Autor:
Melanie Hutter,
Fotos:
Alexander Paier/Sophie Huber-Lachner
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Sicherheit

Frühwarnsystem bei Hochwassergefahr

Das Team des Hydrographischen Dienstes des Landes besteht aus hochspezialisierten Experten und Expertinnen. Sie eint ein Ziel: die Menschen im Land so früh wie möglich vor Hochwasser zu warnen. Mit viel Technik, einem Netz aus Mess-Stationen, einer Menge Erfahrung und Wissen sowie auch durch die Zusammenarbeit mit wichtigen Partnern wie der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) und Kraftwerksbetreibern tragen die Fachleute zu unser aller Sicherheit bei.
 

Die Rückhaltebecken in Mittersill fast voll. Die Salzach „wuzelt" sich unter der Staatsbrücke in der Stadt Salzburg durch. Sandsäcke schützen notdürftig das Hab und Gut der Bewohner von Hallein. Diese Bilder der vergangenen Jahre haben sich eingeprägt, Hochwasserereignisse haben im gesamten Bundesland massive Schäden angerichtet – und menschliches Leid verursacht. Ein gutes Frühwarnsystem kann hier nicht nur Leben retten, sondern auch großen wirtschaftlichen Schaden verhindern. Daher ist das Bundesland überzogen von einem Netz an Mess-Stellen, die im 15-Minuten-Takt Niederschlag und Lufttemperatur sowie Wasserstand und Durchfluss registrieren. Diese Werte laufen beim Hydrographischen Dienst des Landes zusammen, um immer über die aktuelle Lage informiert zu sein.

Absolute Profis

Wer in Salzburg Hydrographischer Dienst sagt, der meint Hans Wiesenegger. Er leitet das Team und betont: „Ein gutes Vorhersagemodell für die maßgeblichen Faktoren wie Niederschlagsmenge und Pegelstände sowie der Austausch mit den wichtigsten Partnern ermöglichen uns meist sehr zuverlässige Prognosen. 100-prozentig kann man die Natur nicht vorhersagen, aber wir bemühen uns – immer die Sicherheit der Bevölkerung im Auge, denn ein paar Stunden Vorlaufzeit können den entscheidenden Unterschied machen."

Wir haben es in den vergangenen Jahren mit noch nie da gewesenen Hochwasserereignissen zu tun gehabt. Auch wir lernen dazu und haben ein großes Ziel: bestmögliche Sicherheit für die Menschen.
Hans Wiesenegger, Leiter Hydrographischer Dienst

Dutzende Mess-Stationen

Mehr als 400 Mess-Stationen im ganzen Land liefern seit 1895 Grunddaten für die umfassenden Analysen des Hydrographischen Dienstes. „Zur Bestimmung von Fließgeschwindigkeit, Tiefe und Durchfluss verwenden wir auch spezielle Mess-Boote. Falls jemand einmal einen eigenartigen ,Regentanz' an der Salzach sieht, das ist die Kalibrierung des Gerätes, bevor es ins Wasser gelassen wird", schmunzelt Wiesenegger.

Entscheidende Stunden

Wie so oft im Leben geht es auch bei den Prognosen und Warnungen vor Hochwasser um jede Minute. „In der Stadt Salzburg bleiben uns sechs bis zwölf Stunden Vorlaufzeit, bis das Hochwasser da ist. Die Lammer spielt dabei eine wesentliche Rolle. Im Oberpinzgau sind es aufgrund der geografischen Lage und der vielen Zubringer oftmals nur wenige Stunden, wenn überhaupt. Und bei lokalen Gewitter-Ereignissen kann es noch schneller gehen – wie wir auch in Hallein gesehen haben", erklärt Hans Wiesenegger.

Schnee spielt im Sommer entscheidende Rolle

Wenn es im Tal 30 Grad Celsius hat, klingt es erst eigenartig, dass ausgerechnet die Schneefallgrenze im Sommer eine entscheidende Rolle spielt. „Extremwetterereignisse hat es natürlich immer schon gegeben, zum Beispiel in den Jahren 1897, 1899, 1920 und auch 1959. Aber auch wir beobachten, dass sie häufiger und oftmals lokaler werden. Die Schneefallgrenze lag bei den Hochwasserereignissen in den vergangenen Jahren immer sehr hoch. Das führt dazu, dass innerhalb kurzer Zeit viel Wasser in die Flüsse gelangt und nicht im Hochgebirge zurückgehalten wird. Im Sommer 2021 hat man das sehr deutlich beim Hochwasser im Oberpinzgau gesehen. Auch die Prognosen werden dadurch für uns mitunter schwieriger", erklärt Wiesenegger.

Pegelstände und Warnungen über die Land Salzburg App

Die Expertise und Daten des Hydrographischen Dienstes verschwinden in keiner Schublade. Sie werden vielmehr der gesamten Bevölkerung und auch dem Katastrophenschutz des Landes kostenlos zur Verfügung gestellt. Pegelstände und Warnungen gibt es kostenlos und immer aktuell über die Land Salzburg App. Zusätzliche Infos zu Seen und Fließgewässern, aber auch zum Grundwasser und Quellen gibt es unter www.salzburg.gv.at/hydris. REP_220727_70 (mel/grs)

Forschung; Sicherheit; Wasser