Ateliers im Ausland


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Landeskorrespondenz am 22. Jänner 2016

Wie bestellt man in einem Restaurant in Peking, wenn man kein Chinesisch spricht und das Personal kein Englisch? Hannah Breitfuß zeichnet – und erhält prompt die gewünschte Speise serviert.
Als junge bildende Künstlerin ist sie prädestiniert, sich die Kunst als universelle Sprache zunutze zu machen. Hannah Breitfuß aus Bergheim ist eine von vielen Salzburger Künstlerinnen und Künstlern, die eine Zeitlang in einem vom Referat Kunstförderung und Kulturbetriebe des Landes Salzburg organisierten Atelier verbrachte.

Ein neues Land kennenlernen, kreativen Austausch mit internationalen Kunstschaffenden pflegen und sich dabei Inspiration für das eigene künstlerische Schaffen holen – dazu bieten die Auslandsateliers des Landes Salzburg die passende Gelegenheit. Nicht weniger als 16 Zielorte für 21 Bewerberinnen und Bewerber bieten sich heuer an. "Das ist mehr als der Bund und die anderen Bundesländer anbieten", berichtet Dietgard Grimmer, die seit 1986 unermüdlich und mit immer weiterem Netzwerk die Zahl der Auslandsateliers erweitert. "Wenn ich auf Reisen bin, habe ich immer Augen und Ohren offen", so Grimmer.

Altes zurücklassen und Neues kennenlernen

Auch Elisabeth Wörndl kehrte vor nicht allzu langer Zeit von ihrem Aufenthalt in einem Auslandsatelier zurück. Ihre Destination: Paris. Ihr Eindruck: "Damit hatte ich das Privileg, mir eine Stadt über einen längeren Zeitraum anzuschauen. Dadurch wird man neu inspiriert. Man lässt das Alte zurück und lernt sehr viel Neues kennen."

Norbert Zuckerstätter verarbeitete seine Impressionen aus Ahtopol am Schwarzen Meer und Sofia in einer Holzskulptur mit vollem körperlichen Einsatz und Kettensäge. "Der Aufenthalt in Bulgarien hat meinen Blickwinkel auf die Kunst im eigenen Land verändert", schildert der gebürtige Halleiner seine Eindrücke. Und Hannah Breitfuß konnte sich im Atelier in Peking "zwei Monate voll und ganz auf meine künstlerische Arbeit konzentrieren. Das wäre zuhause eher schwierig."

Ateliers rund um die Welt stehen zur Auswahl

Bewerben können sich in Salzburg geborene Künstlerinnen und Künstler oder Kunstschaffende, die seit fünf Jahren in Salzburg leben und arbeiten. Ateliers rund um die Welt stehen zur Auswahl, von Berlin und Budapest bis Tainan in Taiwan, Teheran und Chicago. Allein im italienischen Tenno – dem ersten Atelier, das das Land Salzburg seit 1987 mit Unterbrechungen anbietet – waren bereits 70 Künstlerinnen und Künstler. In Paris, wo das Land seit 1992 ein eigenes Atelier gemietet hat, waren bisher 57. "Insgesamt sind es ein paar Hundert Aufenthalte, die wir ermöglichen konnten", schätzt Grimmer.

So unterschiedlich wie die Zielorte sind auch die jeweiligen örtlichen Bedingungen und das künstlerische Schaffen. Das Salzburg-Atelier in Paris, das Elisabeth Wörndl nutzte, befindet sich in einem großen Gebäudekomplex, das Räume für 350 Künstlerinnen und Künstlern bietet. Die Mondseerin fotografierte Darstellungen und Skulpturen der französischen Nationalheldin Jeanne d'Arc und die jeweilige Umgebung. Hannah Breitfuß hatte ein großes Atelier in einem künstlerisch-lebendigen Viertel am Stadtrand von Peking zur Verfügung. Sie fertigte Skulpturen an, nahm mit ihren Werken an Ausstellungen teil und zeichnete Skizzen für spätere Arbeiten.

Oft verarbeiten die Künstlerinnen und Künstler ihre Eindrücke aus fernen Ländern erst später nach der Rückkehr in die Heimat. Elisabeth Wörndl wird ihre Fotografien "nach einer Weile Abstand" von ihrem Aufenthalt in Paris künstlerisch nutzen. Anders Norbert Zuckerstätter: Er schnitt gleich an Ort und Stelle in Ahtopol aus einem Baumstamm mit einer Kettensäge eine 2,60 Meter hohe Holzspirale.

Pro Jahr bewerben sich an die 80 Künstlerinnen und Künstler. Um die Qualität der Einreichungen hoch zu halten und damit nicht zu viele Bewerberinnen und Bewerber vorab von den Jurys aussortiert werden müssen, wird im Bewerbungsformular ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die Künstlerinnen und Künstler ihre Werke bereits in Ausstellungen in Galerien und Museen präsentiert haben sollten.

160122_51 (grs/sab)


Audiodateien:

Bild Auslandsateliers Landeskorrespondenz 2016
Hannah Breitfuss, Elisabeth Wörndl und Norbert Zuckerstätter im Traklhaus vor einer Wandarbeit von Gerold Tusch