SANSIBAS

Von der Straße auf die Schiene

Das Projekt SANSIBAS fördert Schienengüterverkehr in Bayern und Salzburg.

  • Informations- und Vermarktungsportal für Anschlussbahnen und Gleisanschlüsse
  • Innovatives Online-Portal zum Kostenvergleich von Schienen- und Straßentransport
  • Standortindikatoren-Set unterstützt Infrastrukturplanung und Raumentwicklung
  • EuRegio-AnschlussbahnCoach unterstützt Unternehmen bei Stärkung ihres Schienengüterverkehrs
  • Grenzüberschreitendes Projekt von Land Salzburg, WFG Berchtesgadener Land und IV Salzburg in der EuRegio Salzburg - Berchtesgadener Land - Traunstein

Mit gezielten Informationsmaßnahmen und der Vernetzung von Akteuren stärkt das grenzüberschreitende Projekt SANSIBAS den Schienengüterverkehr im Berchtesgadener Land und in Salzburg. Ende März 2015 endet diese Initiative. Die Ergebnisse wirken darüber hinaus: ein neu entwickeltes Anschlussbahn-Informationssystem, ein innovatives Online-Portal zum Kostenvergleich von Schienen- und Straßentransport, Bewertungsindikatoren für die Raumplanung sowie Resultate aus Bahnchecks und Prüfungen von Gewerbestandorten.

 Schienengüterverkehr ist umweltfreundlich und essenziell für die Erfüllung der Transportbedürfnisse vieler Unternehmen. Trotzdem werden bestehende Gleisanschlüsse in der Praxis teilweise wenig oder gar nicht für den Güterverkehr genutzt. Der Grund: Viele Unternehmen haben nicht das Volumen, um die Massenleistungsfähigkeit der Schiene voll auszunutzen. „Der Einzelwagenladungsverkehr ist sehr komplex und bedarf aufwendiger Prozesse. Dies schlägt sich in hohen Kosten nieder. Aber auch das Wissen in den Unternehmen und in der öffentlichen Verwaltung um den Schienengüterverkehr ist gering. Genau hier setzte das Projekt SANSIBAS an. Wir haben umfassend beraten und informiert, mit dem Ziel Transportströme zu bündeln. Dadurch konnten wir den Schienengüterverkehr in Bayern und Salzburg stärken“, blickt Thomas Birner, Lead Partner und Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Berchtesgadener Land, auf das Projekt zurück. Umfassende und gleichzeitig kostenlose Dienstleistungen wurden Gemeinden, Unternehmen und Planern angeboten.

Vermarktungsplattform für Anschlussbahnen und Gleisanschlüsse
Im Rahmen von SANSIBAS wurde mit gABIS (gleis-AnschlussBahnInformationsSystem) eine zentrale Informations- und Vermarktungsplattform für Anschlussbahnen und Gleisanschlüsse entwickelt: Anschlussbahnbetreiber können ihren Anschluss digital erfassen und freie Kapazitäten ihrer Infrastruktur für Fremdverladungen Dritter bewerben. gABIS bietet aber auch eine aktive Suche nach Gleisanschlüssen an. Sollte ein verladendes oder produzierendes Unternehmen keinen eigenen Gleisanschluss haben, kann es nach „offenen“, also Dritten geöffneten Anschlussbahnen in der Quell- oder Zielregion suchen. Das Ziel ist es, bestehende Infrastrukturen künftig gemeinsam zu nutzen. Standortentwicklern wird mit gABIS ein wertvolles Werkzeug bei der Bewertung von Gewerbestandorten an die Hand gegeben. Um einer zukunftsweisenden Raumentwicklung eine Grundlage zu geben, wurde außerdem ein Bewertungsmodell zur Analyse von Gewerbestandorten geschaffen. Basis dafür war die Ausweisung von Standortindikatoren für die Umgebung eines Standorts, wie die Distanz zum nächsten Gleisanschluss, Flächenwidmungen oder Standorte transportintensiver Unternehmen. Als weiterer Baustein wurde im Projekt ein Kosten- und Vergleichsberechnungsportal für potenzielle Schienentransportvarianten entwickelt. So kann man einfach und direkt prüfen, welche Transportvarianten welche Kosten verursachen.
 Der schnelle Variantenvergleich dient als erste Entscheidungsbasis für die weitere Detailprüfung. „Mit Hilfe von gABIS können Betreiber ihren Gleisanschluss besser vermarkten und wirtschaftlicher betreiben. Verlader und Unternehmen ohne Gleisanschluss können mit gABIS gezielt nach Möglichkeiten suchen, ihre Güter auf der Schiene zu transportieren. Zudem zeigt das Vergleichsberechnungsportal beispielhaft auf, wo wirtschaftlich sinnvolle Verlagerungspotenziale für die Schiene liegen. Das Vergleichsberechnungsportal steht Experten und Interessierten öffentlich und kostenlos zur Verfügung“, hebt Stefan Krampe, Geschäftsführer von TraffiCon und Entwickler des Web-Portals, die Vorteile von gABIS hervor.

