In der vierten Ausstellung im Traklhaus zu einem klar definierten Thema geht es um Sessel, Stuhl und Hocker in der Kunst. Wie in den vorhergehenden Ausstellungen seit 2006 (Schuhe, Essen oder Tiere) wieder ein Sujet, mit dem sich Künstler/innen seit jeher auseinandergesetzt haben. Viele Ausstellungen haben den Stuhl als Design-Objekt thematisiert. Das ist bei so einem Gebrauchsgegenstand naheliegend. Bei der Auswahl der Arbeiten für diese Ausstellung geht es ausschließlich um Kunstwerke, die Sitzgelegenheiten thematisieren (in Grafiken, Bildern, Fotografien, Videos und Objekten). Zum einen gibt es Künstler/innen, die sich in ihrem Werk vorrangig mit Sitzmöbeln auseinandersetzen. Z. B. Ai Weiwei, Joseph Beuys, Julius Deutschbauer, Tone Fink, Heinz Frank, Gelitin, Markus Hofer, Edgar Honetschläger, Magdalena Jetelova, Cornelius Kolig, Hans Kupelwieser, Paul Albert Leitner, Werner Reiterer, Alois Riedl, Roman Signer, Daniel Spoerri, Timm Ulrichs, Franz West, Stefan Wewerka und Erwin Wurm. Andererseits stellt diese Ausstellung Arbeiten vor, die im jeweiligen Schaffen Ausnahmen darstellen. Wir zeigen Kunstwerke aus drei Jahrhunderten, beginnend mit einem Biedermeier-Bild aus dem Salzburg Museum. Das Museum der Moderne borgt uns unter anderem Arbeiten von Anton Faistauer, Alberto Giacometti und Giacomo Manzù. Der Schwerpunkt liegt jedoch auf der aktuellen Kunst der letzten drei Jahrzehnte.
Der Katalog (192 Seiten) erscheint wieder im Verlag Jung und Jung und enthält Abbildungen aller gezeigten Kunstwerke und Texte des bildenden Künstlers Julius Deutschbauer und des Kunsthistorikers Thomas Zaunschirm. Das besondere an diesem Buch ist, wie bei den vorhergehenden Themenausstellungen, daß er auch literarische Auseinandersetzung mit diesen Sitzgelegenheiten bietet. Es gibt Texte von Karl-Markus Gauß, Peter Handke, Peter Henisch, Jochen Jung, Peter Stephan Jungk, Michael Krüger, Lorenz Langenegger und Rosa Pock.
Einige Beispiele für Kunstwerke dieser Ausstellung: Maria Lassnig hat in den 70er Jahren den Sessel in einem Zeichentrickfilm verarbeitet. Zu diesem Video können wir auch drei Entwurfszeichnungen aus der Sammlung der Stadt Wien zeigen. Der chinesische Weltstar Ai Weiwei, der so oft in Installationen mit für sein Land typischen Stühlen und Hockern arbeitet, borgt uns einen nicht zum Sitzen geeigneten Holzstuhl. Der „Fett-Stuhl" von Joseph Beuys existiert in mehreren Varianten und Vervielfältigungsmethoden. Ohne ein Bild dieses Stuhles aus den 60er Jahren wäre die Ausstellung unvollständig. Die renommierte Künstlerin Magdalena Jetelova hat ihre vielen Stuhl-Kunstwerke sogar in einem eigenen Katalog dokumentiert. Wir zeigen eine große Foto-Arbeit einer Laser-Projektion. Der Innviertler Künstler Alois Riedl malt seit den 70er Jahren Polstermöbel, hat diese Einrichtungsstücke zu seinem Hauptthema gemacht. Der deutsche Künstler Stefan Wewerka hat immer wieder Stühle, oder besser Teile davon, „verarbeitet". Wir bekommen ein Schlüsselwerk des Künstlers aus dem mumok geborgt. Guillaume Bijl schickt „Maria Callas" aus seiner Serie von Stühlen für Persönlichkeiten. Die Christine König Galerie leiht uns von Jimmie Durham einen Holzsessel