Autor:
Gerhard Scheidler,
Fotos:
Melanie Hutter, Martin Wautischer, Gerald Valentin
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Karriere

Drei starke Männer im Landesdienst

Der eine liest aus den Steinen, der andere ist Pilot und steuert sein Fluggerät vom Boden aus und der Dritte nimmt das Land statistisch unter die Lupe. Welch umfassendes Fachwissen im Landesdienst vorhanden ist, zeigt dieser Beitrag exemplarisch an Gerald Valentin vom Landesgeologischen Dienst, Drohnenpilot Martin Lausenhammer und Landesstatistiker Gernot Filipp.
 

Wichtiges und Heiteres

Wie viele Menschen haben im Land Salzburg an einem 29. Februar Geburtstag? Solche Schmankerl aus dem statistischen Kuriositätenkabinett könnte Gernot Filipp täglich servieren. Er ist Herr aller Zahlen, Daten und Fakten im Landesdienst. Könnte, hätte er nicht Wichtigeres zu tun. Denn tatsächlich leitet er mit der Landesstatistik eine Stelle, die für viele zentrale Entscheidungen der Politik die Grundlagen liefert. Und in den vergangenen Monaten glänzten er und sein Team mit validen Informationen über das Corona-Virus. Übrigens: Es sind 330.

Das Land statistisch unter die Lupe genommen

Gerade während der Coronavirus-Pandemie hat sich gezeigt: Salzburg kann froh sein, in zahlreichen Gebieten hochklassige Fachleute in den eigenen Reihen zu haben. Gernot Filipp ist so einer. Der 54-jährige gebürtige Oberösterreicher nimmt mit seinem Team das Land statistisch unter die Lupe, aber auch die Gemeinden und Bezirke, die Berge, die Seen, die Straßen und natürlich die Bevölkerung, so etwa Lebenserwartung, Altersverteilung, regionale Besonderheiten und Prognosen in die Zukunft. „Die Arbeit der Landesstatistik liefert Grundlagen für bedeutende Richtungsentscheidungen, wie zum Beispiel im Wohnbau, im Bildungsbereich, für Arbeitsmarkt, Wirtschaft und Tourismus und viele andere Bereiche“, erklärt er. Dazwischen darf es auch mal „menscheln“, wenn es um die beliebtesten Babynamen geht. 2018 waren es Emma und Jakob.

Schneller als die Polizei erlaubt

Und stehen wieder einmal Wahlen an, egal ob auf Gemeindeebene, im Land, österreichweit oder zum EU-Parlament, glänzt die Landesstatistik mit Genauigkeit, Detailreichtum und Geschwindigkeit … manchmal sogar schneller als die Polizei erlaubt: In Echtzeit konnte man auf der Wahl-Webseite des Landes die Aufholjagd von Alexander van der Bellen gegen Norbert Hofer bei der Auszählung der Briefwahlstimmen zur Bundespräsidenten-Stichwahl 2016 mitverfolgen – bevor man vor dem großen Finale von höchster Stelle gestoppt wurde. Denn die Verkündung des endgültigen Ergebnisses blieb dann doch dem Innenminister vorbehalten.

Wir nehmen das Land, seine Gemeinden und Bezirke, seine Berge und Seen, die Bevölkerung und vieles mehr statistisch unter die Lupe.
Gernot Filipp, Landesstatistik
Ein bedrohlicher Felsen muss gesprengt werden. Gut zureden hilft da nicht.
Gerald Valentin, Landesgeologischer Dienst
Die Anspannung bei einem Flug ist enorm - spätestens wenn die Drohne nicht mehr zu hören ist.
Martin Lausenhammer, Drohnenpilot
(c) Holzknecht

Der Mann, der aus den Steinen liest

Um keine mikroskopisch für das menschliche Auge unsichtbare Bedrohungen wie einen Virus, sondern um sichtbare Gefahren kümmert sich Gerald Valentin. Als Landesgeologe hat er es so wie seine Kollegen Rainer Braunstingl und Ludwig Fegerl mit tonnenschweren Felsen und rutschenden Hängen zu tun. Seine Aufgabe ist es, einzuschätzen, wo Gefahr droht und welche Gesteinsmassen unter Kontrolle gebracht werden müssen. „Besonders bei akuten Notsituationen müssen wir schnell handeln und entscheiden. Oft heißt die Entscheidung: Straße sperren oder Haus evakuieren“, berichtet der „Steineflüsterer“.

