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Braunbrustigel (Westigel)


Westigel sind als Schädlingsvertilger bei Gärtnern und Hobbygärtnern sehr beliebt

Braunbrustigel  Foto: Naturschutzabteilung

Braunbrustigel sind bei uns nach der Eiszeit eingewandert

Sie  sind dämmerungs- und nachtaktive, insectivore Säuger. Bei uns kommt hauptsächlich der West- oder Braunbrustigel vor. Igelnachweise in Europa reichen bis vor die letzte Eiszeit; damals wurde die Art in die eisfreien Teile des Kontinents abgedrängt, um später erneut einzuwandern.

Igel erreichen eine Größe von bis zu 30 cm und ein Gewicht von 800 bis 1500 Gramm; die Männchen sind schwerer sind als die Weibchen. Igel sind Einzelgänger (außer in der Paarungszeit) und meiden Begegnungen mit Artgenossen.


Igel benötigen die verschiedenartigsten Lebensraumstrukturen

Igellebensräume sind reich gegliedert: sie benötigen  Hecken und Gebüsche als Nistmöglichkeit und kleinräumige Strukturen, nehmen vorhandene Säugerbauten gerne an, wohnen auch in Felsspalten und hohlen Baumstämmen; auch findet man sie in Wäldern, Streuobstwiesen, der Kulturlandschaft, bis in zwei-/dreitausend Metern Höhe, wo sie genügend Verstecke finden.


Die Nahrung wird mit einem besonderen Sinnesorgan identifiziert

Sie brauchen sie reichhaltiges Nahrungsangebot: Laufkäfer, Regenwürmer, Schmetterlingslarven, Fröschen und Kröten. Im Garten sind sie als wertvolle Schneckenvertilger sehr beliebt. Gartenbewohnende Igel sind auch Kulturfolger; sie kommen in die Nähe des Menschen und nehmen  das ihnen angebotene Wasser an. Man darf ihnen keine Milch füttern, denn Igel können den Milchzucker nicht verwerten und bekommen Durchfall.
Igel identifizieren ihre Nahrung zusätzlich noch mit dem Jacobsonschen Organ: ähnlich den Reptilien werden Duft- bzw. Geschmacksmoleküle mit der Zunge aufgenommen und mit diesem zusätzlichen Sinnesorgan geprüft. In Erregung, wenn die Atemfrequenz steigt, hört man den Igel auch oft laut schnüffeln, schnaufen und schmatzen, um mit diesem Organ die Umwelt zu indentifizieren. Igel schlafen am Tag und jagen nachts. Nur ausnahmsweise sind sie tagsüber außerhalb des Nestes zu finden. In der Dämmerung durchstreifen sie ihr Jagdgebiet . Sie schnüffeln fortwährend in der Luft und nehmen dadurch sowohl Beute als auch potenzielle Bedrohung wahr.Durch diese Geräusche ist er bei Dunkelheit gut wahrnehmbar; Gartenbesitzer werden diese Geräusche sicherlich kennen.
Igel besitzen einen hervorragenden Gehör- und Geruchssinn. Der Sehsinn ist entsprechend der nächtlichen Lebensweise schlecht ausgebildet.

Igel sind echte Winterschläfer

Igel halten wie zahlreiche andere Säugetiere Winterschlaf, um die nahrungsarme Zeit besser zu überbrücken. Sie setzen im Sommer ein Fettpolster an, und können damit als Reservespeicher während des Winterschlafs mit einem herabgesetzten Energieumsatz bis zu 6 Monate ohne Futter auskommen. Sie verlieren im Winterschlaf 20-40% ihres Körpergewichts. Alle physiologisch wichtigen Lebensvorgänge wie Herzschlag, Atmung, Körpertemperatur werden auf ein Minimum gedrosselt; so beträgt die Atmung 5-8 Züge pro Minute, das Herz schlägt 18-22 mal pro Minute, die Wärmeregulation ist abgeschaltet. Um der durch den langsameren Blutstrom erhöhten Blutungsgefahr entgegenzuwirken, wird vermehrt Heparin gebildet, das der Thrombusgefahr entgegenwirken soll.
Für den Winterschlaf suchen Igel Laub- und Reisighäufen auf; Gartenbesitzer sind deswegen  aufgerufen, solche Häufen rechtzeitig im Frühherbst an windgeschützten Stellen anzulegen.


