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Tierartenschutz - Rote Listen der Tiere

Im Zusammenhang mit diesem Thema werden bewusst nicht alle Tiere, die auf Roten Listen stehen, aufgelistet, sondern es wird anhand der Schmetterlinge die Gefährdungsproblematik aufgezeigt. Je nach Ihrem Interesse können Sie sich über folgende Aspekte informieren:

Voraussetzung für das Vorkommen von Schmetterlingen
Für Schmetterlinge besonders geeignet Lebensräume
Nützlinge und Schädlige aus menschlicher Sicht
Gefährdungsursachen für Schmetterlinge
Gefährdung durch klimatische Einflüsse
Gefährdung durch menschliche Einflüsse
Gefährdungstufen der Salzburger Großschmetterlingsarten
nach der herkömmlichen Einteilung
Gefährdung der SalzburgerGroßschmetterlingsarten
aufgeschlüsselt nach Familien

Voraussetzungen für das Vorkommen von Schmetterlingen

Die große Mehrheit der Schmetterlinge benötigt bestimmte, artspezifische ökologische Voraussetzungen für ihren Fortbestand, und nur wenige Arten (Ubiquisten) sind an keinen bestimmten Lebensraum gebunden.

Für die Habitatwahl spielen folgende Faktoren eine entscheidende Rolle:

1. das spezifische Kleinklima:Jahresdurchschnittstemperatur, Niederschlagsmenge, Dauer der Sonneneinstrahlung, Windverhältnisse u.a.
2. Vorkommen der artspezifischen Raupenfutterpflanze/n
3.Vorkommen von genügend geeigneten Nektarpflanzen als Nahrungsquelle der Falter
4.das für die Art und ihre Futterpflanzen geeignete Substrat (Bodenbeschaffenheit, Silikatgestein, Kalk; Sand, Moorböden ...)

Für Schmetterlinge besonders geeignete und wertvolle Lebensräume

1) Ungedüngte, blütenreiche, einmähdige Magerwiesen (Mahd Ende September) Naturbelassene Halbtrockenrasen, Trockenwiesen und Felsfluren (Felssteppe)
2) Trockene, südexponierte Bahn- und Straßendämme mit starkem Bewuchs
3) Trockene Ruderalflächen, auch im menschlichen Siedlungsbereich
4) Niedermoorwiesen mit angrenzenden Streuwiesen und Schilfbeständen
5) Nicht zu trockene, lichte Laubwälder und Flussauen
6) Extensiv genutzte Almböden mit Hochstaudenflur
7) Alpine Grasmatten durchsetzt mit Felspartien
8) Hochalpine, sonnige Schutthalden mit niedrigem Bewuchs

 Admiral (Vanessa atalanta)

Vanessa atalanta (Admiral)

Nützlinge und Schädlinge aus menschlicher Sicht

Viele Menschen beurteilen Tiere und Pflanzen hauptsächlich unter dem Aspekt des Nutzens und Schadens, den sie aus ihrer Sicht für das menschliche Dasein, für Wirtschaft und Kultur erbringen. Objektiv betrachtet, gibt es in der Natur weder Nützlinge noch Schädlinge, und jedes Lebewesen hat seinen Platz in den Ökosystemen unseres Planeten. Das einzige Lebewesen, das wirklichen Schaden an der Natur anrichtet und - bewusst oder unbewusst - seinen eigenen Lebensraum und den vieler anderer Lebensformen zerstört, ist der Mensch selber.

Die Raupen unserer heimischen Schmetterlinge ernähren sich fast ausschließlich von pflanzlichen Stoffen und fressen je nach Lebensweise Blätter, Blüten, Samen (Früchte) und Wurzeln von Bäumen, Sträuchern, krautigen Pflanzen und Gräsern, in wenigen Fällen auch Flechten, Pilze und Algen. Es gibt einige wenige Schmetterlingsarten, die sich jahrweise besonders stark vermehren, und deren Raupen dann an Kulturpflanzen Schäden bis hin zum Kahlfraß verursachen können. In einem ökologisch noch halbwegs intakten System brechen die starken Populationen aber meist ohne menschliches Zutun nach einem Jahr oder nach zwei Jahren wieder zusammen, oft durch gleichzeitiges vermehrtes Auftreten von Parasiten und Krankheitserregern.

