Was ist Agenda 21?

Die Idee von Agenda 21 ist einfach: Nur wenn die kleinsten Einheiten – die Regionen, Gemeinden, lokalen Vereine, Organisationen und letztlich jede und jeder Einzelne von uns – konkrete Schritte zu einem achtsamen Umgang mit den Lebensgrundlagen setzen, ist und bleibt unsere Welt zukunftsfähig.

Wörtlich übersetzt bedeutet agenda 21 "was es zu tun gibt im 21. Jahrhundert" (lat.). Die Agenda 21 wurde im Jahr 1992 bei der Konferenz für Umwelt und Entwicklung der Vereinten Nationen in Rio de Janeiro als weltweites Programm für einen Kurswechsel in Richtung einer nachhaltigen Entwicklung formuliert
und von 178 Staaten – darunter auch Österreich - beschlossen.

In Kapitel 28 dieses Beschlusses erhält die kommunale Ebene besonderes Gewicht. Darin heißt es: „Jede Gemeinde (jede Region) soll in einen Dialog mit ihren Bürger/innen, örtlichen Organisationen und der Privatwirtschaft eintreten und eine lokale Agenda 21, ein Leitbild für Nachhaltige Entwicklung, formulieren und umsetzen."

Ergebnis eines Agenda 21-Beteilungsprozesses sind gemeinsam entwickelte Leitziele der Gemeinde (festgehalten in einem sogenannten Zukunftsprofil) sowie konkrete Maßnahmen zur Umsetzung dieser Ziele in Form von Projekten. Ein wichtiger Bestandteil von Agenda 21 ist auch das Entstehen einer "Dialogkultur" und einer Plattform für Austausch in der Gemeinde.

In allen Bundesländern wurden separate Agenda 21-Ansätze ausgearbeitet und je Bundesland eigene Leitstellen eingerichtet (Agenda 21 in den Bundesländern).

Das Land Salzburg unterstützt Gemeinden und Regionen bei Agenda 21-Prozessen. Details zu den Förderschwerpunkten finden Sie hier.


Was entsteht bei Agenda 21?

  • Die erarbeiteten Zielsetzungen der Gemeinde oder Region werden in einem sogenannten "Zukunftsprofil" (Leitbild für die Gemeinde oder Region) festgehalten.
  • Ein „Aktionsprogramm" legt fest, wie die Zielsetzungen im Leitbild erreicht werden und welche Projektideen es gibt. Das Erstellen einer "Projektübersicht" und eines "Ideenspeichers" unterstützen dabei.
  • Im Zuge des Agenda 21-Prozesses sollen konkrete Projekte soweit wie möglich in die Umsetzung gebracht werden. Hier finden Sie Projektbeispiele.
  • Die Kurzfilme der Agenda 21 Gemeinden Hof, Thomatal oder Seeham geben einen Eindruck, was bei einem Agenda 21-Basisprozess entstehen kann.


Ziele eines Agenda 21-Prozesses

  • Nachhaltigkeit auf lokaler und regionaler Ebene verankern
  • Aktive und breite Bürgerbeteiligung durch
    • Teilhabe der Menschen an der Gestaltung der lokalen Lebensräume
    • Erarbeiten gemeinsamer mittel- bis langfristiger Ziele
    • Stärkung der Zusammenarbeit zwischen der Bevölkerung, Gemeindeverwaltung und den gewählten Mandatarinnen und Mandataren
    • Unterstützung von Engagement und Eigenverantwortung der Bürgerinnen und Bürger
    • Anwendung innovativer Beteiligungsformate und -modelle.

Neben Fragen der Ortskernbelebung, Energieversorgung, Mobilität und des Klima- und Umweltschutzes sind vielen Menschen gesellschaftliche Themen wie soziale Gerechtigkeit, Integration und Generationenaustausch besonders wichtige Anliegen im Agenda 21-Prozess.



Wie läuft ein Agenda 21-Prozess ab?

Agenda 21-Prozesse zeichnen sich durch umfassende Bürgerbeteiligung und gemeinsam entwickelte Qualitäten aus, die den Projekten und der Entscheidungsfindung in der Gemeinde zugrunde gelegt werden.
Entscheidend für den Erfolg ist die Bereitschaft der Gemeinde, sich gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern auf einen Beteiligungsprozess einzulassen. Darüber hinaus ist die Qualität der Prozessbegleitung (begleitende Moderation) ein wesentlicher Baustein.
Jede Gemeinde ist einzigartig - daher gibt es auch kein "Schema F" für den Ablauf von Agenda 21. Ein kreatives Prozessdesign und die Berücksichtigung lokaler Gepflogenheiten kombiniert mit "Frei- und Denkraum" sind die Voraussetzung für das Enstehen von Ideen und Projekten.

