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Der Ameisenlöwe – Insekt des Jahres 2010

Der Ameisenlöwe ist die Larve der Ameisenjungfer.

Ameisenungfer	 (c) J.Gepp

Ameisenlöwe (Larve der Ameisenjungfer) Ameisenjungfer                     Bilder: J. Gepp

Der Ameisenlöwe ist Insekt des Jahres 2010 in Österreich, Deutschland und der Schweiz. Seit 1999 werden verschiedene Insekten vom Kuratorium „Insekt des Jahres“ zum Insekt des jeweiligen Jahres nominiert.

„Tiere des Jahres“ werden ernannt, um auf die Gefährdung verschiedener Arten und ihrer Lebensräume hinzuweisen.

Ameisenlöwen gehören zur Familie Ameisenlöwen der Ordnung  der Netzflügler innerhalb der Insekten uns stellen eine hoch entwickelte Familie mit 2100 weltweit beschriebenen Arten, von denen 44 in Europa und alleine in Mitteleuropa 11 Arten vorkommen, dar. Die genannte Familie ist mit 12 Gattungen weit verbreitet, hat aber in den Tropen mit den meisten Arten die größte Ausbreitung erfahren.

. Die Ameisenlöwen haben es als einzige geschafft, alle Kontinente und Inseln zu besiedeln, sofern sie geeignete Lebensräume bieten, . Eine andere Gattung Dendroleontini innerhalb der Gattung hat eine weite Ausbretung in Australien erfahren. Die Vertreter der Gattung Palparidini sind in Südafrika endemisch.

Ameisenlöwen stellen nach Angaben von MANSELL (1999) die größte und am weitest verbreitete Familie der Netzflügler dar. Nach GEPP (pers. Mitt.) stellen Myrmeleon formicarius und Euroleon nostras die am häufigsten in Mitteleuropa vorkommenden Arten dar.

Ihr Körper ist rundlich, etwa 17 mm groß und abgeplattet; das erste Thorakalsegment (Brustabschnitt) und der Kopf sind deutlich verschmälert. Ameisenlöwen sind Larven der Ameisenjungfern und als solche thermophil, also an wärmere Klimate (Steiermark, Kärnten, Osttirol) angepasst.

Ameisenlöwen können eine Vielzahl verschiedener Habitaten nutzen: sie bevorzugen Waldlebensräume, Baumhöhlungen, Pflanzen oder Felsoberflächen, Sandabrieb unterhalb von Mauerwänden, sich zersetzende pflanzliche Ablagerungen und sonnenexponierten Mulm unter Felsvorsprüngen und kleinen Höhlungen, Tierverstecken oder Sand, wo sie die Trichter für den Beutefang (siehe oben und Bild) anlegen. Die verschiedenen Arten des Ameisenlöwen sind auf verschiedene Habitate spezialisiert. So wird ein Nebeneinander der Arten gewährleistet. (ASPÖCK, 1998; GEPP, 2005).

Ameisenlöwen leben räuberisch. Dementsprechend sind die Mundwerkzeuge zu Greifzangen umgebildet und mit scharfen Zähnchen und Borsten besetzt. Die verlängerten Mandibeln und Maxillen (entspricht Unter- und Oberkiefer), die im kopfwärts gerichteten Abschnitt gerade, im distalen Abschnitt gekrümmt sind, bilden – wenn sie aneinander gelegt werden – einen Stech- und Saugapparat.; diese extreme Anpassung macht sie zu perfekten Räubern und ist auch der Schlüsselfaktor zu ihrem Erfolg.

Nach Angaben von CHINERY (1984) und MANSELL (1999) bauen die meisten  Arten Trichter in die sandigen Böden, an deren Grund sie sich blitzschnell eingraben; zum Bau der Trichterfalle wird höchstens eine halbe Stunde benötigt. Dazu wird erst ein Graben angelegt und nach innen vertieft. Dabei wirft das Tier das „Aushubmaterial“ mit seinen Zangen bis zu 30 cm weit. Die Größe der Trichter beträgt etwa 2-3 cm (Tiefe) und etwa 8cm im Durchmesser.
Vom eingegrabenen Tier sind nur die Zangen sichtbar. Kleine Insekten, vor allem Ameisen, fallen in die Trichter und können an den steilen Wänden nicht wieder empor klettern, weil sie mit den Sandkörnern immer wieder in die Tiefe rutschen.

Fangtrichter	Bild: J.Gepp

Fangtrichter                      Bild: J.Gepp

Sobald die Beutetiere einmal gefangen sind, wird die Cuticula (Körperdecke der Insekten, die das Außenskelett bilden) mit den zugespitzten Mundwerkzeugen angestochen und ein Enzym durch den Mandibular-Maxillar-Kanal infundiert. Es tötet das Beutetier und löst weiche, innere Gewebe auf. Diese „extrakorporale Verdauung“ ist besonders bei Insekten und Spinnen weit verbreitet. Der solcherart entstandene Nahrungsbrei kann nun durch den vorhin erwähnten Kanal aufgesaugt werden.

