Ausschreibung Forschungs- und Technologietransferkonzept Fachhochschule Salzburg

BEKANNTMACHUNG

Hiermit wird bekannt gemacht, dass das Land Salzburg, vertreten durch die Abteilungen 1 und 2, beabsichtigt, im Wege einer Direktvergabe mit vorheriger Bekanntmachung gemäß § 47 BVergG 2018 folgende Dienstleistung zu beschaffen:

Erstellung eines Forschungs- und Technologietransferkonzeptes

für die Fachhochschule Salzburg

Ausgangslage

Die Fachhochschule Salzburg (FHS) hat sich seit ihrer Gründung im Jahr 1995 zu einer wichtigen Leitinstitution im Bundesland Salzburg entwickelt. Mit 18 Bachelor-Studiengängen, 12 Masterstudiengängen, 2.712 Studierenden und 365 MitarbeiterInnen ist die FHS eine wichtige und qualitativ hochwertige Ausbildungseinrichtung für Fachkräfte in der Region, sie stellt der Wirtschaft gut ausgebildete MitarbeiterInnen zur Verfügung. Die Lehre reicht von den Ingenieurwissenschaften, den Sozial- und Wirtschaftswissenschaften, Design, Medien & Kunst bis hin zu den Gesundheitswissenschaften. Die FHS deckt damit eine große Breite ab, um auch ihrem regionalpolitischen Bildungsauftrag gerecht zu werden.

Neben dem durch das österreichische Fachhochschulsystem normierten Bildungsauftrag, hat sich an der FHS im kleineren Ausmaß die angewandte Forschung und der Technologietransfer für die regionale Wirtschaft in den letzten Jahren dynamisch entwickelt. Durch die Breite der Ausbildung sind die Forschungsthemen ebenso breit gefächert und aufgrund einer im österreichischen Fachhochschulsystem fehlenden Forschungsgrundfinanzierung stark projektgetrieben. Vor allem in den Ingenieurwissenschaften und technologiebezogenen Studiengängen ist es der FHS aber dennoch gelungen, auch struktur- und themenbildende Schwerpunkte auszuprägen, die auch im zunehmenden Ausmaß Drittmittelprojekte einwerben und Leitprojekte umsetzen. Dazu zählen auszugweise das Zentrum für Sichere Energieinformatik (vormals Josef Ressel Zentrum für anwenderorientierte Smart Grid Privacy, Sicherheit und Steuerung), das Digitale Transferzentrum, das Zentrum für Alpines Bauen, das Zentrum für Smart Materials, im Zusammenhang mit der starken Holzbau- und Holzwerkstoffkompetenz am Campus Kuchl, oder das Zentrum Zukunft Gesundheit. Mehrere dieser Projekte werden auch im Rahmen von Institutions- übergreifenden Kooperationen umgesetzt. (siehe www.fh-salzburg.ac.at/forschung-entwicklung/forschung-entwicklung-transfer/). In Summe beläuft sich das Forschungsvolumen an der FHS mittlerweile auf rund EUR 3 Mio. p.a., wobei rund 30 Prozent der Drittmittel aus der Wirtschaft kommen.

Zielsetzung

Aufgrund der wachsenden Forschungsdynamik an der FHS und der in der WISS- Wissenschafts- und Innovationsstrategie Salzburg 2025 (WISS 2025) verankerten Bestrebungen des Landes Salzburg im Bereich der Forschung eine intelligente Spezialisierung auf Basis kritischer Größen, Kompetenzen und zukunftsgerichteter Fokusthemen zu forcieren und mit den Forschungseinrichtungen eine professionelle Rolle und Integration im Salzburger FTI- System zu entwickeln, möchte das Land Salzburg gemeinsam mit der FHS ein handlungsorientiertes Forschungs- und Technologietransferkonzept für die Fachhochschule Salzburg entwickeln.

In einem internen Prozess hat die FHS dafür ein erstes themenbezogenes Konzeptpapier erarbeitet, das drei Themenfelder im Sinne von möglichen Exzellenzfeldern und im Sinne der Aufgabe und Rolle von Fachhochschulen im österreichischen FTI System vorschlägt (Industrial Informatics & Digitalization, Biogenic Technologies & Circular Economies sowie als breites, offenes und querschnittsgerichtetes Thema Human Centered Technologies). Neben diesem Ansatz für mehr Spitze hat die FHS auch eine wichtige Rolle, niederschwelliger und in der Breite angewandten Wissens- und Technologietransfer zu betreiben. Auch diese Funktion im Salzburger FTI- System muss bei der Konzepterstellung Berücksichtigung finden.