Wie viele Vertreter anderer Insektenordnungen sind auch die meisten Schmetterlingsarten, egal ob tag- oder nachtaktiv, eifrige Blütenbesucher und tragen somit durch das Bestäuben von Blütenpflanzen zur Erhaltung der Artenvielfalt unserer heimischen Pflanzenwelt bei. Diese nutzbringende Tätigkeit wiegt weitaus mehr als der gelegentliche Schaden, den einige wenige Arten menschlichen Pflanzenkulturen - meist Monokulturen - zufügen können.

In der älteren Fachliteratur werden verhältnismäßig viele Schmetterlingsarten als "Schädlinge" angeführt, die diese Bezeichnung heute nicht mehr verdienen. Im Gegenteil, manche dieser Arten sind heute in weiten Teilen Mitteleuropas bereits so selten, dass sie zumindest regional als gefährdet eingestuft und in den Roten Listen geführt werden müssen.

Die Raupen folgender heimischer Schmetterlingsarten können - was nur äußerst selten vorkommt - bei Massenvermehrung durch Blattfraß bzw. Minieren wirtschaftliche Schäden anrichten und Gegenmaßnahmen notwendig machen:

Hornissen-Glasflügler (Sesia apiformis CL.): Minieren in Pappelstämmen.
Himbeer-Glasflügler (Pennisetia hylaeiformis LASP): Minieren in Himbeerstauden
Johannisbeer-Glasflügler (Synanthedon tipuliformis CL.): Minieren in Ribiselstauden
Apfelbaum-Glasflügler (Synanthedon myopaeformis BKH.): Er miniert in Obstbäumen, besonders Apfelbäumen.
Kiefernspinner (Dendrolimus pini L.): Fraß an Kiefern- und Fichtennadeln
Großer Kohlweißling (Pieris brassicae L.): lebt an Kohl- und Krautarten.
Kleiner Kohlweißling (Pieris rapae L.): lebt an Kohl- und Krautarten
Bürstenbinder (Orgyia antiqua L.): frisst an Fichtennadeln und Laub
Nonne (Lymantria monacha L.): Bewohner von Fichtenkulturen
Gamma-Eule (Autographa gamma L.): lebt teilweise an Kohl, Klee, Erbsen
Kohl-Eule (Mamestra brassicae L.): gelegentlich Fraß an Kohl, Raps, Rüben
Forleule (Panolis flammea D.u.S.): nährt sich von Kiefernnadeln
Ypsilon-Eule (Agrotis ipsilon HUFN.): Fraß an Wurzeln von Gemüsepflanzen
Gemüse-Eule (Lacanobia oleracea L.): lebt an Gemüse-Arten, Rüben

Gefährdungsursachen für Schmetterlinge

Es gibt zahlreiche Gründe, warum bestimmte Schmetterlinge in manchen Gebieten seltener werden oder völlig verschwinden. Da das Überleben der Schmetterlinge unter anderem auch vom Vorhandensein der artspezifischen Raupenfutterpflanzen und der nektarspendenden Blütenpflanzen abhängt, führt jede Veränderung in den Pflanzengesellschaften zwangsweise auch zu einer Veränderung der Lepidopteren- fauna und der Populationsdichte der Arten.   Papilio machaon (Schwalbenschwanz)

Besonders gefährdet sind Schmetterlingsarten, die eine starke Bindung an bestimmte Biotope und deren Bewirtschaftungsform aufweisen und für die möglicherweise bereits kleine Veränderungen fatale Folgen haben können. Viele Schmetterlinge sind selten, weil die von ihnen bewohnten Ökosysteme selten sind. Die Bewohner solcher Biotope waren teilweise immer schon selten oder wurden es, weil ihr Lebensraum weiter eingeengt wurde. Manche Arten weisen von Natur aus nur geringe Populationsdichten auf oder sind am Rande ihres Verbreitungszentrums nur mehr einzeln anzutreffen. In Salzburg sind das vor allem trockenheits- und wärmeliebende (xerothennophile) Arten - viele davon sind hier bereits ausgestorben oder in höchster Gefahr - und Tiere aus Feuchtbiotopen (hygrophile und tyrphophile Arten).

