Die Ergebnisse der Bundespräsidentenwahl am 19. April 1998
Die vom Landesstatistischen Dienst erstellte Publikation über den Ausgang der Bundespräsidentenwahl 1998 bietet eine gleichermaßen umfangreiche wie detaillierte Darstellung der Wahlergebnisse. Auf über 180 Seiten finden sich zahlreiche Tabellierungen und Grafiken sowie eine detaillierte Analyse der Ergebnisse auf allen regionalen Ebenen.
Nun ein Auszug aus der Analyse der Wahlergebnisse:
Das Landesergebnis:
Der für weitere sechs Jahre ins Amt gewählte Bundespräsident Dr. Thomas Klestil konnte im Land Salzburg 165.785 WählerInnen (67,0 %) für sich gewinnen. Das ist anteilig etwas mehr als auf Österreichebene (+3,5 PP). Im Bundesländervergleich erzielte Dr. Klestil in Salzburg damit nach der Steiermark mit 68,8 und ex equo mit Kärnten das zweitbeste Ergebnis. Verglichen mit dem 1. Wahlgang der Bundespräsidentenwahl 1992, wo Dr. Klestil in Salzburg auf 98.608 Stimmen und einen Prozentanteil von 37,7 % kam, verbesserte er sein Wahlergebnis um 67.177 Stimmen bzw. 29,2 Prozentpunkte.
Und auch im Vergleich zum zweiten Wahlgang der Bundespräsidentenwahl 1992 mit damals 145.989 Stimmen oder 60,7 % konnte er zulegen: +19.796 Stimmen und +6,3 Prozentpunkte.
Mit 35.241 Stimmen und einem Anteil von 14,2 % an den gültigen Stimmen erreichte Mag. Gertraud Knoll in Salzburg etwa denselben Wert wie auf Österreichebene. Ein Vergleich mit dem Ergebnis von Robert Jungk im ersten Wahlgang der Bundespräsidentenwahl 1992 oder dem Ergebnis der GRÜNEn bei der Nationalratswahl 1995 zeigt, dass Mag. Knoll auch in Salzburg einen deutlich über das Wählerpotential der Grünen hinausgehenden Personenkreis ansprechen konnte (14.546 Stimmen bzw. 6,3 PP mehr als Jungk 1992, sowie 19.133 Stimmen bzw. 8,6 PP mehr als die GRÜNEn bei der Nationalratswahl 1995).
Am Ergebnis von Dr. Heide Schmidt wird auch in Salzburg ihr Wechsel von der FPÖ zum Liberalen Forum und damit das Fehlen einer Unterstützung durch die FPÖ, derer sie als Kandidatin Jörg Haiders im Jahr 1992 noch teilhaftig wurde, spürbar: Mit 27.653 Stimmen (11,2 %) verlor sie gegenüber 1992 einen erheblichen Teil ihrer WählerInnen, konkret 21.711 Stimmen oder 7,7 Prozentpunkte. Das Ergebnis des LIF bei den Nationalratswahlen 1995 konnte sie jedoch deutlich, und zwar um rund 10.000 Stimmen bzw. 5,1 Prozentpunkte, übertreffen.
Ing. Richard Lugner wurde von 13.929 SalzburgerInnen, das sind 5,6 % der gültigen Stimmen, gewählt. Im Vergleich zum Österreichergebnis sind dies anteilig doch deutlich weniger, konkret um 4,3 Prozentpunkte.
Auf Karl Nowak entfielen im Land Salzburg lediglich 4.961 Stimmen oder 2,0 %; das entspricht nahezu dem Anteil auf Österreichebene.
Die Wahlergebnisse im Bundesländervergleich:
Frau Mag. Gertraud Knoll erzielte ihr bestes Ergebnis mit einem Stimmanteil von 18,3 % im Burgenland, ihrem Heimatland, dem Land, in dem sie als evangelische Superintendentin tätig war und wieder tätig sein wird. Anteilig die wenigsten WählerInnen schenkten ihr in der Steiermark mit 11,5 % ihr Vertrauen. Der Stimmanteil in Salzburg von 14,2 % entspricht in etwa dem Österreichergebnis von 13,6 %.
Frau Dr. Heide Schmidt erhielt den stärksten Zuspruch in den "Hochburgen" des LIF, in Wien mit 18,1 % und in Vorarlberg mit 15,0 %. Am schlechtesten schnitt sie mit 7,1 % im Burgenland ab, jenem Bundesland, in dem Mag. Knoll am stärksten punktete. Der Anteil in Salzburg von 11,2 % ist um 0,1 Prozentpunkte höher als auf Österreichebene, somit de facto ident mit dem Österreichergebnis.
Herr Dr. Thomas Klestil war - wie bereits erwähnt - vor allem in der Steiermark mit 68,8 % siegreich, gefolgt von Salzburg und Kärnten mit jeweils 67,0 %. Das schlechteste Bundeslandergebnis musste er in Wien hinnehmen: 51,5 %.