Check möglicher Gleisanschlüsse
Ein wichtiger Teil im Projekt war die Beratung und Unterstützung von Gemeinden und Unternehmen in Fragen rund um die Errichtung, wirtschaftliche Nutzung und mögliche Förderung von Gleisanschlüssen. Diese Aufgabe übernahm der EuRegio-AnschlussbahnCoach Friedrich Gitterle. Zu seinen Dienstleistungen zählte unter anderem die Untersuchung, ob und wie sich bestehende oder künftige Gewerbestandorte an das öffentliche Schienennetz anschließen lassen. „Größere Flächen für künftige Gewerbezonen mit Bahnanschluss sind knapp, trotzdem werden die vorhandenen Chancen oft gar nicht erkannt, geschweige denn genutzt. Oft sogar verbaut. Im wahrsten Sinn des Wortes“, weiß Friedrich Gitterle, EuRegio-AnschlussbahnCoach, aus Erfahrung. Für den Schienengüterverkehr ist eine vorausschauende Raumplanung aber wesentlich. Daher wurden ausgewählte Gewerbezonen mit Zukunftspotenzial untersucht. Insgesamt wurden 11 Standorte geprüft. Darunter auch das Gewerbegebiet rund um den ehemaligen Bahnhof der Gemeinde Saaldorf-Surheim. Alle Randbedingungen wurden geprüft und jeweils Anschlussvarianten durch den EuRegio-AnschlussbahnCoach vorgeschlagen. Bei 7 Standorten, darunter jener in der Gemeinde Saaldorf-Surheim, ist ein Anschluss machbar und sinnvoll, bei den anderen Standorten aus gegebenen wirtschaftlichen, technischen und raumplanerischen Bedingungen nicht.

Best Practice: Schweighofer Fiber
Konkrete Beratung nahm beispielsweise der Zellstoffproduzent Schweighofer Fiber in Anspruch. Das Unternehmen plant, die bestehende Anschlussbahninfrastruktur weiter auszubauen. Die Entwürfe dazu wurden von AnschlussbahnCoach Friedrich Gitterle evaluiert und die bahnbetriebliche Notwendigkeit der Ausbaumaßnahme festgestellt. Das Ergebnis: Die Investition in den Schienengüterverkehr wird nun sowohl mit einer Förderung des Bundes (SCHIG) als auch des Landes Salzburg unterstützt.

Bündelungen sollen Verlagerung auf Schiene unterstützen
Um Verlagerungen zu initiieren, wurden erstmals alle Unternehmen mit relevantem Transportaufkommen in der Projektregion flächendeckend identifiziert und aktiv auf eine Verlagerung und Bündelung mit anderen Unternehmen angesprochen. Das Ergebnis ist ernüchternd: Unter den gegebenen externen Rahmenbedingungen ist das Potenzial für die Verlagerung auf Schiene oder Bündelungen gering. Einige Unternehmen zeigten allerdings Interesse. Für diese wurden konkrete Bündelungsprojekte erarbeitet und an die jeweiligen Bahnen weitergegeben. Unter diesen Umständen ist es umso wichtiger, die bestehenden Infrastrukturen zu erhalten und bei Ansiedlung und in der Raumordnung auf den Bedarf des Schienengüterverkehrs Rücksicht zu nehmen. Denn nur so ist es möglich, die Wirtschaftlichkeit des umweltfreundlichen Schienengüterverkehrs zu erhalten und seine Potenziale in Zukunft zu erhöhen. 

Initiiert wurde das Projekt SANSIBAS vom Lead Partner Wirtschaftsförderungsgesellschaft Berchtesgadener Land gemeinsam mit den Projektpartnern Landesbaudirektion des Landes Salzburg und Industriellenvereinigung Salzburg. Finanziert wird das Projekt vom Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (INTERREG IV A), vom Bayerischen Staatsministerium des Innern, für Bau und Verkehr, von der IHK – Industrie- und Handelskammer für München und Oberbayern, von der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Berchtesgadener Land, dem Land Salzburg und der Industri-ellenvereinigung Salzburg. Die EuRegio Salzburg – Berchtesgadener Land – Traunstein stand den Projektpartnern für Projektabwicklung und EU-Förderung beratend zur Seite.

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