Autor:
Stefan Mayer,
Fotos:
wildbild
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Verkehr

Der Digibus wird flügge

Es klingt nach Zukunftsmusik: Autos bringen uns fahrerlos von A nach B. In Salzburg wird an der Praxis gefeilt. Ein zukunftsreiches Unterfangen. Ein Erfahrungsbericht.
 

​Nahezu geräuschlos und bedächtig nähert sich ein futuristisches Vehikel in hippem Frühlingsgrün. Die ersten Fahrgäste warten schon. Ein Fingerdruck auf den Türöffner, dann fällt der Blick auf zwei Sitzbänke und Haltestangen. Lenkrad und Fahrer sucht man vergeblich. Ihre Rolle übernimmt der Prozessor im Innenleben des Fahrzeugs. Willkommen im Digibus! Willkommen bei der Testfahrt!

Übung macht den Meister

Die landeseigene Forschungsgesellschaft Salzburg Research untersucht Methoden, Technologien und Modelle für den zuverlässigen und verkehrssicheren Betrieb von automatisierten Fahrzeugen im Personennahverkehr. Erforscht wird, wie sie zu Zubringern in einem regionalen Mobilitätssystem werden können.

Spannend, ohne Fahrer unterwegs zu sein. Gleichzeitig fühlt es sich ziemlich normal an.
Franziska Höllbacher aus Adnet

​Otmar Essl aus Hallein, Franziska Höllbacher, Adnet, Philipp Werr aus der Landeshauptstadt waren im vergangenen September beim ersten fahrerlosen Shuttletest auf dem Salzburgring dabei. „Aufs erste völlig neu und auch eigenartig, ohne Fahrer unterwegs zu sein, aber man gewöhnt sich schnell daran“, so das Fazit der Testpassagiere.

Faktor Mensch

„Wir testen vier Szenarien“, erläutert Karl Rehrl von Salzburg Research, der mit seiner Kollegin Cornelia Zankl das Digibus Austria-Projekt leitet. Dazu gehören ein technischer Defekt und eine Situation, in der mehr als die im Bus möglichen sechs Personen mitfahren wollen. „Hauptziel ist es, zu erfahren, wie sich die Passagiere fühlen. In abgesperrten Bereichen meistert der Digibus schon alle diese Anforderungen, auf öffentlichen Straßen, also im normalen Verkehrsgeschehen, wird das aber noch Jahre dauern“, bremst Rehrl Erwartungen für einen Einsatz in naher Zukunft.

Sicherheit geht vor

Beim Test auf dem abgesperrten Salzburgring steht die Sicherheit an oberster Stelle. Supervisor Simon Gröchenig achtet in einer Leitzentrale darauf, dass der selbstfahrende Bus nicht vom programmierten Weg abkommt. Ziel ist es, in Zukunft ganze Flotten von autonomen Fahrzeugen von einer Stelle aus zu überwachen.

Eine spannende Entwicklung, die uns die Mobilität von morgen zeigt.
Landesrat Stefan Schnöll

Zukunftspotenzial als Zubringer

Verkehrslandesrat Stefan Schnöll hat die „ersten Schritte ganz alleine“ ebenfalls live an Bord miterlebt. Seine Zukunftsvision: „Die Erkenntnisse sind für den öffentlichen Nahverkehr aufschlussreich, weil hier konsequent an der Wirklichkeit erprobt wird. Wenn er voll ausgereift ist, kann der Digibus als Zubringer zu den Hauptlinien in Außenbereichen von Siedlungen wertvolle Aufgaben übernehmen.“

Koppl-Shuttle mit Fahrplan

Im Mai kommt eine neue Generation an selbstfahrenden Bussen in den Praxistest, diesmal als echter Zubringerbus vom Koppler Ortszentrum zur Linie 150 zwischen Salzburg und Bad Ischl. „Die Sensorik im Shuttle ist nochmals verbessert worden. Wir testen im Sommer erstmals mit echtem Fahrplan“, skizziert Projektleiterin Zankl den weiteren Weg. Ein „Operator“ muss mit an Bord sein, denn das Digibus-Shuttle ist in der Flachgauer Gemeinde auf öffentlichen Straßen unterwegs. Es wird noch einige Zeit dauern, bis der selbstfahrende Bus das schützende Nest seiner Betreuer verlässt und ganz allein auf große Fahrt gehen kann. REP_200314_61 (sm/mel)



Flachgau; Schnöll; Verkehr; Forschung
Info

Daten und Fakten 

Von gelenkt bis selbstständig

Auto-nomiestufen

0 - Selbstfahrer: Der Mensch fährt, lenkt, beschleunigt, bremst selber.

1 - Fahrerassistenz: Hilfssysteme wie Abstandsregeltempomat im Einsatz

2 - teilautomatisch: Einparken, Spurhalten, Beschleunigen, Abbremsen werden übernommen.

3 - bedingungsautomatisch: Fahrzeug führt selbstständig Funktionen wie Blinken oder Spurwechsel und Spurhalten durch. Bei Bedarf wird der Fahrer aufgefordert, die Führung zu übernehmen.

4 - hochautomatisch: System übernimmt die Kontrolle und schaltet Fahrer nur bei Überforderung ein.

5 - vollautomatisch: kein Fahrer, kein Lenkrad keine Pedale