in den ein Meteor eingeschlagen hat. HP Feldmann übermittelte uns die Anleitung für die Installation an seine Erinnerungen als Kellner. Im Schaffen von Daniel Spoerri haben Sitzgelegenheiten einen großen Stellenwert. Wir können ein typisches „Fallenbild" mit einem Thonet-Stuhl auf einem Teppich zeigen. Von Rachel Whiteread können wir ein Objekt zeigen, das den Luftraum unter der Sitzgelegenheit sichtbar macht. Die letzte Arbeit, die ich für die Ausstellung ausborgen konnte, ist eine kurze Filmsequenz, in der William Kentridge über einen Stuhl steigt. In seinen Zeichnungen und Filmen tauchen immer wieder Stühle und Sessel auf. Wie immer in solchen Ausstellungen integrieren wir Arbeiten von Künstler/innen aus Salzburg, z. B. von Irene Andessner (ein Foto-Selbstportrait auf einem Metall-Stuhl), Thomas Baumann (Ton-Installation mit Hockern), Alexandra Baumgartner, Peter Brauneis (ein schlafender Mann aus Kunststoff auf einem Bürosessel), ein Stuhl-Paar von Ilse Haider oder Kathi Hofer, Bilder von Rudolf Hradil und Hermann Kremsmayer, Kai Kuss (Sessel aus Kunststoff und Müll, der mit Unkraut bepflanzt wird), Hocker von Gisela Katzengruber und Ulrike Lienbacher, Zeichnungen von Bernhard Lochmann, David Moises (Hocker aus Schiern), eine Graphik von Eva Möseneder, PRINZGAU/podgorschek (Sessel-Objekt), Foto-Arbeiten von Lois Renner, Anja Ronacher und Margherita Spiluttini (fünf Fotografien mit vielen Stühlen, die zwischen 1989 und 2004 entstanden sind), Klaus Taschler (Installation mit einem „wandernden" Sessel und einem Video). Im Werk von einigen österreichischen Künstlern tauchen immer wieder Sessel oder Stühle auf: Franz Blaas, Julius Deutschbauer (hat seine Plakate aus 2 Jahrzehnten auf Holzstühle collagiert), Tone Fink (ein „Rollenthron" aus Bronze, der mit anderen Arbeiten im Hof des Traklhauses zu sehen sein wird), Gelitin, Franz Graf (großes Eisen-Objekt, das er aus einem Fitness-Gerät geschaffen hat), Edgar Honetschläger (aus der Serie von großformatigen Stuhl- und Sesselbildern auf Leinwand, die jeweils eine Persönlichkeit portraitieren), Michael Kienzer, Cornelius Kolig (die große Installation mit dem Gynäkologie-Stuhl und den Zeichnungen dazu), Hans Kupelwieser (ist mit 3 Arbeiten vertreten, z. B.: sich drehende Gartenstühle in einem Spiegel-Oval, eine Wandarbeit im Büro-Bereich der Galerie, die die Konturen von einem mit schwarzer Folie überzogenen Sessel erahnen lassen), Rudolf Leitner-Gründberg, Werner Reiterer, Alois Riedl, Lois Weinberger (ein in Aluminium gegossener Stuhl, ursprünglich aus Holz-Paletten), Franz West, Markus Wilfling, Clemens Wolf (2 zu Sesseln umfunktionierte Einkaufswagen) und Erwin Wurm (aus der Serie von umgebauten Möbelstücken, wie er sie im MAK ausgestellt hat). Vernissage am 15. Juli: die anwesenden Künstler/innen: Kupelwieser, Kocherscheidt, Zallmann, Lienbacher, Wegerer, Baumann, Baumgartner, M. Hofer, Schellhorn, Erjautz, Pfeffer, Jung, Chytilek, Grimmer, Bosch, Ulrichs, Reiterer, Kodritsch, Wieser, Bretter, Katzengruber, Frue, Panzer, Mühlfellner, Lochmann, Deutschbauer, Leitner, Blaas, Moises, Kuss, Brauneis
LR Dr. Heinrich Schellhorn, Dietgard Grimmer, Dr. Jochen Jung:
Stuhl-Performance von Julius Deutschbauer beim Fest zur Festspieleröffnung am 19. Juli
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Rundgang durch die Räume
Signer, Kupelwieser, Fischer
Säulenraum:
Mostböck, Chytilek, Wegerer, Frieberger, Erjautz
Erjautz, Durham, Spoerri, Uecker
Bretter, Ulrichs, Kodritsch, Eisenberger
Guneriussen, Ulrichs
Taschler
Andessner, Honetschläger, Brauneis
Baumann, Schmied, Bijl, Birnbaum
Birnbaum, Mattuschka, Knebl
Klauke, Pfeffer, Panzer, Wewerka, Kienzer
Honetschlaeger, Kienzer, Baumann, Pfeffer, Muehlfellner
mittlerer Raum:
Beständig, Kremsmayer, Wurm, Alge, Faistauer, Pichler
Anzinger, Giacometti, Ku, Kolding, Riedl, Hartmann
Kentridge, Wurm, Riedl, Stimm, Prinzgau p., Leitner, Ronacher
Riedl, Stimm, Prinzgau p., Leitner, Ronacher, Spiluttini, Reithofer, Leitner
Apin, Ai Weiwei, Ronacher
hinterer Raum: Kupelwieser, Manzù, Spoerri, Hradil
Jetelova, Moises, Schabus, Blaas, Frank, Bayrle, Leitner-Gründberg, Beuys
Wurm, Schneider, P. Renner, Studio Formafantasma, Whiteread
Anton, Leitner, Kippenberger, Anzinger, Katzengruber, Kolig, Gelitin
Leitner-Gründberg, Spiluttini, L. Renner, Herrmann, Lienbacher
Studio: Kogler, Lassnig, Baumgartner
M. Hofer, Anzinger, von Gabain
Manz, Kampl, Walde, Blaas
Walde, Blaas, Leitner, Jermolaewa, K. Hofer, West
Frank, Prelog, Spiluttini, Frank
im project space: Frue
im Hof: Fiorenza, Kuss
Kocherscheidt und Zallmann, Fink
einige weitere Beispiele aus der Ausstellung: Irene Andessner, „Vorbilder #3", 1997, Stuhl aus Stahl, Leuchtkasten mit Duratrans, 45 x 45 x 10 cm, 2 Duratrans je 45 x 45 cm
Joseph Beuys, „Der Fettstuhl" (1964), Hessisches Landesmuseum Darmstadt, 1982, Kunstpostkarte signiert, 15 x 10,5 cm Sammlung Ph. Konzett, Wien
Julius Deutschbauer, „Bibliothek ungelesener Bücher", 2013, Holzstuhl, Plakat, 81 x 48 x 50 cm Courtesy: Galerie Steinek, Wien
Hans Peter Feldmann, „Erinnerung an meine Zeit als Kellner", Holzstuhl, Sockel
Tone Fink, „8-Rad-Thron", 1992, Bronze, 116 x 56 x 60 cm Foto: Hubert Auer Museum der Moderne Salzburg
Edgar Honetschläger, „Selbstportrait", Tokyo 2006, Öl auf Leinwand, 180 x 140 cm
Rudolf Hradil, „Parkstühle", 1976, Farbradierung und Aquatinta auf Papier, 30,5 x 45 cm (Blatt 53,2 x 66 cm) Salzburg Museum
Kai Kuss, „Brennsessel", 2014, Epoxidharz, Müll, Pflanzen, ca. 110 x 120 x 120 cm (ohne Pflanzen)
David Moises, „Schihocker", 2003/10, Altschi, Metall, 63 x 38 x 35 cm Foto: Michael Baschata
Alois Riedl, „Stuhl", 1975, Dispersion auf Karton, 100 x 80 cm
Anja Ronacher, aus der Serie „Böhmen liegt am Meer, 3", 2005, Fotografie (Lambda-Print auf Alu), 49,5 x 67 cm Sammlung des Landes Salzburg
Margherita Spiluttini, „Schule in Berndorf", 2004, Foto auf Aludibond, 65 x 80 cm
Daniel Spoerri, „Carellino / Kinderwägelchen", 2010, Bronze (8 + IV), 103 x 45 x 80 cm Foto: Rita Newman
Markus Wilfling, „Stuhele 2", 2014, Holz, Metall, Stoff, 220 x 43 x 50 cm Foto: Alexandra Gschiel Courtesy: Galerie Eugen Lendl, Graz
Lois Weinberger, „Gartenbank", 2007/2010, Aluminiumguss, 79 x 61 x 72 cm © Foto: Carmen Brucic Courtesy ak7 - Contemporary Design by Contemporary Artists and the artist
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