In diesem Sinn muss man in Salzburg vor allem Kalkmagerrasen, magere Sandböden und Feuchtbiotope (Moore, Streuwiesen, Auwald) als besonders gefährdete Lebensräume betrachten.

Ein besonderer Fall sind die myrmecophilen Bläulingsarten (Lycaenidae), vor allem aus den Gattungen Maculinea und Plebejus. Sie sind auf eine Art Symbiose mit gewissen Ameisen-Arten angewiesen, ihr Fortbestand ist also völlig vom Vorkommen dieser Ameisen abhängig.

Gefährdung durch natürliche "Feinde"

Sowohl erwachsene Schmetterlinge (Imagines) als auch ihre präimaginalen Stadien (Eier, Raupen, Puppen) sind Teile der natürlichen Nahrungskette im ökologischen Gleichgewicht und dienen als Lebensgrundlage für viele andere Lebewesen:

Vögel: verzehren alle Entwicklungsstadien (Ausnahme: Raupen mit Gifthaaren oder übel schmeckender Sekretion und deren Imagines)

Fledermäuse: erbeuten große Mengen nachtaktiver Schmetterlinge

Insektenfresser (Igel, Spitzmäuse, Maulwurf): fressen Raupen und Puppen im Erdreich

Spinnen: Krabbenspinnen und andere in der Vegetation lebenden Spinnentiere erbeuten blütenbesuchende Falter und fressen auch Raupen

Milben: leben als Schmarotzer auf Raupen und auch erwachsenen Schmetterlingen

Laufkäfer: ernähren sich von Raupen und Puppen

Ameisen: tragen Raupen in ihre Nester ein und verzehren sie (Ausnahme: Myrmecophilie einiger Bläulingsarten)

Wespen: erbeuten kleine Raupen und Falter

Schlupfwespen und Raupenfliegen: benützen Raupen und Puppen für den Fortbestand der eigenen Art, indem sie ihre Eier in diese einbringen. Die Larven der Parasiten fressen den Raupen- oder Puppenkörper von innen auf.

Pilze: verursachen tödliche Raupenkrankheiten

Viren: können ebenfalls den Tod der Raupen verursachen

Gefährdung durch klimatische Einflüsse

Die Entwicklung der ersten Stadien (Eier, Raupen, Puppen) dauert in der Regel immer wesentlich länger als das Leben der erwachsenen Falter Der Erfolg dieser Metamorphose hängt nicht nur davon ab, ob die einzelnen Stadien sich unbehelligt von den oben genannten Nahrungsfeinden entwickeln können, er ist auch in hohem Maße von klimatischen Einflüssen abhängig. Übermäßig lange Kälte - und Regenperioden während der Raupenzeit (vor allem im Frühjahr!) können arge Schäden anrichten, ebenso bedeutet lange Trockenheit für manche Arten ein Risiko. Mehrere aufeinanderfolgende ungünstige Jahre können die Populationen vieler Schmetterlingsarten deutlich dezimieren, ja sogar lokale Totalausfälle verursachen.

Empfindlich reagieren Schmetterlinge auch auf Klima-Änderungen. Diese können zu Artenschwund, aber auch zum Zuwandern neuer Arten führen.

