Braunbär (Ursus arctos)
(Wildtier des Jahres 2005)

Der Braunbär (Ursus arctos) wurde in vielen europäischen Ländern zum Wildtier des Jahres 2005 ernannt. Systematisch gehört der Braunbär zu den Säugetieren (Mammalia) und hier zur Ordnung Raubtiere (Carnivora); stammesgeschichtlich weist seine Verwandtschaft zu den Hundeartigen (Caniden). Evolutionär leitet sich der Braunbär vom Höhlenbären ab; seine Anfänge in West- und Mitteleuropa reichen bis vor etwa 450 000 Jahren.
Braunbären sind tagaktiv, besitzen einen kräftigen Rumpf, kurze Extremitäten und einen rückgebildeten Schwanz; sie sind Sohlengänger und bilden 5 Zehen- sowie 5 Fingerstrahlen aus. Ihr Cephalisationsgrad ist hoch, sie haben ein im Laufe der Evolution hoch entwickeltes Gehirn. Im Gebiss werden die Mahlzähne (Molaren) vergrößert, die Eckzähne (Praemolaren) häufig reduziert.
Braunbären waren ursprünglich über ganz Europa, Asien bis Japan und Nordindien und auch Teile des nordamerikanischen Kontinents in Kanada, USA und Alaska verbreitet. Heute gibt es in Europa nur mehr Restvorkommen in den Pyrenäen, in Südeuropa, in Norwegen. In Österreich hat der Braunbär im Bereich der Grazer Bucht und des Steirischen Hügellandes das Hochglazial überdauert und von dort ausgehend Österreich nacheiszeitlich wiederbesiedelt, vor etwa 150 Jahren ausgerottet.
Braunbären bewohnen Bergregionen und offene Landschaften mit nur wenigen Bäumen, die sie als Schutz für ihre Jungen benötigen. Bevorzugte Reviere der Tiere sind vor allem in der Nähe fischreicher Gewässer; bevorzugter Speisefisch ist - vor allem am amerikanischen Kontinent - Lachs. Die Fische haben zur Zeit des Zuges als Reserve besonders viel Depotfett eingelagert und sind deshalb für die Bären eine besondere Delikatesse. Zur Zeit des Lachszuges kann man an den Flüssen Nordamerikas deshalb größere Ansammlungen von Braunbären beobachten. Ansonsten sind Braunbären Einzelgänger und asozial; die Männchen beteiligen sich nicht an der Jungenaufzucht. Männchen und Weibchen kommen ansonsten nur zur Paarungszeit zusammen.
Obwohl Braunbären systematisch zu den Carnivora gerechnet werden, nehmen sie durchaus auch pflanzliche Kost wie Gräser, Beeren u.a. zu sich; vor allem im Herbst, um Zucker- und damit Fettreserven für die bevorstehe Winterruhe anzusammeln. Manchmal stehen aber auch andere Säuger wie Bison und Elch am Speiseplan, ja sogar Insekten, Vögel, kleine Nager und Aas zählen zu seinen Futtertieren.
Braunbären halten Winterruhe in selbstgebauten Höhlen. Während dieser Zeit wird die Körpertemperatur nur geringfügig abgesenkt; es wäre energetisch für ein so großes Tier wie einen Braunbären ein Ding der Unmöglichkeit, von einer sehr niedrigen Temperatur den Körper rasch wieder auf Betriebstemperatur zu bringen. In der Zeit der Winterruhe werden die Jungen geboren, zumeist Zwillinge, jedoch sind Würfe bis zu fünf Tieren möglich. Die Neugeborenen sind nackt, blind und etwa rattengroß. Die jungen Bären bleiben etwa 2,5 Jahre in Obhut der Mutter. Nachdem es zur Zeit seiner Abspaltung vom Höhlenbären noch relativ warm und auch die Winter gemäßigt war, entwickelte sich der Bär erst später die Fähigkeit, Winterruhe zu halten.
Bären gehen dem Menschen aus dem Weg, greifen nur bei Unterschreiten einer Sicherheitsdistanz an, oder wenn die Jungen in Gefahr sind. Ansonsten verbringen sie die Wachzeiten mit Fressen und mit Futtersuche.
Heute sind die größten Bärenbestände im asiatischen Teil Russlands. In Nordamerika wurden sie durch den Menschen immer mehr nach Norden abgedrängt; in Europa führte der Mensch-Bär-Konflikt zur Ausrottung dieser Raubtiere; stabile Populationen gibt es noch in Skandinavien und Osteuropa.
Heutzutage gibt es Bestrebungen, Braunbären wieder anzusiedeln. Als ein ursprüngliches Projekt des World Wide Fund for Nature (WWF,) den Bär in Österreich wieder heimisch zu machen, wurde eine Bärin („Mira“) im Ötschergebiet (NÖ) ausgesetzt. Man wusste, dass dort ein aus Slowenien eingewandertes Männchen wohnte. Um den in der Bevölkerung entstehenden Gegenströmungen zu begegnen, wurden seitens des WWF so genannte „Bärenanwälte“ als Anlaufstelle und Schlichtungsstelle in den betroffenen Bundesländern eingerichtet. Erfreulicherweise wusste der WWF jedes Jahr von Bärenjungen zu berichten; im letzten Jahr wurde sogar ein Braunbär im Nationalpark Kalkalpen (Molln/OÖ) fotografiert.
Der Braunbär in Österreich gilt als ausgestorben, ausgerottet. bzw. verschollen. Es gibt keine autochtonen Bestände mehr. Derzeitige Bärennachweise sind zugewanderte oder im Rahmen des oben erwähnten WWF-Projektes angesiedelte Bären. Bärennachweise im Bundesland Salzburg sind selten; es kommt jedoch vor, dass sie ab und zu von Slowenien auf alten Bärenwanderwegen in den Lungau wandern, 1993 wechselte ein Bär durch den Lungau in die steirischen Sölktäler. Im Sommer 2002 waren 3 verschiedene Bären im Nationalparkgebiet unterwegs, ein ausgewachsener im Raum Bernkogel/Rauris , ein junger auf der Walchenalm in Fusch.und eine Bärin auf der Südseite der Glocknergruppe. Braunbären gelten im Bundesland Salzburg als jagdbares Wild im Sinne des Jagdgesetzes, sind jedoch ganzjährig geschont.
Braunbären sind aufgrund mehrerer internationaler Abkommen geschützt: Washingtoner Artenschutzabkommen, Anh.2. sie gelten als prioritäre Tierart im Sinne der Fauna-Flora-Habitat-RL Anh II und Anh IV sowie der Berner Konvention, Anh.II. Zu seiner Erhaltung ist nach ZULKA et.al. erhöhter Schutzbedarf erforderlich.
Bärenbeobachtungen oder Probleme mit Bären: Meldung bitte an Bärenanwalt Walter Wagner 07255/8117


