Salzburger Landessammlungen: Provenienzforschung und Restitution



Einführung in die Datenbank



Aufgabe der Datenbank

Entstehung, Inhalt und Suche

Die Landesgalerie

Herkunft und Restitution der Werke der Landesgalerie

Welche Kunstwerke sind Bestandteil der Datenbank?

Welche Bestände der Salzburger Landessammlungen fehlen?

Quellen

Gesuchte Quellen



Aufgabe der Datenbank:

Das Land Salzburg überprüft seit 1987 die Herkunft strittiger Kunstobjekte seiner Landessammlungen. Das Salzburger Landesarchiv hat im Auftrag des Landes Salzburg das Inventarbuch der Erwerbungen zwischen 1942 und 1944 bearbeitet und publiziert, um Klarheit in die seinerzeitigen Erwerbungsvorgänge und die Rechtssituation zu bringen.

Die Publikation "Das Inventarbuch der Landesgalerie Salzburg 1942-1944" ist die Offenlegung der Erwerbungen von Kunstobjekten durch den Reichsgau Salzburg während der Jahre des Zweiten Weltkrieges sowie die Dokumentation des Erbes, das die Salzburger Landessammlungen Residenzgalerie und Rupertinum daraus übernommen haben und heute noch verwahren.

Da bis heute fast alle Originalakten der Landesgalerie trotz intensiver Suche fehlen, konnten die Provenienzen der Kunstobjekte nur in einzelnen Fällen eruiert werden.

Die Veröffentlichung des Inventarbuches im April 2000 brachte bis heute keine Anfragen von früheren Eigentümern oder deren Erben. Die Internetversion der Datenbank "Landesgalerie Salzburg 1942-1944" stellt somit einen weiteren Versuch des Landes Salzburg dar, früheren Eigentümern der in Landesbesitz befindlichen Objekte die Möglichkeit auf Restitution zu geben.

Seitenanfang

Entstehung:

Die Datenbank "Landesgalerie Salzburg 1942-1944" wurde im Jahr 2000 von Landeshauptmann Dr. Franz Schausberger und Ressortchef Landesrat Dr. Othmar Raus in Auftrag gegeben. Die Betreuung erfolgt durch das Amt der Salzburger Landesregierung, Abteilung Kultur und Sport.

Sie stützt sich primär auf Daten und Ergebnisse der Publikation Koller, Fritz: Das Inventarbuch der Landesgalerie Salzburg 1942-1944.-Salzburg 2000.  Landesarchivar Koller verwertete darin vor allem Dokumente des Salzburger  Landesarchivs, des Archivs der Residenzgalerie, des Archivs der Galerie Welz, aus Privatarchiven, des Archivs des Bundesdenkmalamtes Wien, National Archives Washington, sowie einschlägigen Ergebnissen der französischen Forschung.

Eine wesentlichen Beitrag leisteten das Salzburger Landesarchiv, die Salzburger Landessammlungen und das Salzburger Museum Carolino Augusteum durch die Zurverfügungstellung von Bildmaterial.

Die Ergebnisse der laufenden Provenienzforschung insbesondere Materialien aus dem Archiv des Salzburger Museums Carolino Augusteum und dem Archiv des Bundesdenkmalamtes zu den noch in Salzburg vorhandenen Beständen der ehemaligen Landesgalerie wurden ebenfalls berücksichtigt.

Da die Forschungsarbeiten noch nicht abgeschlossen sind, hat diese Datenbank noch vorläufigen Charakter. Weitere Ergebnisse werden in einer späteren Version veröffentlicht. Eine Ausgabe in Englisch ist in Vorbereitung.

Seitenanfang

Inhalt und Suche:

  • Grundlage der Datenbank ist das von Koller veröffentlichte Inventarbuch.
  • Alle 174 noch in Salzburg vorhanden Objekte werden angezeigt, wenn kein Eintrag in das Suchfeld erfolgt und "Suche" angeklickt wird.
  • Sie könne das Suchergebnis über "Druckansicht" ausdrucken.
  • Nach folgenden Kriterien ist eine Suche möglich.

    alle Felder: Standardeinstellung
    Inventar Nr.: Inventar Nummer der Landesgalerie
    Künstler:  Künstlername, z. B.: Rudolf von Alt, oder : Italienisch, 18. Jhdt.
    Provenienz: Fast alle in der Datenbank enthaltenen Objekte weisen Lücken in der Provenienz auf oder sind ungeklärter Herkunft
    Technik: z. B.: Öl/Leinwand, Aquarell
    Werk:  Der im Inventarbuch vergebene Titel eines Objektes
  • Folgende zusätzliche Angaben zum Kunstwerk sind angegeben:

    Entstehungszeit:  Entstehungszeit des Kunstwerkes
    Maße: Maße des Kunstwerkes in cm oder in mm
    Technik: z. B: Öl/Leinwand, Kupferstich, Aquarell/Papier
    Standort 2000: Heutiger Standort der Kunstwerke in der Residenzgalerie Salzburg
    (RGInv.-Nr.),imRupertinum, Museum für moderne Kunst, Salzburg (RU Inv.-Nr.), im Salzburger Museum
    Carolino Augusteum (SMCA) und in der Liegenschaftsverwaltung beim Amt der Salzburger
    Landesregierung (Liegenschaftsverwaltung)
  • Die Schreibweise der Künstler erfolgt nach heutigem Standard und unterscheidet sich mitunter von der Schreibweise im Inventarbuch

Seitenanfang

Die Landesgalerie:

Die Landesgalerie Salzburg wurde am 13. Februar 1942 von Gauleiter Gustav A. Scheel gegründet. Sie war die öffentliche Kunstsammlung des Reichsgaus Salzburg und ist als solche von der Salzburger Residenzgalerie des Landes Salzburg und der privaten Galerie Welz in Salzburg vollständig zu trennen. Beauftragter für ihren Aufbau 1940 bis 1942 und ihr Leiter 1942 bis 1944 war Friedrich Welz. Ihre Bestände waren vom 8. Mai 1944 bis zum 31. Dezember 1945 als Gemäldegalerie Teil des Zweckverbandes Salzburger Museum. Leiter des Zweckverbandes war bis Kriegsende Prof. Bruno Grimschitz, Direktor der Österreichischen Galerie in Wien.

Seitenanfang

Herkunft und Restitution der Werke der Landesgalerie

Die Sammlungen der Landesgalerie umfassten 488 Kunstobjekte, darunter 459 Bilder und 29 Plastiken. Rund 310 Objekte davon hatte Welz im Pariser Kunsthandel gekauft, rund 170 hatte er im Inland durch Kauf, Tausch oder Schenkung erworben. 174 ehemalige Landesgalerie-Kunstgegenstände befinden sich heute noch in Salzburg. Für alle Erwerbungsvorgänge durch die Landesgalerie liegen juridische Rechtstitel vor, in vielen Fällen bestehen jedoch hinsichtlich der Lauterkeit der Bezugsquellen und der vorhergehenden Transaktionen heute zurecht erhebliche moralische Bedenken. 1947 wurden alle Bilder französischer Herkunft, soweit sie in Salzburg gefunden werden konnten, von der französischen Besatzungsmacht nach Frankreich zurückgebracht. Von den Erwerbungen im Inland wurden 1947/50 sieben und 1965 noch eines an die Erben von NS-Opfern zurückgestellt. Andere Ansprüche wurden nicht erhoben und sind bis heute auch nicht bekannt. Dabei ist nicht auszuschließen, dass das Fehlen weiterer Ansprüche auf einen Mangel an Information zurückzuführen ist.

Seitenanfang

Bestände der Landesgalerie 1942-1945:

Objekte Landesgalerie insgesamt: 488
Objekte aus Frankreich: 318
Objekte aus dem Inland: 170

Verbleib der Objekte:

Total number of objects in the gallery: 488
Whereabouts known: 380
Returned to France:
Returned (not including France):
Existing in Salzburg:
198
8
174
Whereabouts unknown: 108

Verbleib der französischen Objekte:

Objekte französischer Herkunft: 318
Verbleib bekannt: 217
Rückgestellt nach Frankreich:
In Salzburg vorhanden:
Davon in der Residenzgalerie:
198
19
19
Verbleib unbekannt: 101

Verbleib der Objekte aus dem Inland:

170 Objekte inländischer Herkunft: 170
Verbleib bekannt: 163
Rückgestellt an NS-Opfer oder Erben
(1947-1965):

in Salzburg vorhanden:

davon in der Residenzgalerie:

davon im Rupertinum:

davon in der Liegenschaftsverwaltung:

davon im Salzburger Museum Carolino Augusteum:
8


155

107

44

3

1
Verbleib unbekannt: 7

Seitenanfang

Welche Kunstwerke sind Bestandteil der Datenbank?

