Das Natura 2000-Gebiet Salzachauen

Ein einzigartiger Naturschatz im Bundesland Salzburg

Wenn hier von den „Salzachauen“ die Rede ist, ist das 1.145 ha große Salzburger Natura 2000-Gebiet „Salzachauen“ gemeint. Die Salzachauen sind eines der artenreichsten Ökosysteme Salzburgs und zugleich ein Lebensraum von europäischer Bedeutung.

Natura 2000 ist ein EU-weites Schutzgebiets-Netzwerk. Sein Ziel ist, das europäische Naturerbe mit seiner Vielfalt an Tieren, Pflanzen und Lebensräumen auch für kommende Generationen zu bewahren.

Was die Salzachauen besonders macht, sind die großflächigen Auwälder entlang der unteren Salzach zwischen Siggerwiesen und der Landesgrenze bei St. Georgen. Die untere Salzach ist zudem der letzte auf längerer Strecke ungestaute Voralpenfluss dieser Dimension in ganz Österreich.

Lageplan des Natura 2000-Gebiets

Artenreiche Tierwelt, typische Vegetation

Die Salzachauen beherbergen eine große Vielfalt an Tieren. Hierzu gehören attraktive Vogelarten wie der zitronengelbe Pirol, der im Auwald brütet, selten gewordene Amphibien wie Gelbbauchunke und Kammmolch, die in Au-Tümpeln leben, (un)heimliche Fledermäuse wie der Große Abendsegler und die Mopsfledermaus, die in der Au auf Insektenjagd gehen und besondere Insekten wie der Scharlachkäfer, der unter der Rinde morscher Bäume lebt.

Im Natura 2000-Gebiet kommen noch auf großer Fläche typische Bestände der „weichen Au“, die häufige überflutet wird, und der „harten Au“, die nur selten überschwemmt wird, vor. Typische Bäume der weichen Au sind die Grauerle, die Silberweide und die sehr seltene Schwarzpappel. Charakteristisch für die harte Au sind Stieleiche und Esche.

Bilder von besonderen Tieren der Salzachauen

Raum für den Menschen

Die Salzachauen sind auch ein beliebter Erholungsraum der Salzburginnen und Salzburger. Durch den Tauernradweg sind sie per Rad gut zu erreichen und über die Lokalbahn sind sehr gut an das öffentliche Verkehrsnetz angeschlossen.

Ein Blick zurück – warum es den Salzachauen nicht gut geht

Leider ist aber nicht alles in Ordnung in den Salzachauen. Ein großes Problem ist die begradigte Salzach. Vor über Hundert Jahren hat der Mensch den ehemals wilden Fluss, der regelmäßig mit seinen Hochwässern den begleitenden Auwald flutete und ständig sein wildes von Schotterbänken geprägtes Flussbett veränderte, kanalartig ausgebaut. Ziel war es, Land zu gewinnen und zugleich den Grenzverlauf zwischen Bayern und Österreich zu fixieren. Die Folgen für die Natur waren gravierend - die kanalisierte Salzach grub sich immer tiefer in den Untergrund ein und ihre Hochwässer erreichten immer seltener den begleitenden Auwald. Regelmäßige Überschwemmungen und die damit verbundene Dynamik sind aber das Lebenselixier der Au. Wenn Sie fehlen, finden viele autypische Tiere und Pflanzen keine geeigneten Lebensbedingungen mehr vor und das Au-Ökosystem ist nachhaltig gestört.

Ein erster Schritt zu einer natürlicheren Salzach

Ein erster wichtiger Schritt, diesen schlechten Zustand zu beheben, wurde von der Wasserwirtschaft vor wenigen Jahren bereits gesetzt: Bei Fluss-km 51,9 südlich von Oberndorf wurde eine Sohlrampe errichtet und auf mehreren Kilometern wurde die Uferverbauung entfernt. Ziel war es, die Eintiefung der Salzach zu stoppen und die Flusssohle langfristig wieder anzuheben. Die Salzach hat in diesem Abschnitt bereits begonnen, wieder natürliche Kiesufer auszubilden und zu einem wertvollen Lebensraum zu werden. Während also am Fluss schon Positives geschehen ist, bestehen in der flussbegleitenden Au, den Auwäldern und Nebengewässern weiterhin gravierende Probleme. Hier setzt nun das LIFE-Projekt an.

Was sind die drängendsten Probleme der Au?

  • Auf großer Fläche gibt es Fichtenmonokulturen und Hybridpappel-Plantagen statt natürlicher Auwälder vor. Typische Auwaldbewohner können hier nicht überleben. Auch in den mit heimischen Arten bestockten Auwäldern sind sehr alte oder absterbende Bäume eine Mangelware, da die Bäume forstlich genutzt werden. Gerade seltene Spechtarten, Fledermäuse oder der Scharlachkäfer brauchen aber solche alten Bäume als Futter- oder Brutplätze.
  • Trotz der Maßnahmen zur Sanierung der Salzach dauert es lange, bis die Salzachsohle wieder „nach oben wächst“ und die Au wieder häufig überschwemmt wird.
  • Für besonders geschützte Amphibien wie Gelbauchunke und Kammmolch ist der Lebensraum knapp. Sie stehen kurz vor dem Aussterben, da die Salzach nicht mehr wie früher die Au bei Hochwässern umformt und immer wieder neue Tümpel entstehen lässt.
  • Der durch einen Schotterabbau entstandene Ausee hat monotone steile Ufer, einen exotischen Fischbestand und wird intensiv befischt. Seine Bedeutung als Lebensraum für heimische Tier- und Pflanzenarten ist daher sehr gering.
  • Die Jagd ist auf Trophäen ausgelegt und berücksichtigt nur unzureichend die Bedürfnisse geschützter Tierarten wie etwa der Wasservögel.
  • Besucher erfahren so gut wie nichts über diese besondere Gebiet und die richtigen Verhaltensweisen, um die Natur möglichst wenig zu stören.

Es gibt also viel zu tun, um die Salzachauen wieder zu dem zu machen, was sie einmal waren - ein Auwalddschungel vor den Toren der Landeshauptstadt mit dem Potential eines kleinen Nationalparks! Der Handlungsbedarf ist groß, das Potential aber riesig!