Kunst im Chiemseehof

Anselm Kiefer - Die Sprache der Vögel

Anlässlich des Jubiläums „200 Jahre Salzburg bei Österreich“ 2016 und der Sanierung und Verkehrsfreimachung des Chiemseehofs initiierte die Salzburg Foundation ein Kunstwerk. Es wurde ein weiteres Mal Anselm Kiefer gewonnen, für diesen nun zusätzlichen öffentlichen Platz in der Salzburger Altstadt eine Skulptur zu schaffen.

Zum Werk

Anselm Kiefer - die Sprache der Vögel. Skulptur im Chiemseehof© Land Salzburg /Neumayr/
Leo
Anselm Kiefer nähert sich mit diesem Werk einem Phantom: Dem sagenumwobenen Alchemisten Fulcanelli, der in den 1920er Jahren in Frankreich gewirkt haben soll. Wer war Fulcanelli? Ein Industrieller? Ein Mitglied aus dem Adelsgeschlecht der Valois? Alter Ego und Erfindung seines angeblichen Schülers Eugène Canseliet? Ein Genie, das ins Herz der Alchemie bis zum Stein der Weisen vorgedrungen ist? Theorien gibt es viele, allesamt ebenso mysteriös wie die Figur Fulcanelli selbst.
In seinen Schriften erwähnt Fulcanelli eine geheime „Sprache der Vögel“, die für ihn den Weg zur Enthüllung der letzten Wahrheit markiert. Die Sprache der Vögel steht dabei symbolisch für die Erfahrung absoluter (bzw. göttlicher) Erleuchtung. So versteht etwa Siegfried die Sprache der Vögel nach dem Genuss von Drachenblut. Der Heilige Franziskus erhält durch göttliche Eingebung die Gabe, den Vögeln zu predigen.
Anselm Kiefer greift die Idee einer „Sprache der Vögel“ in seiner Skulptur auf. Majestätische Adlerschwingen erheben sich über einem monumentalen Stapel Bücher, als würden sie einen Schatz bewachen. Mit dieser formalen Anordnung bezieht sich Kiefer auf das Frontispiz einer Schrift Fulcanellis, auf dem der alchemistische Rabe auf dem Totenschädel thront. Während Fulcanelli die Vergänglichkeit beschwört, richtet Kiefer seinen Blick in Vergangenheit und Zukunft gleichermaßen: Die Bücher sind markante Symbole des Wissens und seiner auf Dauer zielenden Überlieferung. Wissen und Weisheit haben kein Ende, sie sind niemals ganz ausgeschöpft. Konsequenterweise bleibt auch die letzte Wahrheit flüchtig: Man kann sie nicht erlangen, sich ihr nur nähern.


Zum Künstler

Anselm Kiefer selbst gilt als der Alchemist unter den Künstlern: Zu seinen bevorzugten Materialien gehören Blei, vertrocknete Pflanzen, Beton oder Harz, und seine unverkennbare Bildsprache ist durch eine starke Symbolik, durch Schichtung, Durchdringung und Verschmelzung charakterisiert. Seine Lebensthemen sind Geschichte und Mythen: „Ich denke vertikal. Ich sehe alle Schichten. Ich erzähle Geschichten, um zu zeigen, was hinter der Geschichte ist.“ Anselm Kiefer (geboren 1945 in Donaueschingen) gehört zu den wichtigsten deutschen Künstlern der Nachkriegszeit. Seine Werke sind in bedeutenden Museen weltweit präsentiert. Der Künstler lebt und arbeitet in Paris.