So kommt die Nahrung niemals mit dem Substrat in Kontakt und ist frei von Chitinresten oder unverdaulichen Substanzen jeglicher Art. Nach Angaben von CHINERY (1984) ernähren sich viele Netzflügler-Larven ähnlich, aber keineswegs alle bauen Trichter. Wahrscheinlich ist diese einzigartige Strategie des Trichterbaues für den Beutefang und Ernährung ein Schlüsselfaktor ihres Erfolges.

GEPP (1999) führt die gute Eignung der Netzflügler als Zeigerarten bei der Biotopbewertung an. So sind die beiden in Mitteleuropa vorkommenden Arten Euroleon nostras als Indikatorart für Felsenheiden, Trockenrasen, Steppenheiden und trockenheiße Kleinstrukturen mit Sand und Regenschutz  sowie Myrmeleon formicarius als Indikatorart für trockenheiße  Nadelwälder, Felsen- und Steppenheiden und Trockenrasen beschrieben

Nach Angaben von GEPP (2005) kommen in Österreich 4 Arten des Ameisenlöwen vor. Zwei gelten als gefährdet bzw. stark gefährdet. Die Bestandesentwicklung der häufigsten Art Myrmeleon formicarius LINNAEUS, 1767) ist gleichbleibend,  die Arealentwicklung schwach negativ, die Habitatverfügbarkeit positiv, die Entwicklung der Habitate wird vom Autor ebenfall als schwach negativ eingestuft. Zum Zeitpunkt der Erstellung der letztgenannten Roten Liste war keine direkte anthropogene Gefährdung gegeben. Nach Angaben von GEPP (2005). GEPP (pers.Mitt.) berichtet von Beobachtungen von Myrmelion formicarius in der Gegend von Schladming, auf fast jedem trockenen Burghang und an Siedlungsrändern (im Tal und auf Berghängen bis 1000m)

Die Dünen-Ameisenjungfer (Myrmeleon bore) wird mit der Gefährdungsstufe „gefährdet“ klassifiziert, eine dritte Art, Myrmelion inconspicus, gilt als stark gefährdet. Die Vorkommen der Dünen-Ameisenjungfer ist auf die Drau-Region (K) beschränkt, die von Myrmelion bore auf die besonders wärmebegünstigten Weingartenränder um den Neusiedlersee.     

Nach GROS (mündl. Mitt.) und GEPP (pers. Mitt.) ist ein Vorkommen des Ameisenlöwen in Salzburg derzeit nicht gegeben bzw., findet sich in der einschlägigen Literatur kein Hinweis zu solchen Vorkommen. Nach Aichhorn (mündl. Mitt.) wurden Ende der Vierziger/Anfang der Fünfziger Jahre des letzten Jahrhunderts am Gaisberg Trichter als möglicher Hinweis auf ein Vorkommen gefunden. Seiner Meinung wäre es lohnend, unterhalb der Festung Hohensalzburg nach weiteren Vorkommen zu suchen.

Nach Auskunft von GEPP(pers. Mitt.) sind die beiden in Mitteleuropa häufigen Ameisenlöwenarten Myrmeleon formicarius und Euroleon nostras im Land Salzburg sicherlich weit verbreitet – nur noch nicht beachtet.

Zur genaueren Kenntnis über Vorkommen von Ameisenlöwen in Salzburg schlägt er eine systematische Beobachtung (und auch Rückmeldung) der unverwechselbaren Trichterfallen vor. Dabei sollten nach seinen Angaben südexponierten lockeren Wälder und auch steilhangigen Fichtenwäldern (formicarius) , direkt unter sonnenexponierten und regenschützenden Stämmen  besondere Beachtung geschenkt werden.

Literatur:

ASPÖCK, H., F. GUSENLEITHNER & M. MALICKY(1999): Neuropterida: Raphidioptera, Megaloptera,  Neuroptera    Kamelhälse, Schlammfliegen Ameisenlöwen.

GEPP, J.(1999): Neuropteren als Indikatoren zur Naturraumbewertung. – Eignung als Modellgruppe, Methodenwahl, Fallbeispiele sowie Diskusion möglicher Fragestellungen (Neropteridae). In: ASPÖCK et. al. (1999).  

CHINERY, M. (1984): Insekten Mitteleuropas. 3 Aufl.- Verlag Paul Parey

GEPP, J. (2005):Rote Liste der Neuropterida (Netzflügler) Österreichs. IN ZULKA et al. (2005).

GEPP, J. (2010): Insekt des Jahres 2010: Der Ameisenlöwe (Myrmeleon formicarius) www.naturschutzbund.at

MANSELL, M.W. (1999): Evolution and success of antlions (Neuroptera: Myrmeleontidae). In ASPÖCK et al. (1999).

ZULKA; K.P. et al.(2005): Rote Liste gefährdeter Tiere Österreichs – Checklisten, Gefährdungsanalysen, Handlungsbedarf. Teil 1: Säugetiere, Vögel, Heuschrecken, Wasserkäfer, Netzflügler, Schnabelfliegen , Tagfalter. – BÖHLAU - Verlag. Hrsg. v. Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt jung Wasserwirtschaft, Wien.

Danksagung:

Ich danke Herrn Prof. Gepp (Naturschutzinstitut Graz), Herrn Patrick Gros (Haus der Natur/Salzburg) sowie Herrn Ambros Aichhorn für zahlreiche wertvolle Hinweise. Herrn Prof. Gepp sei auch für die Bereitstellung der Bilder gedankt.





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