Autor:
Mario Scheiber,
Fotos:
Franz Neumayr/Heiner Heine/Melanie Hutter
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Kultur

Salzburg „marschiert“ nach Mühldorf

Zum 700. Mal jährt sich im September die Schlacht bei Mühldorf am Inn. Vor den Toren der oberbayrischen Kreisstadt – sie hat heute in etwa die gleiche Einwohnerzahl wie Hallein – kämpften gegeneinander die Ritterheere der Habsburger und der Wittelsbacher. Am Sonntag, dem 4. September 2022, wird diesem historischen Ereignis mit einem großen Festakt gedacht. Landeshauptmann Wilfried Haslauer führt dabei die Salzburger Delegation an. Mit im „Gepäck“ sind 80 Schützenkompanien sowie über 20 Musikkapellen. Insgesamt werden bei der Ausrückung mehr als 3.500 Personen aus unserem Bundesland „aufmarschieren“. „Salzburg und Mühldorf am Inn haben eine jahrhundertelange gemeinsame Vergangenheit. Im kommenden September lassen wir diese wieder aufleben“, sagt Landeshauptmann Wilfried Haslauer.
 

„Es wird ein großer und schöner Festakt in Mühldorf am Inn. Es freut mich, dass Salzburg so geschlossen und auch mit der Tradition fest verbunden zu diesem besonderen Jubiläum gratulieren kann. Wir dürfen nicht vergessen: Die Salzburger Enklave Mühldorf am Inn hatte eine fast 900-jährige Zugehörigkeit zum Erzbistum und die Schlacht war bedeutet für unsere Geschichte“, so Landeshauptmann Wilfried Haslauer. Der Landesschützenobrist Josef Braunwieser aus Bergheim ergänzt: „Tausende Salzburger Schützen aus allen Bezirken unseres Bundeslandes werden am Hauptplatz in Mühldorf am Inn aufmarschieren und so Teil des großen Festaktes werden. Ehrensalven dürfen dann natürlich nicht fehlen.“

Aus Salzburg werden über 3.500 Schützen und Musikanten nach Mühldorf fahren
Landeshauptmann Wilfried Haslauer.

Niederlage Salzburgs hatte in Folge auch Vorteile 

Vor 700 Jahren fand auf den Feldern vor der Salzburger Stadt Mühldorf am Inn die Entscheidungsschlacht um die deutsche Königskrone statt. In der letzten großen Ritterschlacht ohne Feuerwaffen trafen der Wittelsbacher Ludwig IV. der Bayer und sein Konkurrent, der Habsburger Friedrich der Schönen aufeinander. Der Salzburg Erzbischof Friedrich III. unterstützte die Habsburger und hoffte auf einen Sieg „seines" Königs. Umso bitterer war der Ausgang des Kampfes. Die Truppen Friedrich des Schönes und die Salzburger Ritter wurden vernichtend geschlagen. Der Habsburger und sein Bruder Heinrich der Freundliche gerieten sogar in bayrische Gefangenschaft.

"Steuer" sorgt für Unabhängigkeit

Der Preis der Niederlage für die Salzburger waren im wahrsten Sinne des Wortes hoch. Der Salzburger Erzbischof Friedrich III. musste das gesamte Geld zusammenkratzen, um seine gefangenen Ritter freikaufen zu können. Am Ende des Tages war er gezwungen, um das Lösegeld aufzubringen, eine neue Steuer einführen, wobei auch der Papst zustimmen musste. Die päpstliche „Genehmigung" zur Salzburger „Einkommenssteuer" ist mit 5. Februar 1327 beurkundet. Ein wichtiges Datum in der Salzburger Geschichte. Im Gegenzug musste der Erzbischof im Jahr darauf nämlich die erste Landordnung von 1328. Sie ersetzte das bisher geltende bayerische Landfriedensrecht. Mit diesem Schritt trennte sich das Erzbistum endgültig von Bayern und es wurde zu einem weitgehend selbstständigen Staat innerhalb des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. REP_220623_90 (msc/mel)

Haslauer; Kultur; Salzburg; Flachgau; Tennengau; Pinzgau; Pongau; Lungau; Stadt Salzburg
Info

Salzburgs Schützen sind mit rund 6.500 Mitgliedern und 110 Kompanien und Garden eine fixe Größe im Vereinsleben der Gemeinden.

Die Schützenkompanien und Mitglieder im Bundesland im Überblick:  

  • Flachgau: 41 Kompanien - 3422 Mitglieder
  • Tennengau: 19 Kompanien - 1936 Mitglieder
  • Pongau: 18 Kompanien - 1544 Mitglieder
  • Pinzgau: 13 Kompanien - 1185 Mitglieder
  • Stadt Salzburg: 11 Kompanien - 832 Mitglieder
  • Lungau: 8 Kompanien - 450 Mitglieder
Zur Ausrückung nach Mühldorf fahren rund dreiviertel aller Kompanien und Garden aus allen Bezirken mit.