Autor:
Karin Gföllner,
Fotos:
Bergrettung Salzburg
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Sicherheit

Im „Land der Berge“ für andere da

Die offiziell in der Bundeshymne besungene Topographie unseres Landes ist ausschlaggebend dafür, dass immer mehr Einheimische im alpinen Gelände ihre Freizeit verbringen und alljährlich Millionen Menschen in Salzburg urlauben. Doch es gibt auch Schattenseiten und diese heißen Unfall oder Bergnot. Dann sind die Profis der Bergrettung gefragt. Einer von ihnen ist Bernd Tritscher, Bezirksleiter im Pinzgau.
 
Sie wenden viel Freizeit dafür auf, um anderen zu helfen – und das ehrenamtlich. Da drängt sich natürlich die Frage auf „Warum tut man sich das an?“ „Es sind die Gemeinschaft und die Kameradschaft, die ich nicht missen möchte. Und so wie am ersten Tag ist es für mich als begeisterter Bergsteiger nach wie vor motivierend und wichtig, jemandem zu helfen, der sich in einer Notsituation befindet“, sagt einer, der bereits seit 37 Jahren bei der Bergrettung ist und auf hunderte Einsätze zurückblickt: Bernd Tritscher, Bezirksleiter im Pinzgau und zuvor 20 Jahre Ortststellenchef in Saalfelden.

"Es hat mir von Anfang an voll getaugt.
Bernd Tritscher, Bezirksleiter Pinzgau

So viele Einsätze wie nie zuvor

Die Rettung von verletzten Personen aus unwegsamem Gelände, so lautet der Grundauftrag. Die Bergrettung ist überall dort gefragt, wo Feuerwehr, Rotes Kreuz und so weiter aufgrund ihrer Ausrüstung und der geografischen Gegebenheiten nicht mehr in der Lage sind, zu helfen. Und dies ist in den vergangenen Jahren immer häufiger der Fall. Die Freizeit in der Natur zu verbringen liegt voll im Trend und Urlaub in den Bergen steht bei in- und ausländischen Gästen auf der Beliebtheitsskala sehr weit oben. Fast 700 Einsätze hatten die heimischen Bergretter im Vorjahr zu verzeichnen, so viele wie noch nie.

Es ist nicht wie im Film

Viel mehr Menschen unterwegs, bedeutet auch mehr Unfälle und heißt auch mehr Einsätze und Retter. „Viele junge Leute haben ihr Interesse an den Bergen und am Bergsteigen neu entdeckt. Und das bedeutet für uns auch, dass wir aktuell keine Nachwuchssorgen haben", so Bezirksleiter Tritscher, wenngleich er eingesteht, dass es bei einigen falsche Vorstellungen gibt, denn: „Bei uns läuft das nicht so ab wie im Film oder in Vorabendserien im Fernsehen. In der Realität sind wir oft bei Sauwetter und in der Nacht unterwegs."

„Es gibt sehr wenig, was wir im Laufe der Zeit nicht erleben.“
Bernd Tritscher, Bezirksleiter Pinzgau

Mit den Bergen auf du und du

A pro pos Nachwuchs: Wie wird man eigentlich Bergretter? Das Anforderungsprofil liegt auf der Hand: Es sind zumeist Personen, die überdurchschnittlich viel in den Bergen unterwegs sind, sich auskennen, eine gute Kondition besitzen, klettern und gut Ski fahren können (vor allem auch im Gelände) und bereit sind, einen guten Teil der Freizeit für die Aus- und Fortbildung sowie für Einsätze aufzuwenden. „Wichtig ist auch die Vereinbarkeit von Beruf und Ehrenamt, um tagsüber ausrücken zu können", berichtet Bernd Tritscher aus seiner jahrzehntelangen Praxis.

Klein anfangen und sich langsam steigern

Die eigene Kondition beachten und eine gewissenhafte Planung, das sollte eigentlich selbstverständlich sein, bevor man zu einer Wanderung oder einer Tour aufbricht. „Leider geht es in der Praxis oft anders zu: Etwa Eltern, die ihre Kinder auf einem Klettersteig völlig überfordern und die wir dann aus Absturzgelände abseilen müssen. Oder E-Biker, die mit Motorunterstützung dorthin kommen, wohin sie mit Muskelkraft allein nie gelangt wären, und die schafft hätten und dann beim Bergab-Fahren Probleme haben, stürzen und sich verletzen", schildert Bergretter Tritscher zwei aktuelle Beispiele. Daher sein Rat für alle, die es jetzt in der Urlaubszeit wieder in die Berge zieht: das eigene Können richtig einschätzen, klein anfangen und zuerst leichte Sachen machen und sich dann langsam steigern. REP_200608_20 (kg/mel)

Gesellschaft; Gesundheit; Sport; Tourismus
Info
Bergrettung Salzburg

  • Einsätze im Jahr 2019: 793
  • Geborgene Personen: 689
  • Einsatzstunden: 15.031 (2018: 9.754)
  • Aktive Einsatzkräfte: 1.484 (Flachgau 173, Tennengau 153, Pinzgau 501, Pongau 565, Lungau 92)
  • Zahl der Ortsstellen: 43 (Flachgau 5, Tennengau 4, Pinzgau 14, Pongau 16, Lungau 4)

Notrufnummer für alpine Unfälle 140

Europäische Notrufnummer 112