Beschreibung des Leistungsgegenstandes

Der im Rahmen der gegenständlichen Vergabe zu beauftragende Experte bzw. die Experten sollen folgende Leistungen erbringen:

  • Thematische Schwerpunkte: Die möglichen „exzellenten Forschungsfelder" (Spitzen) der FHS sollen hinsichtlich Inhalt, Qualität und Fokussierung, aber auch Kompetenzen, Kapazitäten, Referenzen und Zukunftspotenzial in einem ergebnisoffenen, pragmatischen und schlanken Prozess evaluiert und spezifiziert werden. Im Rahmen der Leistungserbringung sollen zB. Expertenboard- Workshops oder peer- review Workshops umgesetzt werden. Dabei soll auch gesamthaft die FHS- Forschung miteinbezogen werden, um die Exzellenzfelder diesbezüglich zu reflektieren und zu validieren. Es soll auch die Frage im Mittelpunkt stehen, wie eine zukunftsgerichtete Spezialisierung in der Forschung mit einer konsistenten Logik zum FH Ausbildungsspektrum inhaltlich aussehen und weiter geschärft werden kann. Die FHS soll daraus ein kompetentes Forschungsprofil (Profil im regionalen, überregionalen, nationalen Kontext, Kooperationen am Standort und über den Standort hinaus, Nische und Spitze statt Breite, gezielter Kompetenzaufbau im Sinne von Stärken stärken) ableiten können, das auch dem Bedarf aus der regionalen Wirtschaft und bezüglich eines höheren Exzellenzanspruchs gerecht wird. Zudem soll der Frage nachgegangen werden, wie der Ansatz für Breite und Technologietransfer bis zur Verwertung  neben der Spitze abgebildet und wie hier eine Strukturierung und Organisation der Forschung in der FHS erfolgen kann (Modell).
  • Effektive und effiziente Forschungsgovernance (Prozesse, Struktur, Aufbau- und Umsetzungsorganisation): Es soll ein Organisations- und Prozessmodell für die Forschung in der Fachhochschule erarbeitet werden, um die wachsenden Forschungsaktivitäten innerhalb der FHS professionell und effizient zu strukturieren und organisieren (Prozess). Für das Management sollen entsprechende Tools bereitgestellt werden, um die Schwerpunktentwicklung zielgerichtet voranzubringen, einer Qualitätssicherung zu unterziehen und über KPIs im Fortschritt zu messen. In diesem Forschungsmodell sind auch die unterschiedlichen Forschungsarten, Transferarten bis hin zur Verwertung zu berücksichtigen. Dafür sollen auch good practices eingebracht und hinsichtlich der Übertragbarkeit und Machbarkeit für die FHS geprüft werden.
  • Aufgrund der Besonderheiten der Finanzierung von Fachhochschulen und deren Forschung sind spezifische Ansätze zu sondieren bzw. zu erarbeiten, um mehr Anreize für Forschungsaktivitäten zu schaffen. Indikationen zur Weiterentwicklung der Servicierung von Forschenden bzw. Forschungsprojekten sind zu definieren.
  • Das Forschungs- und Transferkonzept soll konkrete Maßnahmen und klare, mess- und überprüfbare Ziele, sowie Zeitvorgaben in der Aufbau- und Umsetzungsorganisation umfassen, und sehr umsetzungsorientiert im Sinne eines Masterplans sein.
  • Zur Sicherstellung der Abwicklung von Forschungsprojekten im Einklang mit dem
    Förder-, Steuer- und Beihilfenrecht mit Blick auf den Rechtsstatus der FHS (gemeinnützige GmbH) soll eine valide Lösung gefunden werden, die auch auf das Forschungsmodell (Struktur und Organisation) rückgekoppelt werden soll, um dieses dahingehend zu optimieren. Seitens der FHS wird dafür gesondert ein Experte beauftragt werden, mit dem eine entsprechende Abstimmung zu erfolgen hat.
  • Es wird eine Projektsteuerungsgruppe mit Vertretern des FHS, des Landes Salzburg und der Landestochtergesellschaft ITG eingerichtet. Der Prozess zur Erstellung des Konzeptes ist mit dieser Gruppe von Beginn an und laufend abzustimmen. Die Zwischen- wie auch das Endergebnis der Arbeit sind von dieser Gruppe abzunehmen.

Folgende Arbeitsschritte des zu beauftragenden Experten sind (exemplarisch) vorgesehen:

