Würfelnatter
Würfelnattern kommen in Salzburg nicht vor, sie wurden aus EU-rechtlichen Gründen in die Tier- und Pflanzenartenschutzverordnung aufgenommen

Würfelnatter
Würfelnattern sind tag- und dämmerunsakktive, harmlose und ungiftige Schlangen. sie sind sehr scheu und flink und im Verhalten der Ringelnatter ähnlich.
Sie werden den Wassernattern zugerechnet. Sie schwimmen und tauchen ausgezeichnet und sind die Leitart für speziell eingenischte, an die Gewässerdynamik angepasste Lebensgemeinschaften. Sie sind Symbol für ökologisch intakte, klare Gewässer und einen, in Mitteleuropa hochgradig gefährdeten und selten gewordenen Lebensraum: offene Flußauen (Kiesauen), die durch einen mäandrierenden Gewässerverlauf mit Prall- und Gleithangsystemen charakterisiert sind.
Würfelnattern zeigen einen ausgeprägten Geschlechtsdimorphismus: Die Weibchen erreichen eine Kopf-Schwanz-Länge von 1 Meter und sind kräftiger gebaut als die etwas kleineren Männchen (70cm). Im Südosten ihres Verbreitungsgebietes erreicht sie eine maximale Körperlänge von 130 cm.
Der Kopf ist deutlich abgesetzt, die Nasenlöcher und Augen sind als spezielle Adaptation an das Leben im Wasser nach oben gerichtet. Die Augen sind mit einer speziell gekrümmten Linse ausgestattet. Die großen, runden Pupillen sind zum Ausgleich der Lichtbrechung des Wassers mit einer speziellen Beschichtung ausgestattet. Der Geruchssinn der Würfelnattern sehr gut ausgeprägt:
Ihre Färbung reicht von graugrün über gelblicholiv bis graubraun. Das dunkle, würfelartige Fleckenmuster am Rücken kann zu Querbändern umgebildet sein. Melanistische (völlig verdunkelte) Exemplare sind aus südlichen und südwestlichen Populationen bekannt.
Würfelnattern kommen hauptsächlich in Süd- und Ostösterreich vor
Die Tiere sind über Mittel-, Süd- und Osteuropa bis nach West- und Nordostchina verreitet verbreitet. Sie bevorzugen die Höhenstufen von 200-600 m, kommen vereinzelt aber auch bis 800 m Seehöhe vor. In Österreich sind die Vorkommen der Wärme liebenden Würfelnatter auf die klimatisch begünstigten Gebiete Niederösterreichs und auf die Flusslandschaften des Südens und Ostens beschränkt; in Kärnten ist sie an Seen häufig zu finden. Isolierte Vorkommen sind aus Oberösterreich an der Traun bekannt. In Wien existieren wenige, voneinander getrennte Populationen. Am Neusiedlersee ist diese Schlangenart mit großer Wahrscheinlichkeit nicht anzutreffen. Strukturell bedingt fehlt sie in den Bundesländern Salzburg, Tirol und Vorarlberg. Aus EU-rechtlichen Überlegungen wurde sie in die Salzburger Pflanzen- und Tierarten-Schutzverordnung aufgenommen und gilt hierzulande als vollkommen geschützte Art. Weiters sind Vorkommen in der Schweiz, Italien Tschechien, Slowakei und Ungarn bekannt. die Fundorte der Populationen in Deutschland stellen die nördliche Verbreitungsgrenze dar. Würfelnattern fehlen jedoch in West- und Südwesteuropa. In Frankreich, Spanien und Portugal werden sie durch die verwandte Vipernnatter vertreten.
Ihr Lebensraum sind intakte, klare und natürlich strukturierte Gewässer
Würfelnattern verbringen den größten Teil des Tages im Flachwasserbereich klarer Flüsse und Bäche. Sie zeigen eine starke Bindung an naturbelassene und unverbaute Flussabschnitte mit Flachwasserzonen, Kies- und Schotterbänken, strukturierten Ufern (Vegetation, Totholz, Bruchsteinmauern) und reichem Fischbestand, aber auch Altarmen.
