1. Warum sind überhaupt Maßnahmen notwendig?
2. Wer sind die Verursacher?
3. Was bringt Tempo 100?
4. Wie hoch sind die Schaltzeiten?
5. Warum wird Tempo 100 angezeigt auch wenn im täglichen Luftgütebericht gute Luftqualität ausgewiesen wird?
6. Warum wirken sich Emissionen bei uns viel stärker aus als im Flachland?
7. Sind nicht auch die LKW Schuld an der schlechten Luft?
8. Welche gesundheitlichen Auswirkungen hat Stickstoffdioxid?
9. Bedeutet schneller nicht auch weniger Luftschadstoffe, da ich kürzer unterwegs bin?
10. Sind neue Fahrzeuge, insbesondere mit Partikelfilter, nicht schon sehr sauber unterwegs?
11. In welcher Relation steht der Fahrzeitverlust für die Autofahrer zum Nutzen für die Gesundheit?
Evaluationsbericht

1. Warum sind überhaupt Maßnahmen notwendig?
Auf Grund der gesetzlichen Bestimmungen (Immissionsschutzgesetz-Luft, oder kurz IG-L) ist der Landeshauptmann verpflichtet, Maßnahmen zu setzen, um Grenzwertüberschreitungen zu verhindern und die Schadstoffbelastung dauerhaft zu senken. Diese Bestimmungen dienen insbesondere dem Schutz der Gesundheit der Bevölkerung. Entlang der A10 wird der Jahresgrenzwert (=Jahresmittel) für Stickstoffdioxid seit Jahren deutlich überschritten. Im Jahr 2010 lag die autobahnnahe Messstelle "Hallein Autobahn" mit 53 µg/m³ deutlich über dem derzeit erlaubten Grenzwert von 35 µg/m³..

Abbildung: Jahresmittelwerte von Stickstoffdioxid im Jahr 2010
zurück
2. Wer sind die Verursacher?
Aus dem Salzburger Emissionskataster geht hervor, dass landesweit etwa 75% der Stickstoffoxidemissionen aus dem Verkehr stammen, in Autobahnnähe erhöht sich der Anteil auf über 90%. Insbesondere Dieselmotoren weisen hohe spezifische NOx-Emissionen auf und emittieren gegenüber Benzinern ein Vielfaches dieses giftigen Gases. Da die Maßnahmen verursacherbezogen sowie angemessen sein müssen, wurde auf selektive Fahrverbote verzichtet und eine flexible Geschwindigkeitsbeschränkung für Pkws auf einem 30 Kilometer langen Teilstück der A10 verordnet.
 zurück
3. Was bringt Tempo 100?
Salzburg war das erste Bundesland, das ein ganzjähriges, permanentes Tempolimit verordnete. Anfang April 2005 trat diese Verordnung in Kraft und wurde Ende 2008 durch ein flexibles System (VBA-Umwelt) abgelöst.
Durch Tempo 100 reduziert sich der Stickstoffoxidausstoß beim Pkw-Verkehr um rund 19%. Da der Schwerverkehr von dieser Maßnahme nicht betroffen ist, liegt die Gesamtreduktion durch die VBA bei etwa 8 %. Dies entspricht einer Gesamtsperre der Autobahn von knapp einem Monat.
Aber nicht nur auf die Luftqualität hat das Tempolimit positive Auswirkungen. Durch das gleichmäßigere Fahrverhalten, die gesunkenen Brems- und Beschleunigungsvorgänge sowie durch weniger Spurwechsel und größere Abstände stieg die Verkehrssicherheit auf diesem Abschnitt deutlich an. Neben dem Klimaschutz profitiert auch der Lärmschutz von dieser Maßnahme.
zurück
4. Wie hoch sind die Schaltzeiten?
Die VBA-Anlage wurde so konzipiert, dass bei einer mittleren Schaltzeit von 50%, ein Reduktionspotential von 75% gegenüber einer permanenten Geschwindigkeitsbeschränkung erreicht wird, und die Anlage somit den gesetzlichen Vorgaben entspricht.