Extremer Arbeitsplatz in luftigen Höhen

Der Arbeitsplatz eines Geologen ist manchmal extrem, in Spähposition im Helikopter, am Seil oder auf hochalpinen Kletterwegen. Sie müssen – im übertragenen Sinne – die Sprache der Felsen beherrschen. Schließlich geht es darum, kleinste Verschiebungen in Fels und Boden aufzuspüren. Dabei helfen ihm hochsensible Geräte und die Kollegen des Vermessungsdienstes. Oft sind es nur wenige Millimeter, die oberflächlich gar nicht entdeckt werden können. „Aber sie sind entscheidend für die Stabilität eines Hanges und ob Gefahr in Verzug ist oder nicht“, so Valentin. Und bei Gefahr in Verzug bleibt dann manchmal nur mehr: Sprengen. „Gut zureden hilft da nicht mehr“, sagt Valentin mit einem Augenzwinkern.

Modernste Technik als Sprachhilfe

Gut zureden heißt im Falle der Landesgeologen der Einsatz modernster Messgeräte. In einem aktuellen, von der EU geförderten Projekt werden mithilfe von Satellitenradar aus dem Weltall Bodenbewegungen detektiert. Erst kürzlich konnte er eine langjährige Forschungsarbeit auf dem Ödenwinkelkees im Pinzgau über Felsinstabilitäten im Permafrost abschließen. Dabei wurden unter der Leitung des Landesgeologischen Dienstes Problemzonen im Hochgebirge wissenschaftlich beobachtet und gemessen, dass sich steigende Temperaturen und Gletscherschwund unmittelbar auf die Gesteinsfestigkeit auswirken und vermehrt Felsen bröckeln lassen, sowohl was die Häufigkeit, als auch die Menge betrifft.

Pilot mit Bodenhaftung

Hoch konzentriert und mit beiden Beinen auf dem Boden, den Blick immer in Richtung Himmel oder auf die Fernsteuerung in seinen Händen gerichtet. Das ist Martin Lausenhammer, wenn er als Pilot der Landes-Drohnen im Einsatz ist. Seit 2015 beschäftigt er sich mit den fliegenden High-Tech-Geräten und hat sich mittlerweile einiges an Expertenwissen angeeignet. Fingerspitzengefühl ist auf jeden Fall gefragt, das Gerät wird mit einer kleinen Fernbedienung und einem Monitor gesteuert. Die befestigte Kamera macht hochauflösende Bilder von Orten, die meist nur schwer erreichbar sind. Ist das Fluggerät außer Sichtweite, kann es mittels Monitor weiterverfolgt werden. So entstehen die atemberaubenden Vogelperspektiven.

Über den Dingen schweben

Martin Lausenhammer schwebt mit den Drohnen des Landes oft über den Dingen. Die große Umweltbaustelle zum Life-Projekt Salzachau im Flachgau hat er genauso überflogen wie den Felssturz auf die B99 Katschberg Straße bei Hüttau oder die Schäden nach dem Murenabgang in Uttendorf im November 2019. Beim Land werden derzeit zwei Drohnen eingesetzt: eine zur Erstellung von Videos und Schrägluftbildern und die andere zur Vermessung, um Luftbilder und 3D-Modelle zu erstellen. REP_200708_50 (grs/mel)

Karriere; Statistik; Sicherheit
Info

Zahlen sind sein Metier

Gernot Filipp wurde 1965 in Vöcklabruck geboren und ist nach Studienabschluss an der Universität Linz und an der Texas A&M University seit 1993 im Landesdienst. Als Anerkennung für die Leistungen der vergangenen Jahre wurde ihm vor kurzem der Hofratstitel verliehen. „Diese Auszeichnung verdanke ich vor allem meinem Team, das immer seine beste Leistung abruft und auf das ich mich immer zu 100 Prozent verlassen kann“, sagt er.

Die Berge sind sein Element

Der 56-jährige Gerald Valentin ist gebürtiger Kärntner und seit zirka 25 Jahren für das Land Salzburg tätig. Die Berge sind für ihn als staatlich geprüften Berg- und Skiführer, als Amtssachverständigen für alpine Sicherheit und seit jeher auch in seiner Freizeit sein Element.

Von der Erde zum Himmel

Martin Lausenhammer begann seine Ausbildung als Vermessungstechniker-Lehrling beim Land Salzburg 2002 und ist seither im Referat Technische Bodenneuordnung in der Abteilung Lebensgrundlagen und Energie. Als Drohnenpilot ist der 33-Jährige aus Seekirchen am Wallersee seit Anfang 2016 im Einsatz.