine weltweit verbreitete Viruserkrankung, die massive wirtschaftliche Schäden für Rinderhalter verursacht. Der finanzielle Schaden infolge einer BVD-Virusinfektion in einer Herde wird mit bis zu € 155 pro Kuh angegeben. Aufgrund der großen ökonomischen Bedeutung der BVD-Virusinfektion ist daher ein Bekämpfungsprogramm sinnvoll.

Erstinfektionen mit dem BVD-Virus verlaufen oft ohne Krankheitserscheinungen, es können aber auch vorübergehend Durchfall, Fieber, Appetitlosigkeit, gestörtes Allgemeinbefinden, Husten und reduzierte Milchleistung auftreten. Fallweise werden auch schwere Verlaufsformen beobachtet.

Als Reaktion auf das Eindringen des BVD-Virus bildet das Rind sogenannte Antikörper aus.Dabei handelt es sich um Schutzstoffe, die die Viren bekämpfen und aus dem Körper entfernen. BVD-Antikörper bleiben nach Infektion lebenslang nachweisbar.

BVD-Virusinfektionen gehen immer mit einer Beeinträchtigung des Immunsystems einher, wodurch sich die Empfindlichkeit für andere Krankheitserreger erhöht. Verschiedene Infektionskrankheiten verlaufen ungünstiger und schwerer, wenn das BVD-Virus am Infektionsgeschehen beteiligt ist.
Bei trächtigen empfänglichen Rindern führen Infektionen mit dem BVD-Virus abhängig vom Trächtigkeitsstadium zu Fruchtbarkeitsstörungen, zu Verwerfen, Totgeburten, Missbildungen oder zur Geburt von lebensschwachen Kälbern.

Im ersten Trächtigkeitsdrittel zwischen dem 40. und 120. Tag der Trächtigkeit verursacht eine Infektion des ungeborenen Kalbes mit dem BVD-Virus eine spezifische Immuntoleranz. Das Immunsystem solcher Kälber erkennt den Krankheitserreger nicht als körperfremd, sondern betrachtet das Virus als körpereigenen Bestandteil. Diese Tiere beherbergen lebenslang das Virus. Sie werden als sogenannte Virusstreuer geboren und scheiden den Krankheitserreger in großen Mengen zeitlebens permanent aus (=PI-Tiere). Daher sind diese Kälber die wichtigste Quelle für die Virusverbreitung.

Virusstreuer können sich schlecht entwickeln, zeigen aber häufig untypische oder unauffällige Erscheinungen. Sie entziehen sich damit für längere Zeit der Feststellung und werden ohne Laboruntersuchungen erst bei Auftreten von Mucosal Disease (MD) entdeckt.

Ausschließlich Virusstreuer können an der MD erkranken. Meist tritt die MD im Alter von einem bis zwei Jahren auf, aber nicht alle Virusstreuer müssen an der MD erkranken. Die MD äußert sich durch Nasenausfluss, Fieber, unstillbaren Durchfall und Erosionen im gesamten Verdauungstrakt. Die MD ist unheilbar und endet immer tödlich.

BVD infiziertes Rind
BVD infiziertes Rind©Erika Sakoparnig
Schadwirkungen durch das BVD-Virus in einer Herde sind neben Ausfällen infolge MD Verwerfensfälle, Nachgeburtsverhalten, Fruchtbarkeitsstörungen, Euterentzündungen, Milchzellzahlerhöhungen, Darm- und Lungenentzündungen sowie die Geburt lebensschwacher oder missgebildeter Kälber.

BVD-Viren können auf verschiedene Weise in eine Herde eingeführt werden. Die weitaus wichtigsten Quellen für BVD-Virusinfektionen sind der Kontakt mit Virusstreuern auf Gemeinschaftsweiden, über Zukauf und Märkte, sowie der Zukauf von Muttertieren, die mit einem Virusstreuer trächtig sind.

Daneben spielen die Übertragung mit verschiedenen Instrumenten, verunreinigten Lebendvakzinen, infiziertem Samen und der Kontakt mit anderen Wiederkäuerarten eine Rolle.
Zusätzlich ist die Ansteckung über indirekte Wege wie Transportfahrzeuge, Handelsstallungen und Personen möglich, aber von untergeordneter Bedeutung.