Pflegekinder / Pflegeeltern

 Ein Kind wird in einer Pflegefamilie betreut und erzogen, wenn die leiblichen Eltern nicht mehr oder nur vorübergehend nicht in der Lage sind, für ihr Kind zu sorgen.
Ein Pflegekind bleibt rechtlich ein Kind seiner leiblichen Eltern. Pflegekinder wachsen mit zwei Familien auf. Sie leben in der Pflegefamilie und haben Kontakte zu ihren leiblichen Eltern

Pflegekinder haben meist schon viel erlebt. Sie waren regelmäßig mit unterschiedlichen Belastungen konfrontiert, die tiefe Spuren hinterlassen haben. Die Kinder sind daher häufig verunsichert, misstrauisch und haben große Ängste. Sie müssen in der neuen Familie Vertrautheit erleben, um Zutrauen zu sich und dem neuen Umfeld fassen zu können. Daher brauchen sie konstante Zuwendung von verständnisvollen, belastbaren Menschen. Nur so haben Pflegekinder eine Chance, sich zu entwickeln, selbständig und selbstbewusst zu werden.

Die Kinder sollen wieder lernen, Vertrauen aufzubauen. Daher ist es notwendig, die Eigenart und die Bedürfnisse der Kinder wahrzunehmen und darauf eingehen zu können. Dazu gehört auch, mit Verhaltensauffälligkeiten, Entwicklungsrückständen, Einnässen und Aggressivität umgehen zu können. Gerade Kleinkinder reagieren aufgrund ihrer negativen Erfahrungen mit solchen Verhaltensweisen. Die Anforderungen und Erwartungen an Pflegefamilien sind daher zweifelsfrei groß.

 

Voraussetzungen für ein Pflegeverhältnis

Persönliche Eignung – Pflegeelternausbildung – angemessener Altersunterschied zwischen Pflegekind und Eltern – entsprechende Wohnverhältnisse – keine Vorstrafen. Pflegeeltern müssen zudem nicht verheiratet sein, um ein Pflegekind aufnehmen zu können. Sie können Alleinerzieher/innen sein, in einer Lebensgemeinschaft oder Partnerschaft leben.

Die Voraussetzungen werden von zwei SozialarbeiterInnen des Jugendamts in Gesprächen, in dem vor allem auch die persönliche Eignung im Mittelpunkt steht, überprüft.

Pflegeeltern, die erstmals Pflegekinder aufnehmen, müssen den Besuch der Pflegeelternausbildung nachweisen.

 

Pflegeelternausbildung

Da Pflegeeltern wichtige Erziehungsaufgaben im öffentlichen Auftrag leisten, sollen sie auf dieses "Pflegeverhältnis" gut vorbereitet sein und sich den Anforderungen der besonderen Situation von Pflegeelternschaft bewusst sein. Daher müssen Pflegeeltern nach Abschluss der grundsätzlichen Eignungsprüfung durch die Mitarbeiter/innen des Jugendamts vor der erstmaligen Aufnahme eines Kindes an einer vorbereitenden Ausbildung teilnehmen.

  • Inhalte: In der Ausbildung werden neben den theoretischen Grundlagen, wie die Entwicklung von Kindern, die Erziehung, die vielfältigen Lebensformen von Eltern und Kindern und den Veränderungen in der Familie auch rechtliche und praktische Kenntnisse über die Pflegeelternschaft vermittelt. Weitere Schwerpunkte stellen die persönliche Eignung, die Selbstreflexion und die Motivation sowie die Stärkung der Kompetenzbereiche (Selbstkompetenz, Soziale Kompetenz, etc.) dar.
  • Organisatorisches: Zu Beginn findet ein Informationstag für alle TeilnehmerInnen statt. An weiteren sechs Wochenenden werden verschiedene Module angeboten, wobei freitags jeweils die Informationsvermittlung und samstags die Informationsverarbeitung im Vordergrund stehen.
  • Veranstalter: Die Ausbildung wird vom Amt der Salzburger Landesregierung, Referat Kinder- und Jugendhilfe, organisiert und findet in den Räumen der Verwaltungsakademie des Landes, 5020 Salzburg, Aigner Straße 34, statt. Die Kosten trägt das Land Salzburg.
  • Anmeldung: Die Anmeldungen erfolgen in Absprache mit den zuständigen MitarbeiterInnen des Jugendamtes. Interessierte TeilnehmerInnen können sich auch direkt beim Veranstalter telefonisch oder per E-Mail anmelden: Tel +43 662 8042 - 3578, helga.furtschegger@salzburg.gv.at

 

Dauer eines Pflegeverhältnisses
Die Dauer des Pflegeverhältnisses kann nicht immer im Vorhinein festgelegt werden. Dennoch lassen sich zwei Gruppen unterscheiden: Kurzzeit- und Dauerpflege.

  • Bereitschaftspflege (auch Kurzzeitpflege und Krisenpflege genannt): In Krisen und Akutsituationen erfolgt die Betreuung durch Bereitschaftsfpflegepersonen; für die Kinder muss während dieser Zeit geklärt werden, ob sie wieder zu ihren Eltern zurückkehren können oder für längere Zeit außerhalb der Familie betreut werden.
  • Dauerpflege: Bei der Dauerpflege handelt es sich um ein dauerhaft angelegtes Pflegeverhältnis. Bei der Dauerpflege wird erwartet, dass sich das Kind in die Pflegefamilie einleben kann und sich in der Pflegefamilie gleichberechtigt behandelt fühlt.

 

Begleitung und Unterstützung
Die Mitarbeiter/innen des Jugendamtes begleiten und unterstützen Pflegeeltern vor, während und nach der Vermittlung bis  zur Beendigung eines Pflegeverhältnisses und haben, zumindest einmal jährlich die Pflegeaufsicht durchzuführen.


Fortbildung und Supervision
Das Land Salzburg bietet den Pflegeeltern zu ihrer Unterstützung kostenfreie Fortbildungsmöglichkeiten an. Pflegeeltern (einzeln oder als Paar) haben auch die Möglichkeit, die Unterstützung eines Supervisors in Anspruch zu nehmen. Supervisionsgruppen finden in Salzburg, Hallein, Bürmoos, Oberndorf, Henndorf, Bischofshofen, Zell am See und Tamsweg statt. Nähere Informationen und Termine erhalten Pflegeeltern beim zuständigen Jugendamt.


Private Pflegeverhältnisse
Private Pflegeverhältnisse, insbesondere Begründung und Beendigung, sind dem Kinder- und Jugendhilfeträger mitzuteilen.