Zur Veranschaulichung für den Ablauf eines Agenda 21-Basisprozesses lassen sich folgende Schritte skizzieren:

Nach gründlicher Auseinandersetzung mit den Chancen und Herausforderungen von Bürgerbeteiligung (nähers dazu unten), entscheidet sich eine Gemeinde oder Region sehr bewusst für den Start eines Agenda 21-Prozesses.













Phase 1

  • Beschlussfassung zum Start von Agenda 21 in der Gemeindevertretung
  • Auswahl einer externen Prozessbegleitung
    • Liste bisheriger Agenda 21-Prozessbegleitungen in Salzburg
  • Gründung eines Kernteams. Im Kernteam sind sowohl der/die Bürgermeister/in und Vertreter aller Fraktionen, als auch Bürgerinnen und Bürger vertreten. Hier sollte auch jemand Verantwortung für begleitende Öffentlichkeitsarbeit übernehmen.
  • Information der Bevölkerung über den Start von Agenda 21

Phase 2

In der Startphase folgt die Bestandsaufnahme - beispielsweise durch eine Auftaktveranstaltung oder eine Befragung in der Bevölkerung. Hier kann bereits das erste Mal das Element der Zufälligkeit eingesetzt werden. In jedem Fall wird der Prozess zu einer Frage gestartet, die ähnlich lautet wie „Wie können wir unsere Gemeinde oder Region zukunftsfähig entwickeln und welche konkreten Ideen gibt es zu unseren individuellen Schwerpunkten?“.
Agenda 21-Prozesse orientieren sich an den Säulen der Nachhaltigkeit, d.h. es werden soziale, weltweit solidarische, umwelt- UND wirtschaftsrelevante Themen der Region angesprochen.

Phase 3 und 4

Im laufenden Prozess entsteht ein Zukunftsprofil, welches Orientierung hinsichtlich wichtiger Schwerpunkte und Ziele in der Gemeinde gibt. Daraus leiten sich konkrete Projekte ab, die aus der Arbeit mit der Bevölkerung entstehen. Die Projektideen werden, wenn möglich, sofort umgesetzt oder in einen möglichst realistischen und zeitnahen Umsetzungsplan gebracht. Wichtig dabei ist die ständige Rückkopplung mit der Gemeindevertretung.
Ein sehr wesentliches Element für das Gelingen von Bürgerbeteiligung und ist eine dauerhafte, kreative und inspirierende Öffentlichkeitsarbeit.

Erfolge sichtbar machen
Den Abschluss eines Agenda 21-Prozesses bildet zumeist die öffentliche Präsentation des Zukunftsprofils. Hierzu gehört auch das gemeinsame Feiern der Erfolge mit Verantwortungsträgern, der Bevölkerung und Verwaltung.
Nachfolgende Bürgerversammlungen (in Salzburg ist diese verpflichtend einmal jährlich durchzufähren) sollen dafür genutzt werden, die Erfolge aus der Agenda 21 sichtbar zu machen und einen Ausblick über geplante Projekte und nächste Schritte zu geben. So kann eine "Beteiligungskultur" in der Gemeinde oder Region entstehen


Welche Chancen bietet Agenda 21?

  • Gemeinsam Prioritäten setzen, schafft mehr Identifikation und Akzeptanz in der Gemeinde
  • Bürgerinnen und Bürger als aktive Partner bei der Zukunftsgestaltung beteiligen
  • Raum für Kommunikation und Agenda 21 als „Plattform“, um kreative und innovative Projekte gemeinsam zu entwickeln UND umzusetzen
  • Versteckte Potenziale, Chancen und Fähigkeiten in der Gemeinde finden und nutzbar machen
  • Das gegenseitige Verstehen der Bevölkerung und der politischen Vertretung wird begünstigt
  • Vorsorge gegen Widerstand im Nachhinein, da die Möglichkeit besteht, sich einzubringen und aktiv mitzugestalten
  • Beteiligende Meinungsbildung (warum will man etwas nicht und warum schon) statt Ja/Nein Abfragen
  • Zurückhaltende und „stille“ Bürgerinnen und Bürger werden auch gehört
  • Nachhaltigkeit erlebbar, erstrebenswert und gestaltbar machen


