Gute Messwerte, aber Winter ist stets eine besondere Herausforderung

Langfristige Messungen des Salzburger Grundwassers zeigen, dass die Qualität stimmt. Auch einst stark belastete Gebiete weisen immer bessere Werte auf. Ein Problem für das Grundwasser ist der Winter: Salzstreuung auf den Straßen und falsches Düngen beeinträchtigen die Messergebnisse. Das sagte heute, Freitag, 19. November, Salzburgs Gewässerschutzreferent Landeshauptmann-Stellvertreter Dr. Othmar Raus in einem Informationsgespräch.

Die umfangreichen Untersuchungen der vergangenen Jahre belegen für das Bundesland Salzburg großflächig eine gute Grundwasserqualität. Bei den wenigen „hot spots“ der Vergangenheit zeichnen sich langsam Verbesserungen ab.

Im auf den Bereich Wals begrenzten Gebiet mit Nitratbelastung zeigt sich seit einigen Jahren eine Entspannung und leichte Verbesserung der Situation. Jedenfalls ist eine deutliche Abnahme der Häufigkeit von Schwellenwertüberschreitungen festzustellen. Intensive Beobachtungen werden aber weiterhin erforderlich sein.

Die minimale Pestizidbelastung des Salzburger Grundwassers ist sicher der überwiegenden Grünlandwirtschaft im Bundesland zu verdanken. Die lokal begrenzten Kontaminationsherde von Atrazin unterliegen, wie die Beobachtungen in den vergangenen Jahren zeigen, einem langsamen aber stetigen Abbau, so dass teilweise der Grundwasserschwellenwert bereits wieder unterschritten wird.

Salzburg schützt sein Grundwasser

Den hohen Anforderungen an die Trinkwasserqualität wird vor allem durch einen entsprechenden Schutz der Wasservorkommen und deren Einzugsgebieten Rechnung getragen. So sind derzeit in Salzburg mehr als 2700 mit Bescheid ausgewiesene Schutzgebiete mit einer Gesamtfläche von zirka 70 Quadratkilometer vorhanden. 47 mit Verordnung erlassene Schongebiete mit einer Gesamtfläche von zirka 1.200 Quadratkilometer sorgen im Einzugsgebiet der Wasservorkommen für eine grundwasserverträgliche Bewirtschaftung. Weiters gibt es seit Jahren fünf Gebiete mit Düngebeschränkungen, welche insbesondere die Seen des Voralpenlandes vor schädlichen Nährstoffeinträgen aus der Landwirtschaft schützen. Als einziges Bundesland Österreichs hat Salzburg seine sensiblen Seeneinzugsgebiete bereits vor dem EU-Beitritt im Sinne der Nitrat-Richtlinie geschützt, sagte Raus.

Bei der Vereinheitlichung der gesetzlichen Rahmenbedingungen auf europäischer Ebene wird die Erhaltung des flächendeckenden Grundwasserschutzes in Österreich sowie die Aufrechterhaltung des Grundsatzes, Grundwasser als Trinkwasser zu erhalten, in Zukunft einmal mehr eine wesentliche Aufgabe der Politik sein.

Gewässerverträgliche Düngewirtschaft

Der Winter steht vor der Tür. Damit verbunden sind auch Bilder von der zerstörten weißen Pracht, von den hässlichen braunen Flächen in der Landschaft – Gülleausbringung im Winter. Aber nicht allein der hässliche Anblick stört uns, mit der Gülleausbringung zur Unzeit sind auch Gefahren für die Qualität des Grundwassers und der Oberflächengewässer verbunden. Gülle enthält einen hohen Anteil an Ammoniumstickstoff. Dieser kann im Gewässer zu Ammoniak umgewandelt werden, das schon in sehr geringer Konzentration giftig für Kleinlebewesen und Fische ist. Die Vegetation kann die Stickstoffgaben im Winter nicht nutzen. Infolgedessen  werden die Nährstoffe, insbesondere Nitrat, mit dem Sickerwasser ins Grundwasser verlagert. Zudem können Keime und Krankheitserreger eingetragen werden.

Beim Abbau von Wirtschaftsdünger wird im Gewässer Sauerstoff verbraucht, der somit den Lebewesen fehlt. Faulschlammbildung und oft auch Fischsterben sind die Folgen. Der Nährstoffgehalt von Gülle liegt weit über dem von häuslichem Abwasser. Vor allem die übermäßige Anreicherung von Phosphor (Eutrophierung) führt in langsam fließenden und stehenden Gewässern zu starker Algenbildung. Sterben große Mengen von Algen ab, kommt es erneut zum Sauerstoffentzug mit den genannten Folgen.

