Geschichte

1905 bis 2021

Das Konradinum Eugendorf geht auf eine private Initiative des pensionierten Pfarrers Konrad Seyde zurück. Dieser schenkte im Jahr 1905 dem damaligen Herzogtum Salzburg sein Haus und seinen Garten samt 28.600 Kronen für eine Stiftung zur "Verbesserung der öffentlichen Fürsorge für die Idioten und Cretins".  Konrad Seyde stellte dabei zwei Bedingungen:

  1. Die Einrichtung soll auf immerwährende Zeiten den Namen "Conradinum" tragen.
  2. Die Einrichtung soll dem Zweck dienen, "geistesschwachen, blödsinnigen und Idioten des Landes aller Grade [so der Terminus dieser Zeit, Anm.] Unterkunft, Unterhalt, Erziehung, Fortbildung, Pflege und Beschäftigung zu bieten und sie nach Möglichkeit zu nützlichen und brauchbaren Mitgliedern der menschlichen Gesellschaft heranzubilden".



Das Konradinum wurde im Jänner 1907 eröffnet. Die Leitung wurde den Barmherzigen Schwestern vom heiligen Vinzenz von Paul übertragen. Von Beginn an waren in der Einrichtung nur Kinder untergebracht. Beschäftigt war auch ein Lehrer, der vorher in ähnlichen Einrichtungen in Österreich und Bayern ausgebildet worden war.  Es gab Pläne, die Einrichtung zu erweitern und in eine Erziehungs-, Beschäftigungs- und Pflegeabteilung zu gliedern.  Der Ausbruch des Krieges im Jahr 1914 dürfte dazu beigetragen haben, dass aus diesen Plänen damals nichts wurde.

Über die Zeit danach gibt es nicht viele verlässliche Dokumente.

Nach dem Anschluss an das Deutsche Reich 1938 wurde das Konradinum von den neuen Machthabern dazu gezwungen, die Pfleglinge in verschiedene andere Heime zu verlegen, worauf das Konradinum als Einrichtung aufgelöst wurde. Alle diese Kinder wurden schließlich mit Autobussen nach Hartheim bei Linz deportiert, wo sie ermordet wurden. Nur einige wenige Kinder aus dem Konradinum, die bei Pongauer Familien in der Umgebung von Schwarzach Unterschlupf gefunden hatten, konnten vor der Deportation bewahrt werden.  

1941 wurde das Konradinum zugunsten der NSDAP enteignet. 1949 wurde es in das Eigentum des Landes Salzburgs zurückgestellt.

Im Jahr 1950 übertrug die Landesregierung neuerlich den Barmherzigen Schwestern vom Heiligen Vinzenz von Paul die Leitung. Diese Organisationsform wurde bis 1986 beibehalten, dann schieden die Schwestern aus dem Konradinum aus.

Mitte der 80er Jahre wurde das Konradinum auf einen Standard mit fünf Wohngruppen umgestellt und baulich saniert.

Im Lauf der weiteren Jahrzehnte wurden an eine bedürfnisgerechte und qualitätsvolle Betreuung und Begleitung von Menschen mit Beeinträchtigungen schrittweise höhere Anforderungen gestellt.

Mehrbettzimmer entsprachen nicht mehr dem gängigen Standard. Das alte Gebäude des Konradinums erwies sich allmählich als zu eng, ein Neubau wurde notwendig.

In den Jahren 2019 (Spatenstich November 2018) bis 2021 wurde auf einem Nachbarsgrundstück ein moderner Neubau realisiert. Der Umzug aus dem alten Haus erfolgte im Dezember 2021.

Im Neubau wurde Platz für fünf Wohngruppen mit je sieben Einzelzimmern geschaffen. Neben wohnlichen Gemeinschaftsräumen erhielt jeder Bewohner, jede Bewohnerin ein geräumiges Einzelzimmer mit eigenem Sanitärraum.

In einem separaten Teil des Hauses wurden helle große Räume für tagesstrukturierende Angebote gestaltet. In diesen Räumen erhalten sowohl die Bewohner:innen als auch externe Personen mit Beeinträchtigung ein tagesstrukturierendes Betreuungsangebot.