Vor allem Pendler, die zu Zeiten von hohem Verkehrsaufkommen unterwegs sind (Morgen- und Abendspitze) haben das Gefühl, dass die Anlage immer eingeschaltet ist. Dies ist darauf zurückzuführen, dass die Anlage bei hohem Verkehrsaufkommen oder bei ungünstigen meteorologischen Bedingungen Tempo 100 anzeigt und davon sind meistens die Pendler betroffen.

Diagramm: Häufigkeit von Tempo 100 im Zeitraum November 2008 bis Oktober 2009
zurück
5. Warum wird Tempo 100 angezeigt auch wenn im täglichen Luftgütebericht gute Luftqualität ausgewiesen wird?
Stickstoffdioxid ist ein Gas, das Kurz- sowie Langzeiteffekte auf die menschliche Gesundheit hat. Dies spiegelt sich auch in den gesetzlichen Vorgaben der EU-Richtlinie sowie des Immissionsschutzgesetz-Luft (IG-L) wider, in denen Kurzzeit- sowie Langzeitgrenzwerte festgelegt wurden. Der Kurzzeitgrenzwert (200 µg/m³ als Halbstundenwert) wird nur selten pro Jahr überschritten. Der Langzeitgrenzwert wurde mit 30 µg/m³ als Jahresmittelwert festgelegt und wird an verkehrsbelasteten Standorten seit Jahren massiv überschritten.
Im täglichen Luftgütebericht wird die aktuelle Luftgütebelastung der vergangenen 24 Stunden dargestellt und nur mit den Kurzzeitgrenzwerten verglichen. Ein Vergleich der aktuellen Luftgüte mit Jahresgrenzwerten ist in dieser tagesaktuellen Information nicht vorgesehen. Es kommt daher häufig vor, dass die Kurzzeitgrenzwerte eingehalten werden, die VBA-Anlage aber "Tempo 100" vorgibt, da es oberstes Ziel ist den Jahresmittelwert zu senken.
zurück
6. Warum wirken sich Emissionen bei uns viel stärker aus als im Flachland?
Schadstoffe aus Auspuffen oder Kaminen (=Emissionen) werden direkt an die Luft abgegeben und je nach Wetterlage verdünnt, abtransportiert und wirken als Immissionen bei Pflanzen und Menschen. Der Weg vom Schadstoffausstoß zur Schadstoffaufnahme wird als Transmission bezeichnet und dieser kommt eine besondere Bedeutung zu. Je mehr Frischluft zu den Emissionen nach dem Auspuff oder Kamin hinzugemischt wird, umso geringere Konzentrationen werden letztlich eingeatmet.
Die alpinen Tal- und Beckenlagen weisen hinsichtlich dieser Verdünnungsmöglichkeiten für Luftschadstoffe entscheidende Nachteile gegenüber dem Flachland auf. Die Berge, die das Salzburger Becken umgeben, bewirken geringe Windgeschwindigkeiten und damit einen schlechteren Abtransport und Verdünnung von schadstoffhältiger Luft.
Als zweiter meteorologischer Faktor sind vor allem die im Winterhalbjahr auftretenden und lang anhaltenden Inversionswetterlagen dafür mitverantwortlich, dass ein Abtransport schadstoffhältiger Luft vom Talboden massiv eingeschränkt ist. Beide Faktoren zusammen wirken derart, dass die Luft lange am Talboden verweilt. Wenn bei solchen äußeren Bedingungen weiterhin ungebremst Schadstoffe an die Luft gelangen (z.B. durch den unverminderten Verkehr), dann führen diese Verhältnisse nach einigen Tagen zu hohen Immissionen.