Die Europäische Union hat sich dieser Problematik schon vor vielen Jahren angenommen. Zur Verringerung der durch Nitrat aus landwirtschaftlichen Quellen verursachten oder ausgelösten Gewässerverunreinigung und zur Vorbeugung weiterer Gewässerverunreinigungen dieser Art verlangt die Richtlinie 91/676/EWG des Rates der Europäischen Union die Festlegung eines Aktionsprogramms für die als gefährdet ausgewiesenen Gebiete oder für das gesamte Gebiet eines Mitgliedstaates. Österreich hat sich für eine bundesweite Durchführung des Aktionsprogramms entschieden.

Auf Grund des Wasserrechtsgesetzes hat der Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft in Erfüllung der zitierten Richtlinie das bisher geltende Aktionsprogramm Nitrat novelliert und in abgeänderter Form als Verordnung erlassen

Verkehr belastet Grundwasser

Verstärkter Beobachtungsbedarf besteht im Zusammenhang mit der steigenden Chloridbelastung. Bei weiter ansteigendem Verkehrsaufkommen und Beibehaltung der konventionellen Salzstreuung im Winter ist langfristig in manchen Bereichen mit einer Gefährdung der Trinkwasserqualität durch eine Überfrachtung mit Chlorid zu rechnen, befürchtet der Landeshauptmann-Stellvertreter.

Auch Tropfverluste, Korrosionsprodukte, Abriebmaterial des Verkehrs sind ein Problem. Auch darin verbergen sich große Mengen von Schadstoffen, welche mit dem Regen von den Fahrbahnoberflächen abgeschwemmt werden und die Qualität der Gewässer beinträchtigen können. Um diesen schädlichen Auswirkungen vorzubeugen, wird seit Jahren an wirkungsvollen und ökonomisch vertretbaren Reinigungsmaßnahmen gearbeitet.

Bodenkörperfilteranlagen reinigen Straßenwässer

Als effizienteste Methode erwies sich das Nachahmen der natürlichen Filterwirkung des Bodens durch abgegrenzte Bodenkörperfilteranlagen. Die optimale Reinigungsleistung dieser Anlagen, welche in größerem Maßstab entlang der Autobahnen in Betrieb sind, konnte in umfangreichen Untersuchungen des Gewässerschutzes des Landes bestätigt werden. Die Ergebnisse liegen nun zusammengefasst in einem Band der Reihe Gewässerschutz vor und ermuntern uns, diesen Weg konsequent weiter zu gehen.

Globale Erwärmung betrifft auch Grundwasser

Unerfreuliche Tendenzen zeigen sich auch bei den Temperaturen des Grundwassers. Die Auswertung der langjährigen Messreihen zeigt in den großen zusammenhängenden Porengrundwassergebieten einen deutlichen Anstieg der mittleren Grundwassertemperatur. Die Temperaturdifferenz beträgt nahezu 1°C zwischen den beiden fünfjährigen Beobachtungsperioden 1992 bis 1997 und 1998 bis 2003. Signifikant ansteigende Temperaturtrends können insbesondere in den Ballungsräumen Stadt Salzburg und Hallein festgestellt werden. Diese Entwicklungen sind nicht nur in Salzburg festzustellen, sie sind eine Folge der globalen Erwärmung. Die langfristigen Auswirkungen auf die Grundwasserökologie und das Selbstreinigungspotenzial sind noch nicht abzusehen. Das Wissen um die steigenden Grundwassertemperaturen macht jedoch einen verantwortungsvollen und restriktiven Umgang mit der Nutzung des Grundwassers insbesondere in Hinblick auf Kühlwassereinleitungen erforderlich.

Qualität des Grundwassers wird ständig kontrolliert

Die Untersuchungen der Güte der Grundwässer und Quellen des Landes werden als Dauermonitoring vollzogen, welches der Beobachtung der Qualität unserer wichtigsten Ressource und Lebensgrundlage, dem Wasser gilt. Die kontinuierlichen Beobachtungen dienen einerseits der Charakterisierung der  geologisch bedingten Hintergrundwerte und andererseits dem rechtzeitigen Erkennen von möglichen Veränderungen der Qualität. Sie stellen damit ein wichtiges Instrument zum Schutz der Grund- und Quellwässer dar.

Die Beobachtungen der Grund- und Quellwassergüte werden auch weiterhin fortgesetzt. In den kommenden Jahren wird die Ausrichtung des Untersuchungsprogramms sowie die Messnetzkonzeption den Anforderungen der europäischen Wasserrahmenrichtlinie, welche im Dezember 2003 in nationales Recht umgesetzt wurde, angepasst, kündigte Landeshauptmann-Stellvertreter Dr. Raus an.

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Gewässergüte aktuell