Dem Badespaß steht nichts im Wege

Raus: Salzburger Badeseen werden seit 15 Jahren immer besser; 06.06.2003

„Dem Badespaß steht nichts im Wege"" sagt Salzburgs Wasser-Landesrat Dr. Othmar Raus. Die Gewässerschützer des Landes haben die wichtigsten Salzburger Seen unter die Lupe genommen. Rotaugen und Lauben zeugen von guter Qualität des Wallersees, die Sichttiefe im Mattsee wird Jahr für Jahr besser und auch alle anderen Salzburger Seen präsentieren sich in hervorragendem Zustand.

„In den vergangenen 15 Jahren legten wir einen langen Weg bis zu den heurigen Ergebnissen zurück. Es gelingt uns nun aber, die Qualität der heimischen Seen auf sehr hohem Niveau >aufrechtzuerhalten. Das bedeutet nicht nur gute Qualität für Badende, sondern auch hohe ökologische Standards", so Landesrat Raus. Raus verweist darauf, dass es nicht darum geht unsere Seen zu „badewannenähnlichen" Gewässern zu machen. Vielmehr geht es darum, die Seen in ihren natürlichen Zustand zu bringen und zu erhalten. „Der natürliche Zustand unserer Seen ist mittlerweile fast ausnahmslos erreicht", so Landesrat Raus heute, Freitag, 6. Juni, bei einem Informationsgespräch, bei dem Dr. Paul Jäger und Dr. Peter Schaber vom Gewässerschutz des Landes im Detail den limnologischen Zustand der großen Salzburger Seen, gemessen im Fühsommer, präsentierten, im Einzelnen vom Wallersee, Mattsee, Obertrumer See, Grabensee, Fuschlsee, Wolfgangsee, Zeller See und Hintersee bei Faistenau.

Der aktuelle Ist-Zustand der großen Salzburger Seen entspricht dem Referenzzustand ihrer natürlichen Nährstoffbelastung. Damit sind die vor Jahrzehnten gesteckten Sanierungsziele weitgehend erreicht. Nunmehr ist es notwendig, diesen guten Zustand zu erhalten. Die regelmäßigen Untersuchungen weisen bereits jetzt darauf hin, dass sich der gute Zustand der Seen weitgehend stabilisiert hat. Der Gewässerschutz des Amtes der Salzburger Landesregierung führte in diesem Jahr die limnologischen Untersuchungen an den großen Salzburger Seen während der „Frühjahrsdurchmischung" Mitte März und vor der Badesaison im Mai durch. Der Ablauf der Witterung im Winter 2002/2003 ließ nur eine spät beginnende und kurz dauernde Eisbedeckung der Seen zu, wenn eine solche überhaupt eintrat. Dadurch ergab sich für die meisten Seen eine lange Durchmischungsphase mit intensiver Sauerstoffanreicherung des Wassers. Planktonreste und abgestorbene Pflanzen aus dem letzten Sommer wurden dadurch vollständig abgebaut.

Wallersee
Der Wallersee erlebte nach der Seespiegel-Anhebung im Dezember 1999 nunmehr das zweite Frühjahr mit einem auch niederschlagsbedingten höheren Wasserstand während der Zeit der Hechtlaiche im Februar/März. Die an den See angrenzenden Schilfflächen und Streuwiesen boten auch heuer wieder die als Laichplätze notwendigen Überschwemmungsflächen. Derzeit laichen die Rotaugen am Schilfrand, und in wenigen Wochen plätschern die Lauben an den Kiesufern beim Laichspiel. Damit ist ein wesentlicher Faktor zur ökologischen Funktionsfähigkeit des Sees wieder hergestellt.