Gefährdung durch menschliche Einflüsse

Zerstörung der Lebensräume

  • Ausweitung des menschlichen Lebensraumes in bisher wenig oder nicht berührte Gebiete, Errichtung von Siedlungen, Straßen und Freizeiteinrichtungen
  • Abbau von Schotter, Sand, Torf usw.
  • Aufforstung, besonders von Trockenstandorten oder Halbtrockenrasen
  • Begradigung und andere Veränderungen der Waldränder
  • Beseitigung ökologisch wertvoller Kleinstrukturen (Hecken, Ufervegetation ...)
  • Errichtung von Stauseen, besonders in Gebirgstälern

Negative Veränderungen der Habitatsbedingungen

  • Grünlandintensivierung (Düngung, zu früher Mahdtermin, Mehrfachmahden, Überweidung).
  • Forstliche Intensivierungsmaßnahmen (Errichtung von Monokulturen, Setzen von standortfremden Baumarten in Garten und Parks)
  • Einsatz von Bioziden (Herbizide, Pestizide) und gezielte Bekämpfung bestimmter Pflanzenarten als "Unkräuter"
  • Abbrennen von Bahndämmen und dürrer Grasflächen im Herbst oder Frühling
  • Entwässerung von Feuchtbiotopen (Moore, Feuchtwiesen, Auen)
  • Biotopzerschneidungen, z.B. für Straßenbau. Die Verinselung der Lebens- räume führt zu Inzucht und in der Folge zum Erlöschen der Populationen.

Beeinträchtigung durch Umweltgifte

  • Abgase von Industrie und Verbrennungsmotoren belasten manche Raupen-Futterpflanzen mit Schwermetallen und Chemikalien
  • Übersäuerung des Bodens und dadurch verursachte Veränderung der Vegetation
  • Waldsterben (betrifft einige Baumarten besonders, wie Eichen und Ulmen)

Unmittelbare Eingriffe in die Populationen

  • Schädlingsbekämpfungsmaßnahmen (Gemüsebau, Land- und Forstwirtschaft)
  • Übertriebene Sammeltätigkeit verantwortungsloser "Schmetterlingsfreunde" für kommerzielle Zwecke

Autoverkehr


Dem Autoverkehr fallen täglich große Mengen von Insekten zum Opfer, vor allem in den Abend- und Nachtstunden und bei günstigen Flugbedingungen (Windstille, hohe Luftfeuchtigkeit, hohe Temperatur)

Die Gefährdungsstufen der Salzburger Großschmetterlinge nach der herkömmlichen Einteilung:

Familien bodenständig Gefährdung Gefährdung Gefährdung Gefährdung
Stufe 1 Stufe 2 Stufe 3 Stufe 4
Tagfalter und
Dickköpfe
134 16 11 18 11
Spinner u.
Schwärmer
178 19 7 15 22
Spanner 311 21 12 26 32
Eulenfalter 334 30 20 31 37
Summe 957 86 50 90 102
Summe in % 100% 9,0% 5,2% 9,4% 10,7%

Vergleich von 1991:

Summe in % 100% 12,4% 8,8% 5,4% 10,3%

Die Vergleichszahlen zeigen, dass die Gefährdungssituation einiger Schmetterlinge im Jahre 1991 etwas dramatischer gesehen wurde, als sie anscheinend wirklich ist. Durch intensive Beobachtungstätigkeit und Sammeln von Funddaten stellte sich heraus, dass eine Reihe von Arten zwar in irgend einer Weise zumindest in Teilen des Landes bedroht ist, aber zum Glück insgesamt gesehen doch nicht am Randes des Aussterbens steht.

Relativ gering gefährdet sind in Salzburg die Arten in den Hochlagen der Zentralalpen und der nördlichen Kalkalpen. Es gibt hier genug Nischen, in denen auch seltene und lokal verbreitete Arten überleben können und von menschlichen Einflüssen verschont bleiben. Außerdem haben hochalpine Tiere spezielle Überlebensstrategien entwickelt, um auch extremen Witterungseinflüssen widerstehen zu können, wie z.B. die Möglichkeit der Puppen, zwei oder auch mehrere Winter zu überliegen und sich dann einen besonders günstigen Moment zum Schlüpfen des Falters zu wählen.

Besonders gefährdet sind natürlich alle Arten, die sich ihren Lebensraum mit den Menschen teilen und daher nur zu oft wirtschaftlichen Interessen weichen müssen.

 Artenvielfalt in Gefahr !

 Gefährdung durch gebietsfremde Arten (Neobiota)

 Umweltbundesamt: Rote Liste (Abfragbare Datenbank)

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Rückfragen: Naturschutz
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