Autor:
Lucas Kröll,
Fotos:
Land Salzburg/Neumayr – Leopold/Hofer
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Natur

Natur pur in Pinzgauer Gärten

Naturnah, artenreich, ohne Chemie und voll mit heimischen Pflanzen. Nach diesen Kriterien wird in Salzburg die „Natur im Garten“-Plakette seit gut einem Jahr an besonders grüne Daumen vergeben, seit 1. August sogar kostenlos. Zwei von den mittlerweile rund 150 ausgezeichneten Grünflächen werden von Elke und Christian Riedlsperger in Leogang sowie von Annelise Reiffenstuhl in Saalfelden bewirtschaftet. Ihre Botschaft an alle naturnahen Gartler und die es noch werden wollen: Einfach probieren und der Natur ihren Lauf lassen.
 

​Schon von weitem stechen ihre Häuser heraus. Wo nebenbei noch die akkurat getrimmte Thujenhecke vorherrscht, mögen es Familie Riedlsperger und Annelise Reiffenstuhl „wild“: Farne, Brennnesseln, Obstbäume und vieles mehr säumen die Grundstücke und locken scharenweise Vögel, Insekten und Amphibien an. Was beide Gärten neben der verliehenen „Natur im Garten“-Plakette noch vereint: Sowohl in Leogang als auch in Saalfelden bildet ein natürlich gehaltener Teich den Mittelpunkt im Grün. Davon profitieren nicht nur die Besitzer, sondern auch die unzähligen Gäste aus dem Pflanzen- und Tierreich.

Auszeichnung kostenlos

Als besonderes Zuckerl sind seit kurzem sowohl die Überprüfung durch Fachpersonal als auch die aus Emaille gefertigte Auszeichnung selber kostenlos. Das Geld für bereits verliehene Plaketten wird ebenfalls auf Anfrage rückerstattet, insgesamt wurde sie bisher rund 150 Mal vergeben.

Kleinod am Fuße der Steinberge

Hereinspaziert bei Elke und Christian Riedlsperger. Auf rund 720 Quadratmetern Fläche haben die beiden im Laufe der Jahre ein richtiges Paradies für Mensch, Tier und Pflanzen angelegt. Das Highlight: Zahlreiche kleine und größere Teiche als Heimat für Fische, Schildkröten, Insekten und alle möglichen Zaungäste. „An heißen Tagen springen wir natürlich auch selbst gerne ins kühle Nass, so die beiden.

Die Kraft und die Entspannung, die wir aus dem Garten ziehen, überwiegt über die Arbeit.
Elke und Christian Riedlsperger, naturnahe Gärtner in Leogang

Gartenelement Teich

Abseits vom Schwimmen bieten die Wasserstellen noch zahlreiche weitere Vorteile. „Unsere Fische fressen zum Beispiel den Großteil der Gelseneier auf, so können wir auch im Hochsommer draußen sitzen und entspannt dem Wasserplätschern lauschen. Aber auch nützliche Insekten profitieren vom Flüssigkeitsangebot, es wird nämlich gerne vergessen, wie wichtig Wasser beispielsweise für Bienen ist, erzählen Elke und Christian Riedlsperger. Algen- und Wasserwert mussten die beiden übrigens noch nie kontrollieren: „Das reguliert sich durch die vielen Pflanzen einfach von selbst.

Ehepaar Riedlsperger: „Ein Rollrasen ist uns zu wenig.

Neben dem „flüssigen“ Teil weiß der Garten natürlich auch mit vielen weiteren Elementen zu punkten: Insektenhotels, heimisches Grün in sämtlichen Jahreszeiten, Steinhaufen für Krabbler, ein großer Komposthaufen mit scharrenden Hühnern und vieles mehr ziert die Naturanlage. Wie das alles angefangen hat? „Mein Mann und ich sind beide mit und in der Natur aufgewachsen, das hat uns immer begleitet. Als wir dann vor mehr als 25 Jahren hier in das Haus in Leogang gezogen sind, war für uns klar, dass uns ein simpler Rollrasen auf Dauer nicht glücklich macht. Seitdem ist unser ‚Projekt‘ jedes Jahr immer weiter gewachsen“, so Elke Riedlsperger.