Die Untersuchungen bestätigten den anhaltenden Rückgang der Nährstoffe im See. Der für die Schwebealgenentwicklung ausschlaggebende Gesamtphosphorgehalt von 16,7 mg/m³ während der Frühjahrsdurchmischung bzw. von 13,2 mg/m³ im Frühsommer lagen im Bereich der vorangegangenen Jahre. An diesem essenziellen Parameter lässt sich die Nachhaltigkeit der Sanierungsmaßnahmen deutlich dokumentieren. Die Nitratkonzentrationen liegen konstant auf dem niedrigen Niveau von rund 875 mg/m³. Die diesjährige starke Pollenbelastung war kaum nachweisbar. Die Qualität des Freiwassers des Wallersees war zu den Untersuchungszeitpunkten sehr gut, Algenmassen-Entwicklungen im Sommer sind daher nicht zu erwarten. Sichttiefen um 4 Meter lassen den See sehr klar erscheinen. Wenn sich die derzeitige ökologische Situation des Wallersees auch in den folgenden Jahren auf diesem Stand bestätigt, ist das Sanierungsziel aus ökologischer Sicht erreicht.

Die Trumer Seen
Bekanntlich wird der Wasserspiegel der Trumer Seen seit etwa 100 Jahren durch das Brandstattwehr in der Mattig, dem Ablauf des Grabensees, reguliert. Wegen der Hochwässer im vergangenen Jahr trat ein anhaltend hoher Seespiegelstand auf. Durch die Räumung der Verbindungskanäle konnten der Abfluss aus dem Obertrumer See verbessert und wieder ein rascheres Absinken der Seestände nach Hochwässern erreicht werden.

Aus Sicht des Gewässerschutzes sind wieder, wenn auch in abgemilderter Form, die saisonalen Spiegelschwankungen anzustreben. Vor allem der Seehochstand im Frühjahr, etwa von Februar bis April, ist für die natürliche Reproduktion des Hechts von großer Bedeutung. Die Lösung dafür soll in einer von den Bundesländern Salzburg und Oberösterreich zu erarbeitenden gemeinsamen wasserwirtschaftlichen und gewässerökologischen Untersuchung gefunden werden.

Mattsee
Die Maßnahmen zur Abhaltung von Nährstoffeinträgen aus der Regenwasserkanalisation in den See haben sich bewährt. Das Auftreten von Massen fädiger Grünalgen im Bereich der Yachthäfen und der Segelschule blieb aus. In den ortsnahen Buchten hat sich die große Menge der Unterwasserpflanzen verringert. Wegen der größeren Transparenz des Wassers – die durchschnittliche Sichttiefe nahm von 4 Meter im Jahr 1996 auf 5,2 Meter im Jahr 2002 kontinuierlich zu – wandern die „Schlingpflanzen" wieder in größere Tiefen und bereichern die für die Fischfauna wichtige Strukturvielfalt.

Der zur Verhinderung des Anwachsens der „fußsohlenzerschneidenden" Wandermuschel im Badebereich eingebrachte Sandboden hat sich dank des vorgelagerten „Wellenbrechers" bisher bestens bewährt.

Das große Becken des Mattsees liegt mit rund 11 mg/m³ Phosphor gegenwärtig im Grenzbereich zwischen nährstoffarm und mäßig nährstoffreich. Der Stickstoffgehalt von ca. 210 mg/m³ ist nach wie vor niedrig. Algenmassen-Entwicklungen sind im Sommer im Freiwasser nicht zu erwarten. Sichttiefen zwischen 4 und 5 Meter lassen den See sehr klar erscheinen. Das seichte Niedertrumer Becken hatte zum Untersuchungszeitpunkt wie schon im Vorjahr eine mäßige Phosphorbelastung von rund 13 mg P/m³, der Stickstoffgehalt war mit 170 mg/m³ niedrig. Die abwassertechnische Entsorgung der Wochenendhäuser in diesem Gebiet wurde in Zusammenarbeit zwischen Oberösterreich und Salzburg bereits realisiert und wirkt sich positiv auf den Nährstoffgehalt im See aus.