Derzeit sind 174 Kunstobjekte - einige mit ungeklärter, die anderen mit ungeklärter oder lückenhafter Provenienz - Bestandteile der Internet-Datenbank. Davon sind 155 Objekte inländischer und 19 französischer Herkunft.

Seitenanfang

Welche Bestände der Salzburger Landessammlungen fehlen?

In der Datenbank fehlen:

Die nach dem 2. Weltkrieg restituierten Objekte (206 Nummern)

Die vermissten Objekte (108 Nummern)

Die nach dem 2. Weltkrieg erworbenen Objekte

Seitenanfang

Quellen:

Die Datenbank fußt auf den Angaben der Publikation Koller, Fritz: Das Inventarbuch der Landesgalerie Salzburg 1942-1944.-Salzburg 2000, dem Verzeichnis der in Publikationen erwähnten Objekte der Landesgalerie zusammengestellt von Ulrike Klingenschmid (Koller, S. 542-548), Salzburg als Motiv. Die Graphiksammlung der Residenzgalerie Salzburg.-Salzburg 1988, Schenkung von Friedrich Welz für die Salzburger Landessammlungen Rupertinum.-Salzburg 1983, Residenzgalerie mit Sammlung Czernin und Sammlung Schönborn-Buchheim.-Salzburg 1980 und eigenen Archivrecherchen von Gerhard Plasser.

Koller verarbeitet im Inventarbuch zwei im Salzburger Landesarchiv aufliegenden Inventarbücher der Landesgalerie (SLA 926/1 und 926/2). Weitere Abschriften befinden sich in Wien, BDA (Restitution Kt. 49, Welz), Washington, NARA, (HS 926/13 NARA II, R. G. 260, Box 64, Entry 1  und in Paris, eine nach Belegen geordnete Liste (Kopie: SLA HS 926/18)

Schätzwerte resultieren meist aus Anmerkung im Inventarbuch Handschrift II.

Seitenanfang

Gesuchte Quellen:

1944 legte die Büroleiterin der Landesgalerie, Martha Osthoff,  folgende Aktenaufstellung an:

"Aufstellung über bei der Gemäldegalerie geführten Bücher und Akten
3 Inventar-Bücher "G", gleichlautend, (enth. Gemälde u. Plastiken), 1 Stück für St. Gilgen, 1 Stück für Büro St. Peter, 1 Stück bisher für U-Abt. IId
1 Inventarbuch enth. Reproduktionen (erst begonnen)
1 Kassabuch
1 Zustellbuch für Auszahlungs-Anordnungen
1 Inventar-Register für "G"
1 Tagebuch über tägliche Vorkommnisse
1 gr. Leitzordner für die laufende Korrespondenz, Spezialvorgänge in gesonderten Aktenheftern u. a.:
Auszahlungsanordnungen
Rechnungskopien
Bankmeldungen
Verkaufsbelege
Versandavise
Ausstellungsmaterial
Manuskripte
Rechungsbelege (für Verlag)
Verfügungen des Zweckverbandes
Überwachungslisten
Rahmen-Inventar (ungeheftet)
Inventar über die Einrichtungsgegenstände (ungeheftet)
Adressenkartei
Eine Inventarkartei muß noch eingeführt werden.

Salzburg, am 12. Juli 1944"[1]

1949 waren folgende Archivalien der Landesgalerie in Salzburg laut Übergabeprotoll v. 26. 1. des Jahres vorhanden, Unterzeichner: "Vernon R Kennedy, Chief Property Control and Restitution Branch, Dr. Paul Horner, Leiter der Abteilung VIIIc der Landesregierung Salzburg, Prof. Rigobert Funke, Director of the Municipal Museum":

"Business records, photos and personal files belonging to Mr. Frederick Welz:

8 Office books
1 Office book, blanc
11 Envelopes with photos of paintings and other art objects
15 folders with correspondenc
1 Box with letters und bills
2 Folders, account-extracts"[2]

[1] SMCA, Museumsakten, Mappe Landesgalerie/Akten 1944, M-Z, 7.

[2] BDA, Restitution, Karton 49, Welz 1947-1952, fol. 1-148, hier fol. 24, 25; Vgl. Kerschbaumer, Gert: Meister des Verwirrens. Die Geschäfte des Kunsthändlers Welz.-Wien 2000, S. 182.

Seitenanfang