Herr Ing. Richard Lugner schnitt ebenfalls - so wie Dr. Heide Schmidt - in Wien am besten ab. Beachtliche 14,0 % der WählerInnen der Bundeshauptstadt gaben ihm ihre Stimme. Den geringsten Zuspruch erhielt Ing. Lugner im Bundesländervergleich in Salzburg mit 5,6 %.
Der Stimmanteil von Herrn Karl Nowak, schwankt zwischen 1,1 % (Burgenland) und 3,5 % (Vorarlberg). Der Stimmanteil von Karl Nowak in Salzburg entspricht mit 2,0 % wieder nahezu dem Anteil auf Österreichebene (1,9%).
Die Gemeindeergebnisse:
Dr. Thomas Klestil konnte in allen 119 Gemeinden des Landes Salzburg sein Wahlergebnis vom ersten Wahlgang des Jahres 1992 übertreffen, wobei die Zugewinne sich in einer Größenordnung von 12,6 (Elixhausen) bis über 50 Prozentpunkte (Lend: 51,8 PP; Bürmoos: 50,5 PP) bewegten. Einen herausragenden Wahlerfolg verbuchte er in der Gemeinde Hüttschlag mit einem Anteil von über 90%, was gegenüber dem bereits 1992 (1. Wahlgang) sehr guten Ergebnis von 61,7% ein Plus von 28,9 Prozentpunkten bedeutet.
Nur in insgesamt 17 Gemeinden betrugen die anteiligen Zuwächse für Dr. Thomas Klestil weniger als 20 Prozentpunkte; 14 dieser Gemeinden befinden sich im Bezirk Salzburg-Umgebung. Elixhausen, bereits als jene Gemeinde erwähnt, in der Dr. Klestil am wenigsten dazugewinnen konnte, ist auch - nach der Stadt Salzburg mit exakt 58 % Stimmanteil - gemeinsam mit Anif die Gemeinde mit dem zweitschlechtesten Ergebnis für Dr. Klestil (jeweils 58,9%). Damit sind allerdings bereits alle Gemeinden aufgezählt, in denen weniger als 60% der WählerInnen dem amtierenden Bundespräsidenten ihr Vertrauen schenkten. Hingegen kann sich der alte und neue Bundespräsident Dr. Thomas Klestil in 97 Gemeinden, das sind mehr als 80% aller Gemeinden des Landes, auf eine qualifizierte Mehrheit von über zwei Drittel der gültigen Wählerstimmen stützen.
Mag. Gertraud Knoll erzielte ihre besten Ergebnisse in der Stadt Salzburg (17,1%) und in stadtnahen Gemeinden: Von den insgesamt 20 Landgemeinden, in denen Mag. Knoll mehr als 15% der gültigen Stimmen für sich verbuchen konnte, liegen 17 Kommunen im Flachgau und Tennengau, von jenen 21 Gemeinden, in denen Mag. Gertraud Knoll weniger als 10% Stimmenanteil erreichte, liegen 16 in Innergebirg. Ihre schlechtesten Ergebnisse musste sie in Hüttschlag (5,0%), Lessach (7,0%), Saalbach-Hinterglemm (7,3%), Forstau und Hintersee (jeweils 7,7%) hinnehmen.
Ähnlich wie Mag. Knoll punktete auch Dr. Heide Schmidt vorwiegend in den nördlichen Landesteilen: Von 32 Gemeinden, in denen sie mehr als 10% der WählerInnen für sich gewinnen konnte, liegen 26 (die Landeshauptstadt mitgerechnet) im Flachgau und Tennengau. Ihre Spitzenwerte erzielte Dr. Schmidt in Anif, wo sie mit einem Anteil von 16,8% um fast einen Prozentpunkt vor Mag. Knoll rangiert, und ín der Stadt Salzburg (16,1%).
Verglichen mit den Ergebnissen des ersten Wahlgangs der Bundespräsidentenwahl 1992 verlor Dr. Heide Schmidt in allen Gemeinden des Landes Stimmenanteile, wobei die Anteilsverluste nur in Schwarzach im Pongau (-0,6% Prozentpunkte), Lend (-0,8 PP) und Puch bei Hallein (-0,9 PP) unter der 1-Prozentpunkt-Marke blieben. In 48 Gemeinden betrugen die Anteilsrückgänge jeweils mehr als 10 Prozentpunkte, darunter minus 17,9 PP in Unken und 17,7 PP in der Lungauer Gemeinde Unternberg.
Ing. Richard Lugner musste sich im Land Salzburg insgesamt mit 5,6% Stimmenanteil zufrieden geben, und liegt damit klar hinter Dr. Heide Schmidt. Nur in zwei Lungauer Gemeinden fiel sein Stimmenanteil zweistellig aus, in Thomatal (12,4%) und Tweng (11,2%). In der weit überwiegenden Anzahl von Gemeinden lagen seine Anteile zwischen 4 und 6%.
In der Landeshauptstadt erzielte Ing. Richard Lugner übrigens mit 6,5% ein leicht über dem Landesschnitt liegendes Ergebnis.