Obertrumer See
Wie im Mattsee besiedeln die Wasserpflanzen auch im Obertrumer See wegen der zunehmenden Durchsichtigkeit des Wassers größere Tiefen und bereichern die für die ökologische Funktionsfähigkeit und besonders für die Fischfauna wichtige Strukturvielfalt. Die durchschnittliche Sichttiefe nahm hier innerhalb von 10 Jahren von 2,9 Meter um fast 2 Meter auf 4,8Meterim Jahr 2002 zu. Die Phosphor- und Stickstoffwerte mit 14 mg P/m³ und 430 mg N/m³ lagen in der Größenordnung der Untersuchungen der Vorjahre, was ein deutlicher Hinweis dafür ist, dass sich der See durch die getroffenen Sanierungsmaßnahmen in dem für ihn typischen ökologischen Zustand stabilisiert. Verstärkte Algenentwicklungen sind im Sommer im Freiwasser nicht zu erwarten, sind aber auch nicht gänzlich auszuschließen. Ein kurzzeitiges verstärktes Auftreten verschiedener Algenarten, die in Seen mit abnehmendem Nährstoffangebot und fehlender Konkurrenz freiwerdende ökologische Nischen ausnutzen, ist eine ganz normale Erscheinung.

Grabensee
Der durch den Abfluss des Obertrumer Sees gespeiste Grabensee ist das Sedimentationsbecken für dessen Wasserinhaltsstoffe. Das warme nährstoffarme Wasser aus dem Obertrumer See gleitet über das kühle Tiefenwasser des Grabensees direkt in den Abfluss und verliert auf diesem Weg einen Großteil der Schwebealgen, die in die kalte Tiefenschicht des Grabensees absinken. Die Folge sind Nährstoffanreicherung und Sauerstoffzehrung in diesem Wasserkörper. Diese Situation ist eine natürliche Auswirkung der hydrologischen und morphologischen Gegebenheiten des Sees. Eine Einmischung des nährstoffreiche Tiefenwassers in den Produktionsbereich der Algen kann im Sommer dichtebedingt nicht erfolgen. Massive Algenentwicklungen im Freiwasser sind in der Badesaison daher nicht zu erwarten.

Mit rund 21 mg/m³ Phosphor lag der Grabensee zum Untersuchungstermin an der Grenze zwischen mäßiger und starker Nährstoffbelastung. Damit liegt er unter dem Mittelwert der letzten 10 Jahre von 25mg/m³. Es lässt sich daraus folgern, dass der für den Grabensee zutreffende, dem Referenzzustand entsprechende Phosphorgehalt im Bereich zwischen 20 und 25 mg/m³ liegen muss.

Der Stickstoffgehalt von 420 mg/m³ lag unter den bisherigen Konzentrationen im Frühjahr. Die Sichttiefe war mit 6,5 Meter sehr hoch.

Fuschlsee
Durch die abwassertechnische Sanierung des Einzugsgebietes und die natürlich erhaltene hydrologische Situation entspricht der Fuschlsee weitgehend seinem natürlichen Zustand. Der See ist nach wie vor nährstoffarm und das Freiwasser in limnologisch sehr gutem Zustand. Mit Sichttiefen von mehr als 6 Meter, der durchschnittlichen Gesamtphosphorkonzentration von 5 mg/m³ und dem Stickstoffwert von rund 450 mg/m³ – bei weiterhin abnehmender Tendenz – lag der See im gewohnt niedrigen Nährstoffbereich. Im Freiwasser ist im Sommer nicht mit erheblicheren Algenentwicklungen zu rechnen.

Wolfgangsee
Der 12,8 km² große Wolfgang- oder Abersee ist durch die Einschnürung aus dem Zinkenbach und den Ditlbach vor St. Wolfgang, wo der See nur 20 Meter tief ist, in 2 Seebecken unterteilt. Im 7,5 km² großen St. Gilgener Becken liegt mit 114Meterdie größte Tiefe, das kleinere, 5,4 km² große Strobler Becken ist 67 Meter tief. Der St. Gilgener Teil hat mit 506 Millionen m³ das etwa dreimal größere Volumen als das Strobler Becken.