zurück
7. Sind nicht auch die Lkw Schuld an der schlechten Luft?
Selbstverständlich tragen auch die Lkw massiv zur hohen NO2-Belastung bei. Im Jahr 2004 wurde in einer Studie ein Nachtfahrverbot für Lkws untersucht. Das grundsätzliche Problem eines Nachtfahrverbotes ist, dass die Emissionen nicht verringert, sondern nur zeitlich in die Morgenstunden verlagert werden. Dadurch kommt es in der Früh, wenn ohnehin schon viele Pendler unterwegs sind, zu zusätzlichen Lkw-Fahrten. Es wurde daher von dieser Maßnahme Abstand genommen und andere Maßnahmen wie Förderungen von Gleisanschlüssen (Transportverlagerung auf Schiene) sowie Förderungen von modernsten Lkws getroffen.
zurück
8. Welche gesundheitlichen Auswirkungen hat Stickstoffdioxid?
Studienergebnisse über die kurzfristigen Wirkungen erhöhter NO2-Konzentrationen zeigen auf die Sterblichkeit vergleichbare Einflüsse wie Feinstaub. Säuglinge, ältere Personen und chronisch Kranke (v.A. Herz-, Lungenerkrankungen) sind stärker gefährdet. Atemwegs- und Herzerkrankungen treten verstärkt auf, die Zahl der Spitalsaufnahmen wegen derartiger Erkrankungen ist am Tag (und an Tagen nach) stärkerer Belastung erhöht.
Auch die beobachteten langfristigen Wirkungen sind mit denen von Feinstaub vergleichbar, es wurde nachgewiesen, dass erhöhte NO2-Konzentrationen mit einer Zunahme an Todesfällen durch Atemwegs-, Herz/Kreislauferkrankungen und Lungenkrebs, mit einer Häufung von Atemwegserkrankungen, einer Zunahme von Atemwegsinfekten bei Kindern und einer Abnahme der Lungenfunktion assoziiert sind.
Eine Reduktion der NO2-Konzentrationen ist damit aus umweltmedizinischer Sicht jedenfalls sinnvoll.
zurück
9. Bedeutet schneller nicht auch weniger Luftschadstoffe, da ich kürzer unterwegs bin?
Dies ist eine weit verbreitete Meinung, die aber nicht zutreffend ist. Im Gegenteil, auf Grund des steigenden Luftwiderstandes steigen auch der erforderliche Energieaufwand und somit die Emissionen eines Fahrzeuges mit zunehmender Geschwindigkeit. Die Emissionen werden immer in g/km (Gramm NOx pro gefahrenen Kilometer) angegeben. Dieser Wert nimmt mit der Geschwindigkeit überproportional zu: Höhere Geschwindigkeiten bedeuten mehr Schadstoffe auf der gleichen Strecke.
zurück
10. Sind neue Fahrzeuge, insbesondere mit Partikelfilter, nicht schon sehr sauber unterwegs?
In den letzten Jahren konnten Erfolge in der Technik von Fahrzeugen zur Reduktion von Schadstoffen erreicht werden. Vor allem aber bei Diesel-Pkws sind die Vorgaben der EU zu wenig streng, um wirklich eine große Reduktion erzielen zu können. Dieselmotoren sind zwar sparsam, aber nicht sauber. Daran ändert leider auch die neue EURO-5 Norm, die am 1.September 2009 in Kraft getreten ist, wenig. Die Autoindustrie suggeriert durch diverse Werbeeinschaltungen eine besondere Umweltfreundlichkeit der Dieselmotoren die allerdings auf die Stickstoffdioxidemission nicht zutrifft. Erst durch EURO-6 (ab 2014) werden Diesel Pkws den Benzinern in punkto Stickstoffoxidemissionen gleichgestellt. Hier hat die Europäische Politik ganz klar versagt.
zurück
11. In welcher Relation steht der Fahrzeitverlust für die Autofahrer zum Nutzen für die Gesundheit?
Die Auswirkung einer Geschwindigkeitsbeschränkung auf die Luftsituation steht und fällt mit dem Befolgungsgrad der Autofahrer. Der Zeitverlust von einigen wenigen Minuten muss jedem Autofahrer zum Schutze der Autobahnanrainer zumutbar sein. Ohne Geschwindigkeitsbeschränkung wären andere, weitreichendere Maßnahmen wie selektive Fahrverbote notwendig.
zurück
|