Der am Stimmzettel an fünfter Stelle plazierte Kandidat, Karl Nowak, hat auch am Wahlergebnis gemessen diese Position inne. Das Landesergebnis von exakt 2,0% für ihn konnte er in keiner Gemeinde nennenswert übertreffen. Die besten Ergebnisse erzielte Karl Nowak in Ramingstein und Schleedorf mit je 4,1%; kein/e Wähler/in fand sich für ihn in Weißpriach und Weißbach bei Lofer.
Auch wenn Dr. Thomas Klestil bei seiner Wiederwahl als parteiunabhängiger Bewerber antrat, mag es nicht überraschen, dass er seine besten Ergebnisse in den Hochburgen der ÖVP erzielte: In Gemeinden mit einem ÖVP-Anteil von 45% und mehr bei den Nationalratswahlen 1995 erreichte Dr. Thomas Klestil in Summe einen Anteil von 80,5 %. Der Anteil Dr. Klestils vermindert sich sodann mit sinkendem ÖVP-Anteil kontinuierlich bis auf 61,7% in der Gruppe jener Gemeinden, in denen die ÖVP 1995 weniger als ein Viertel der WählerInnen für sich gewinnen konnte.
Die Ergebnisse für alle anderen KandidatInnen sind genau gegenläufig, wobei sich vor allem die Stimmanteile von Mag. Gertraud Knoll und Dr. Heide Schmidt reziprok zu den ÖVP-Nationalratsergebnissen darstellen: Beide Kandidatinnen erreichen ihre besten Ergebnisse in der Gruppe der Gemeinden mit einem ÖVP-Anteil von unter 25% (Mag. Knoll: 15,8%; Dr. Schmidt: 14,1%) und fallen deutlich unter ihren jeweiligen Landeswert in Gemeinden mit 45% und höherem ÖVP-Anteil (Mag. Knoll: 9,7%; Dr. Schmidt: 4,6%).
Ein vermuteter positiver Zusammenhang zwischen dem Wählerpotential der FPÖ bei den letzten Nationalratswahlen und den Ergebnissen für Dr. Klestil findet in den Wahlergebnissen keine Bestätigung.
Allerdings scheint ein anderer Kandidat, nämlich Ing. Richard Lugner, sich der Wertschätzung zumindest eines Teils der freiheitlichen Sympathisanten erfreut zu haben (sein gutes Ergebnis in der Gemeinde Thomatal ließ dies bereits vermuten). Lugners Stimmanteil beträgt in Gemeinden mit weniger als 20% FPÖ-Anteil (durchschnittlich) 3,5%, in der Gruppe der Gemeinden mit 25% und mehr FPÖ-Anteil hingegen rund 6 %.
Wie bereits angedeutet, finden beide Kandidatinnen ihre WählerInnen vorzugsweise in größeren Gemeinden. Im Falle von Mag. Gertraud Knoll steigen die Stimmanteile von 10,1% in Gemeinden mit unter 1.000 Einwohnern auf 13,6% in Gemeinden mit 5.000 bis unter 20.000 Einwohnern und schließlich auf 17,1% in der Stadt Salzburg. Die Daten für Dr. Heide Schmidt in analoger Gemeindedifferenzierung lauten: 5,4% bis 10,6% und schließlich 16,1%.
Die genau entgegengesetzte Tendenz ist in Bezug auf die Einwohnerzahl bei den Ergebnissen von Dr. Thomas Klestil zu beobachten: je kleiner die Gemeinden, desto höher sein Stimmanteil (von 78,4% in Gemeinden mit bis zu 1.000 Einwohnern fallend auf 67,8% in der Klasse der Gemeinden mit 5.000 bis unter 20.000 Einwohnern und schließlich auf exakt 58% in der Landeshauptstadt).
Diverse andere Klassifikationsmerkmale der Gemeinden, die für diese drei KandidatInnen trendwirksam sind, wie z.B. der Anteil ausländischer Bevölkerung, Haushaltsgrößen, Senioren- und Jugendanteile, Anteil der landwirtschaftlichen Wohnbevölkerung, u.ä.m., zeigen in die gleiche Richtung, lassen sich letztlich jedoch auf den Grad der Verstädterung zurückführen.
Von Interesse ist auch, in welchen Gemeinden das Wahlergebnis dem Landesergebnis am ähnlichsten bzw. unähnlichsten ausgefallen ist. In Eugendorf, Wals-Siezenheim und Golling an der Salzach weist das Wahlresultat die geringsten Abweichungen zum Landesergebnis auf, in den Gemeinden Hintersee, Lessach und Hüttschlag die größten.
Damit gehört keine einzige der 10 Gemeinden, die beim ersten Wahlgang der Bundespräsidentenwahl 1992 die mit dem Landesergebnis ähnlichsten Ergebnisse aufwiesen, auch 1998 wieder zu den Ähnlichsten.
Gemessen an den Stimmanteilsdifferenzen ist die größte Ähnlichkeit zum Landesergebnis bei den Gemeinden Oberndorf bei Salzburg, Strobl und Maishofen festzustellen, die größten Abweichungen vom Landesergebnis finden sich in den Gemeinden Thomatal, Bürmoos und Lend.
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