Daraus ergibt sich für den Wärmehaushalt und alle damit verbundenen Abhängigkeiten der beiden Seeteile ein deutlich unterschiedliches Verhalten. Auffälligste Tatsache ist dabei, dass das Strobler Becken ziemlich regelmäßig zufriert, das St. Gilgener Becken jedoch nur selten. Die Ursache dafür liegt in der unterschiedlichen Wassermenge der beiden Seeteile. Das größere Volumen des St. Gilgener Beckens beinhaltet wesentlich mehr Wärmeenergie, die abgegeben werden muss, um im Winter eine Eisdecke ausbilden zu können. Meist reicht die Zeit für die ausreichende Abkühlung nicht aus, um eine Eisdecke ausbilden zu können. Die Größe und windexponiertere Lage lässt das Wasser während der gesamten kalten Jahreszeit zirkulieren, das sich dabei von oben bis unten auf etwa 3,9°C abkühlt. Im Gegensatz zu den anderen großen Salzburger Seen einschließlich des Strobler Beckens, die jeweils im Herbst und im Frühjahr Volldurchmischungsphasen aufweisen, die voneinander durch die „Stillstandsphase" der Eisbedeckung getrennt sind, durchmischt dieser Seeteil nur einmal, dafür über einen langen Zeitraum.

Wie seit Jahren weist der Wolfgangsee mit 4 – 5 mg/m³ Gesamtphosphor und etwa 550 mg/m³ Stickstoff die geringsten Nährstoffkonzentrationen der untersuchten großen Seen auf. Auf Grund der bisherigen Erfahrungen ist im Sommer mit keiner Beeinträchtigung der ausgezeichneten Wasserqualität zu rechnen. Durch die vorgesehene Automatisierung der Wehrsteuerung wird künftig der Seespiegel des Wolfgangsees besser an die ökologischen Bedürfnisse des Gewässers angepasst. Gleichzeitig erfolgt eine ausgeglichenere Wasserführung der Ischler Ache. Erste Auswirkungen auf den nur im Wolfgangsee, Traunsee, Attersee, Mondsee und Chiemsee heimischen Perlfisch waren bereits in diesem Jahr erkennbar. Anfang Mai laichte der Perlfisch wieder in großen Schwärmen in der Ischler Ache bei idealen Bedingungen für das Brutaufkommen.

Zeller See
Mit einem Phosphorgehalt um 6 mg/m³ und Stickstoffkonzentrationen von 400 mg/m³ ist der See heute nach wie vor nährstoffarm. Eine stärkere Schwebealgen-Entwicklung im Freiwasser ist im Sommer nicht zu erwarten. Im Winter 2002/2003 erfolgte auch eine vollständige Durchmischung des Sees, so dass ausreichend Sauerstoff bis zum Seegrund vorhanden ist. Damit ist auch der gesamte Seeboden der Tiefenzone des Sees im heurigen Jahr für eine erfolgreiche Entwicklung der Reinanken verfügbar. Gefährdet sind nach wie vor die Edelkrebsbestände im See durch den Signalkrebs in den umliegenden Gewässern. Jeder Signalkrebs, der in den See gelangt, kann dort wieder die Krebspest, eine Pilzerkrankung, einschleppen, die in Kürze die heimischen Krebse im Zeller See wieder vernichtet.

Hintersee bei Faistenau
Seit 2002 ist der Faistenauer Hintersee in die regelmäßige Seenüberwachung durch den Gewässerschutz einbezogen. Der See wird bekanntlich zur Stromerzeugung genutzt und weist starke Spiegelschwankungen auf. Durch die Spiegelabsenkung bis zu 12 Meter wird das gesamte Ökosytem des Sees, besonders aber die Uferzone derart stark beeinträchtigt, dass der Hintersee entsprechend der EU-Wasserrahmenrichtlinie als „erheblich verändert" („heavily modified") auszuweisen sein wird. Während der Badesaison wird der Seespiegel weitgehend konstant gehalten. Von der Wasserqualität her gesehen ist der Hintersee ein nährstoffarmer Saiblingssee mit Gesamtphosphorkonzentrationen um 7 mg/m³. Die Klarheit des Sees beweist die Sichttiefe von knapp 6 Meter am Untersuczungstermin.



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