Als wechselwarme Tiere benötigen sie auch reichliche Sonnenbäder, die hauptsächlich in den Morgenstunden auf Steinen eingenommen werden. Bevorzugte Bewuchsformen sind Auwälder, Grünland, Bruch- und Laubwälder. sowie eine üppig entwickelte Krautschicht mit mäßigem Gehölzbestand. Benötigte Lebensraumstrukturen sind Ufergehölze, Lichtungen, Böschungen, Hecken und Gebüsche sowie Feld-, Wiesen- und Wegraine. Würfelnattern besiedeln auch Meeresküsten, z.B. die Schwarzmeerküste und einige Mittelmeerinseln.
Sie fressen hauptsächlich Fische
Die Nahrungsaufnahme der Würfelnatter findet hauptsächlich im Wasser statt. Hauptnahrung sind Fische, die sie am Gewässergrund zwischen Totholz und Steinen schwimmend erbeutet. Kleine Amphibien und Kaulquappen werden nur ausnahmsweise als Nahrung angenommen.
Fortpflanzung
Nach der ersten Häutung nach der Winterruhe findet die Paarung statt. Das ist in Mitteleuropa zwischen April und Juni. Kopulationen können bis Mitte Juni beobachtet werden. Die Tiere legen 5-25 Eier (abhängig von der Größe des Weibchens) im lockeren Erdreich ab. Durch die dramatischen Lebensraumveränderungen werden auch Pferdemist- oder Sägemehlhaufen angenommen werden Die Eigröße schwankt zwischen 30-40mm Länge und einer Breite von 19-24 mm. Masseneiablageplätze an optimalen, sonnenexponierten Stellen werden gemeinsam mit der Ringelnatter benutzt Der Schlupf der Jungtiere 4-12 Wochen später ab Mitte Juli bis Ende August.
Würfelnattern sind stark gefährdet
Sie sind in weiten Bereichen Mitteleuropas vom Aussterben bedroht oder bereits ausgestorben. Einzig in der Steiermark existieren auf österreichischem Verbreitungsgebiet genügend starke Populationen, die aus eigener Kraft überleben können.
Die Feinde der Würfelnattern sind Wanderratten, Hecht, Zander und Iltis. Der größte Feind ist der Mensch. Die hochgradige Gefährdung ergibt sich durch Gewässerverschmutzung, Lebensraumverlust durch Flussbau bzw. –begradigung, Erholungsnutzung an den Gewässern durch Badetourismus, Bootsverkehr und Camping, Beseitigung wichtiger Ökotonbereiche und anderer Kleinstrukturen.
Fragmentierung der Lebensräume der Würfelnatter und Zerschneidung von Wander- und Ausbreitungskorridoren entlang von Flüssen durch Straßenbau kann erhebliche Populationsverluste bedingen.
Regionale Schutzprogramme sollen von Bestrebungen zur Renaturierung und Restrukturierung von Fließgewässern im Rahmen der Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie der EU profitieren. Bestehende Populationen können durch die Schaffung von Laich- und Sonnenplätzen sowie Flachwasserzonen gefördert werden.
Würfelnattern sind in Österreich stark gefährdet. Nach GOLLMANN (2005) in ZULKA et al.(2007) ist die Bestandesentwicklung der Art rückläufig, die Arealentwicklung leicht abnehmend; die Entwicklung der Habitatentwicklung ist stark negativ, die Habitatverfügbarkeit gleich bleibend. Allgemein ist die direkte Gefährdung durch Verfolgung durch den Menschen nicht gegeben. Zu ihrem Schutz besteht besonderer Handlungsbedarf.
Würfelnattern gelten in den Artenschutzverordnungen von Burgenland, Wien, Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg, Steiermark und Kärnten als vollkommen geschützte Art. In Salzburg wurde sie – obwohl nicht nicht natürlich vorkommend –aus Eu-rechtlichen Überlegungen in die Pflanzen- und Tierarten-Schutzverordnung übernommen. Überdies ist die Würfelnatter in Anh.IV der FFH-Richtlinie (streng zu schützenden Tierarten von gemeinschaftlichem Interesse)verzeichnet.
Literatur
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