Diese Tierart bringt pro Wurf bis zu sieben Junge zur Welt

 Die Brunst beginnt nach dem Winterschlaf im April  und dauert etwa bis Juli/August. Nach einem längeren Liebesspiel findet die Begattung statt, oft auch erst in der nächsten oder übernächsten Nacht.  Normalerweise bringen Igel nach einer Tragzeit von 5-6 Wochen einmal im Jahr zwischen Juli und September bis zu sieben Junge zur Welt. Nur in klimatisch günstigeren Gegenden kann ein zweiter Wurf erfolgen. Igeljunge sind bei Geburt 5-9 cm lang, wiegen zwischen 12 und 25 Gramm und sind blind und taub. Ihre Unterseite ist rosa, der Rücken grau und haarlos, die Stacheln werden etwas später ausgebildet. Igeljunge werden etwa bis zur 6. Lebenswoche gesäugt. Sie werden mit neun bis elf Monaten geschlechtsreif und  fortpflanzungsfähig.


Der Igel hat wenig Fressfeinde

Feinde der Igel sind Greifvögel, die mit ihren scharfen Krallen den eingerollten Igelkörper öffnen können, und Füchse. Ansonsten hat der Igel nicht sehr viele natürliche Feinde. Bei Gefahr  kann sich der Igel zusammenrollen und mittels eines von der Evolution ausgeklügelten Muskelsystems die Rückenhaut über den Kopf ziehen, dabei die Stacheln aufstellen und wird so zur unangreifbaren Stachelkugel.
Sie haben auch unter Schmarotzern zu leiden wie Zecken, Flöhen, Milben, verschiedenen Würmern und Entoparasiten, die durch den Verzehr von Schnecken und Insekten aufgenommen werden.


Igel sind gefährdet

Wegen der Verarmung der Landschaft durch die moderne Land- und Forstwirtschaft (Düngung, Biozideinsatz, Flurbereinigung und Monokulturen) nehmen Igel Gärten und Parks gerne als Rückzugsgebiet an. Leider sind sie auch hier zahlreichen Gefahren ausgesetzt : Rasenmäher, Kunstdünger, Einsatz von Pestiziden (Entzug der Nahrungsgrundlage) sowie Aufräumwut.

Igel sind durch Straßenverkehr sehr gefährdet. Straßenverkehr kann nach Angaben von Spitzenberger et.al. (2001) die Igeldichte um 30% senken.

Igel sind nach ZULKA et al. (2005) auf der Roten Liste der geschützten Tiere als gefährdete bis stark gefährdete Tierart angegeben (RL-Ö=3); in Bezug auf die Bestandessituation ist rückgangig, ihre Bestandesentwicklung zeigt einen schwach negativen Trend. die Habitatverfügbarkeit der Art ist gering, die Entwicklung der Habitatsituation gleichbleibend.  Beim Igel ist eine starke anthropogene Beeinflussung gegeben: Igel sind sehr empfindlich auf Störungen in ihrem Habitat wie Düngung, Pestizideinsatz und Meliorisierung durch Beseitigung von Kleinstrukturen wie Hecken, Aufräumwut in Gärten und Parks und Besatz durch standortfremde Gehölze (Neophyten). Igel sind im Bundesland Salzburg sowohl durch EU-Recht als auch durch Landesrecht geschützt.    

Literatur




Weiterführende Links:

Pflanzen- und Tierarten-Schutzverordnung

Rote Liste gefährdeter Tierarten

Ursachen für die Gefährdung der Tiere

FFH-Richtlinie

Washingtoner Artenschutzabkommen

Berner Konvention

Bonner Konvention

Biodiversität in Österreich

Biogeographische Regionen

Umweltbundesamt

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Rückfragen: Mag. Michael Hubka