Herausforderungen bei Bürgerbeteiligungsprozessen

  • Unterstützung, Bekenntnis und echte Neugierde durch die (politische) Gemeinde ist die Grundvoraussetzung
  • Nicht zu früh nach einem anderen großen Beteiligungsprozess starten
  • Sparsamer Umgang mit Zeitressourcen auf allen Seiten
  • Alle wichtigen Akteure vor Ort und aus der Region einbinden (Generationenwissen, stille Bürgerinnen und Bürger, Neu-Zugezogene, e5-Team, Dorf- und Stadtmarketing, LEADER, …)
  • Erfolge sichtbar machen (z.B. bei der jährlichen Bürgerversammlung)
  • "Kümmerer" und Motor vor Ort (Schnittstelle) sind sehr wichtig
  • Motivation der Beteiligten


Nachhaltigkeit im Agenda 21-Prozess

Nachhaltige Entwicklung ("sustainable development") soll den
  • ökonomischen,
  • ökologischen,
  • soziokulturellen,
  • global-solidarischen


In den Agenda 21-Prozessen wird das Thema "Nachhaltige Entwicklung" bei allen Veranstaltungen mittransportiert. In den Projekten wird auf eine nachhaltige Ausrichtung geachtet (Nachhaltigkeit von Projekten - Prüffragen). Dabei geht es um große Fragen der Gemeinde- und Regionalentwicklung ebenso, wie um einfache Dinge, die im "Agenda 21-Alltag" beachtet werden sollen. Hierzu gehört z.B.:
  • Veranstaltungen nach den Kriterien eines Green Event ausrichten
  • bei Veranstaltungen auf regionale und saisonale Produkte zurückgreifen (heimische Wirtschaft stärken, Transportkilometer senken)
  • Sparsamer Umgang mit Veranstaltungsmaterialien und Flyern (diese umweltfreundlich und bei regionalen Firmen drucken lassen)
  • zu Veranstaltungen mit öffentlichen Verkehrsmitteln, mittels Fahrgemeinschaften oder dem Fahrrad anreisen (darauf bereits auf der Einladung hinweisen)
  • laufend in der Gemeindezeitung zu den Themen Klimaschutz und Nachhaltigkeit informieren (z.B. Ensparpotenzial durch Wärmedammung, Energieberatung, E-Mobilität, etc.)


12 GUTE GRÜNDE FÜR LOKALE AGENDA 21

Broschüre 12 GUTE GRÜNDE FÜR LOKALE AGENDA 21

Agenda 21 in Österreich und Qualitätssicherung

Der erste Agenda 21-Prozess in Österreich startete 1998. Seither haben sich über 530 Gemeinden, Städte und Regionen im Dialog mit ihrer Bevölkerung über gemeinsame Ziele ausgetauscht und Projekte für eine lebenswerte Zukunft in ihrer Region ins Leben gerufen.

Von den zuständigen politischen ReferentInnen der Länder wurde gemeinsam mit dem Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt- und Wasserwirtschaft die „Gemeinsame Erklärung zur Lokalen Agenda 21 in Österreich“ beschlossen. Ein eigenes Arbeitsprogramm dazu wird von der Arbeitsgruppe „Dezentrale Nachhaltigkeitsstrategien – Lokale Agenda 21“ (kurz DNS-LA 21“) umgesetzt und gemäß seiner Strategie weiterentwickelt.

Gemeinsame Erklärung zur Lokalen Agenda 21 in Österreich (pdf)

Qualitätssicherung Lokale Agenda 21 Österreich
Die Prozesse sollen umsetzungswirksam, richtungssicher, breit getragen und lebendig sein. Die Arbeitsgruppe DNS-LA 21 hat zu diesem Zweck Mindestanforderungen (= Basisqualitäten) für lokale und regionale Agenda 21-Prozesse in Österreich erarbeitet, wobei drei Ebenen gleichermaßen angesprochen sind:

  1. Prozessablauf
  2. Beteiligung
  3. Inhalt

Diese Basisqualitäten (pdf) finden für alle Agenda 21-Prozesse ab 2009 Anwendung.

Weitere Infos zu "Agenda 21 Österreich" und Agenda 21 in den Bundesländern finden Sie hier.