Forschungsstelle Residenzgalerie

Die Sammlung des Landes Salzburg in der Residenzgalerie

​Die Alt-Meister-Sammlung des Landes Salzburg wird in der Residenzgalerie im DomQuartier Salzburg präsentiert und umfasst Gemälde europäischer Malerei des späten 16. bis 19. Jahrhunderts. Schwerpunkte bilden die niederländische Malerei des 17., italienische, französische und österreichische Malerei des 17. und 18. sowie österreichische Meisterwerke des 19. Jahrhunderts.
Rembrandt Betende alte Frau

Analyse der IRR-Aufnahmen des KHM-Museumsverbandes Wien
© markushuber.net

Salzburg als Standort für Forschung

Die Aufgabe der Forschungsstelle Residenzgalerie ist die wissenschaftliche Bearbeitung der Landessammlung Residenzgalerie wobei ganz auf Grundlagenforschung, die primär der Erlangung neuer Wissenserkenntnis und einer Verbesserung der aktuellen methodisch-theoretischen Wissensgrundlage dient, gesetzt wird. Interdisziplinarität und Vernetzung mit Forschungsinstitutionen stehen dabei im Vordergrund (Kulturentwicklungsplan KEP Land Salzburg Pkt. 6, Kreativität und Wissen).

Die Ergebnisse werden durch analoge bzw. digitale Publikationen veröffentlicht, sowie die Sammlung für internationale Projekte geöffnet, um den geforderten „Wissenschafts- und Innovationstrategien des Landes Salzburg 2025“ zu entsprechen. Eine tiefergehende wissenschaftliche Aufarbeitung des wertvollen Gemäldebestandes schafft eine für Salzburg wichtige Anbindung an die internationale Forschung und gewährleistet damit überregionale Aufmerksamkeit.

Forschungsprojekt

Das umfangreiche Projekt mit den wertvollsten Gemälden der niederländischen Malerei aus dem Umkreis Rembrandts (1620er – 1640er Jahre) startete 2016. Ihre Vertreter entwickelten besondere Maltechniken zur Darstellung sphärischer Licht- und Raumverhältnisse mit besonderer sinnlicher Stimmung und Ikonografie.
Neben den kunstwissenschaftlichen Untersuchungen widmen sich die unterstützenden naturwissenschaftlichen Recherchen mit ihren technischen Untersuchungsmethoden der Frage nach der Identifizierung (Röntgenfluoreszenz, Infrarot) und Herkunft der verwendeten Pigmente (Massen-Spektrometrie). Basierend auf diesen Ergebnissen können im Bereich der Kunstwissenschaften Rückschlüsse auf Maltechnik, Wahl der Malmaterialien, Entstehungsort und sogar Datierung der einzelnen Gemälde gewonnen werden.

Aelbert Cuyp (1620–1691), Weide mit Kühen und Hirten, Detail; Residenzgalerie Salzburg, Inv. Nr. 534; © RGS/Ghezzi

Forschungsergebnisse

*REMBRANDT/LIEVENS: In einem ersten Teil des Forschungsprojektes 2016 brachte eine umfassende wissenschaftliche Bearbeitung des Gemäldes „Betende alte Frau" von Rembrandt van Rijn neue Einsichten zu Arbeitsabläufen und Materialwahl, und schärfte den Blick auf neue Aspekte der kunstgeschichtlichen Betrachtung.

Fragen zu Malmaterialien, Textur, Bildgattung (Tronie), Besonderheiten seiner Charakterstudien, Werkstattablauf, zeitgenössische Rezensionen, kulturhistorischer Hintergrund und Rembrandts Künstlerumfeld in seiner Heimatstadt Leiden wurden dabei recherchiert. Die technischen Daten sind seit März 2017 in der Rembrandt-Datenbank des RKD (Niederländisches Institut für Kunstgeschichte) für die internationale Forschung zugänglich. 2018 folgte eine Publikation zum Rembrandt-Gemälde und das seines Leidener Künstlerkollegen Jan Lievens.

Cornelis de Heem (1631-1695), Stillleben, Detail; Residenzgalerie Salzburg, Inv. Nr. 561; © RGS/Ghezzi

*JAN DE HEEM zählt zu den bedeutendsten Stillleben-Malern seiner Zeit. Einer seiner erfolgreichsten Nachfolger ist sein Sohn Cornelis de Heem. Beide Gemälde gehören zum wertvollsten Niederländer-Bestand des Landes. Unterstützt und kommentiert wurde die 2019 publizierte, wissenschaftliche Arbeit von dem Niederländer-Experten, em. Senior Kurator des RKD (Reichsarchiv für niederländische Kunstgeschichte) in Den Haag, Fred Meijer.

*GOYEN/CYUP: 2019 wurde das Forschungsprojekt zum Thema „Landschaftsmalerei" gestartet. Es wird der Frage nachgegangen, wie weit gemeinsame ästhetische, soziale wie gesellschaftliche Wertvorstellungen die Bildkomposition prägen. Die Kunstwissenschaft wird dabei durch Methoden der Mathematik (Sichtbarkeits-Analysen, Fraktalberechnungen) unterstützt. Kooperationspartner in diesem Projekt ist die MedUNI Graz (Abt. Biophysik, Mathematik).

Publikationen

​Gabriele Groschner (Hg.in/Autorin): Rembrandt. Ausstellungskatalog Residenzgalerie, 2016 (dt./engl.)
Katalogbestellung über DomQuartier Salzburg Shop 
Dazu Online-Publikationen (peer reviewed):
*CODARTfeatures
*X-Ray Spectrometry


Gabriele Groschner: Zwei junge Wilde der Malerei und die Überwindung der Bildfläche.
Figurenporträts von Rembrandt van Rijn und Jan Lievens
, Salzburg 2018 (dt./engl.)
Residenz Verlag ISBN 978 3 7017 3444 3


Gabriele Groschner: Zwischen den Dingen. Zwei Stilleben von Jan und Cornelis de Heem, Salzburg 2019


Das Hypotheses-Wissenschafts-Blog „Tonale Malerei"

Hyptheses ist ein Blogportal für Geistes- und Sozialwissenschaften der Max-Weber-Stiftung in Bonn. Das/der Blog begleitet und dokumentiert die wissenschaftliche Bearbeitung der Gemälde niederländischer Malerei, vor allem der Leidener und Haarlemer Schule. Untersucht werden und zur Diskussion stehen Biografisches, Techniken, Maltheorien der Künstler, Methodik, Untersuchungsergebnisse und Publikationstexte.