  • Spezifizierung des Prozesses, ausgehend von Bestandsunterlagen und Analysen, die vom Auftraggeber bzw. der FHS bereitgestellt werden, sowie in einem gemeinsamen Arbeitstermin mit der Projektsteuerungsgruppe.
  • Offene Vertiefungsgespräche mit thematisch- inhaltlichen als auch systembezogenen- Stakeholdern/ Akteuren innerhalb und außerhalb der FHS, ggf. sonstige Recherchearbeit. (ca. 15 Gespräche).
  • Beiziehung weiterer Fachexperten, u.a. zur fachlichen Bewertung der thematischen Schwerpunktbildung (z.B. über die Einrichtung eines Expertenboards oder eines peer- Reviews; es steht dem Bieter frei, wie er diese Expertenbeiziehung organisieren möchte)
  • SWOT Analyse, Aufbau – und Umsetzungsorganisation auf Basis der vorangegangen Erhebungs- und Analysearbeit.
  • Entwicklung des Forschungs- und Transferkonzeptes: Dazu sind ca. 2 Workshops mit Experten und anderen relevanten Akteuren durchzuführen, (a)Forschungsakteure und b) Vertreter der Wirtschaft. Es steht dem Experten frei, eine entsprechende Methodik dafür vorzuschlagen. Der Auftraggeber unterstützt die Auftragnehmer bei der Organisation der Workshops und Einbindung der relevanten Akteure.
  • Vorstellung der Ergebnisse in Form einer Präsentation, und Abnahme als schriftlicher Bericht durch die Steuergruppe (Masterplan).
  • Vorbereitung, Moderation und Nachbereitung der Projektsteuerungsgruppe (Meetings am Beginn, sowie bei wichtigen Prozessschritten und ergebnisrelevanten Zwischenergebnissen, ca. 6 Meetings/ ist im Angebot gemäß dem vorgeschlagenen Ablauf zu spezifizieren).

     

    Voraussichtlicher Zeitraum der Leistungserbringung: September 2019- Dezember 2019

Zur Angebotslegung

Am Auftrag interessierte Experten (gern auch in Form eines Konsortiums), sind eingeladen, bis längstens 5.8.2019 20 Uhr ein Angebot per mail an peter.gutschner@salzburg.gv.at zu übermitteln.

Darin ist folgendes anzugeben:

  • ein Pauschalbetrag, mit dem alle durch die Leistungserbringung entstehenden Kosten abgegolten werden,
  • Angaben zu den Personen, die den Auftrag abwickeln werden (Ausbildung, Berufserfahrung, Referenzprojekte)
  • Angaben zur beabsichtigten Herangehensweise an den Auftrag (Ablauf, Zeitplan, angesetzter Aufwand nach Personentagen, nachvollziehbare Ressourcen- und Kostenplanung).

Von den am Auftrag interessierten Unternehmen wird erwartet, das sie und die eingesetzten Mitarbeiter/innen speziell in folgenden Bereichen über Referenzen und Kompetenzen verfügen, die entsprechend im Angebot darzustellen sind:

  1.  FTI- Systeme in Österreich, speziell in Salzburg,
  2.  strategische Beratung und Evaluierung von Forschungseinrichtungen, insbesondere im Bereich der Entwicklung von FH/ Universitäten in Forschung und Technologietransfer, in der Organisations- und Prozessentwicklung von anwendungsorientierten Forschungseinrichtungen,
  3.  in den oben angeführten thematischen Bereichen und der „Smart Specialisation".

     

    Die Auftragsvergabe erfolgt nach dem Bestbieter-Prinzip. Zur Beurteilung der Angebote werden folgende Kriterien herangezogen:
  • Qualifikation des eingesetzten Experten (oder Expertenteams), d.h. Ausbildung, Berufserfahrung, Referenzprojekte: 45 %,
  • Vorgeschlagene Herangehensweise an den Auftrag (Prozess, Methoden, Zeitplan, Personentage, etc.) 30%,
  • Preis: 25 %, wobei die höchste Punktezahl dem Bieter mit dem niedrigsten Angebotspreis zugeteilt wird und die anderen Angebote ins Verhältnis dazu gesetzt werden (niedrigstes Angebot/zu beurteilendes Angebot*25).

Rückfragen und Informationen

Die Bieter haben die Möglichkeit, bis Freitag, den 26.7.2019, Fragen an den Auftraggeber zu stellen. Die Fragen sind per e-mail an folgende Adresse zu übermitteln: peter.gutschner@salzburg.gv.at und haben im Betreff zu lauten „Frage zur Vergabe des Auftrages zur Erstellung eines Forschungs- und Technologietransferkonzeptes". Die Fragen und Antworten werden in anonymisierter Form spätestens am Mittwoch, den 31.7.2019, auf derselben Website-Adresse veröffentlicht, an der die gegenständliche Leistungsbeschreibung verfügbar ist. Die Bieter sind daher angehalten, die Website-Adresse vor Angebotsabgabe aufzusuchen, um zu prüfen, ob Fragen eingelangt sind und wie diese vom Auftraggeber beantwortet wurden, um dies in die Angebotslegung einfließen zu lassen.

Zur förder-, beihilfen- und steuerrechtlichen Absicherung des Konzepts wird seitens der FHS gesondert ein Rechtexperte beauftragt werden, mit dem im Rahmen der Konzepterstellung eine Abstimmung erfolgen muss. Ziel ist, dass das Forschungs- und Transferkonzept der FHS auch dahingehend eine Machbarkeit aufweist. Auf diese rechtlichen Aspekte haben die Bieter grundsätzlich im gesamten Erarbeitungsprozess Rücksicht zu nehmen.