Wohlfühloase im Eigenheim

Zusammen beschäftigt sich das Ehepaar rund eine Stunde täglich im Garten und bewirtschaftet ihn. „Das kann natürlich je nach Wetterlage und Jahreszeit immer wieder schwanken. Insgesamt sind wir aber überzeugt, dass ein akkurater Garten, in dem sich die Natur nicht ausleben kann, weit mehr Zeit in Anspruch nehmen würde“, betonen sie und ergänzen: „Wir sind einfach unglaublich gerne zu Hause. Deshalb möchten wir es dort so schön wie möglich haben. Die Kraft und die Entspannung, die wir aus dem Garten ziehen, überwiegt über die Arbeit.“

Es ist egal wie groß ein Garten ist. Jeder davon kann naturnah sein und einen wertvollen Beitrag für unser Ökosystem leisten.
Annelise Reiffenstuhl, naturnahe Gärtnerin in Saalfelden

Ein Urwald im Mitterpinzgau

Szenenwechsel in den Nachbarort Saalfelden. Die Grillen zirpen, der Wind streicht durch die Sträucher und das Wasser plätschert vor sich hin, kurzum: ein Paradies für Mensch, Tier und Pflanzen. Annelise Reiffenstuhl, im Brotberuf Krankenschwester, hat sich im Haus ihrer Großeltern in Saalfelden auf 900 Quadratmetern ein richtiges Gartenparadies geschaffen. Zwei Dinge stechen dabei sofort heraus: Ein großzügiger Badeteich bildet den Mittelpunkt des Gartens und rund herum zieren natürlich gehaltene Pflanzen die gesamte Fläche.

Eine grüne Oase

Rund um die große Wasserfläche tummeln sich die unterschiedlichsten Gräser, Sträucher und Baume. „Seit meinem Einzug im Jahr 1999 ist die Grünanlage Jahr für Jahr ein Stück gewachsen. Mein Garten ist für mich eine wunderschöne Oase, in der ich Ruhe und Kraft schöpfen kann, seit dem Vorjahr sogar zertifiziert durch die ‚Natur im Garten‘-Plakette“, erzählt die Obfrau des örtlichen Obst- und Gartenbauvereins.

Naturliebhaberin seit Kindertagen

Annelise Reiffenstuhl ist beinahe täglich mit ihrem Garten beschäftigt. „Im Frühling und im Herbst kommt natürlich ein wenig mehr Arbeit zusammen, aber ich mache das einfach sehr gerne. Das ist für mich ein schöner Ausgleich zum Klinikalltag, ist sie überzeugt. Die Ursprünge für ihre Naturleidenschaft liegen in der Vergangenheit: „Meine Familie war und ist im Obst- und Gartenbauverein engagiert, mein Bruder ist Landschaftsgärtner und ich erinnere mich selbst an eine Kindheit zurück, in der es zu Hause immer Blumen gegeben hat.

Tierische Mitbewohner

Durch die große Vielfalt an Lebensräumen und Nahrung bekommt Annelise Reiffenstuhl auch regelmäßig fliegenden, krabbelnden und kriechenden Besuch. „Neben den Fischen im Teich kommen unzählige Vögel, Insekten, insbesondere Libellen, Eichkätzchen, Dachse und auch Marder in den Garten, um nur einige zu nennen. Man entdeckt jeden Tag etwas Neues, so ist das eigene Grün ein regelrechtes Erlebnis.

Schritt für Schritt für eine naturnahe Zukunft

Weniger ist mehr! Nicht nur Hausbesitzer mit großen Grünflächen, sondern auch grüne Daumen auf Balkonen und Fensterbrettern möchte Annelise zum Mitgarteln motivieren: „Es ist egal wie groß ein Garten ist. Jeder davon kann naturnah sein und einen wertvollen Beitrag für unser Ökosystem leisten. Viele kleine Taten machen letztendlich wiederum einen großen Unterschied aus. REP_210831_149 (luk/mw)

Natur; Natur in Salzburg; Pinzgau
Info

Die Kriterien von „Natur im Garten

  • Verzicht auf chemisch-synthetische Pestizide, chemisch-synthetische Dünger und Torf
  • Verwendung heimischer Pflanzen, Stauden und Gehölze sowie regionalem Saatgut
  • Naturgartenelemente aus natürlichen Materialien verwenden
  • Blumenwiesen und Kräuterrasen anlegen
  • insektenfreundliche Blumen, Stauden, Wildsträucher und Laubbäume verwenden
  • Stein- oder Asthaufen und Teiche sind trockene oder feuchte Sonderstandorte, die Lebensraum für Nützlinge sind.
  • Komposthaufen anlegen, Regenwasser nutzen und umweltfreundliche Materialien verwenden
  • Gemüsebeete, Kräutergarten, Obstgarten oder Beerensträucher pflanzen
  • Gemüsebeete mulchen und auf Gründüngung setzen
  • auf Mischkultur und Fruchtfolge achten