Braunbär
Braunbären gehören zu den größten Raubtierarten. In dieser Ordnung gehört er zur Überfamilie der Hundeartigen und hier der Familie der Bären. Evolutionär leitet sich der Braunbär vom Höhlenbären ab; seine Anfänge in West- und Mitteleuropa reichen bis vor etwa 450 000 Jahren.
Braunbären waren ursprünglich über ganz Europa, Asien über Nordindien bis Japan und auch in Teilen des nordamerikanischen Kontinents (Kanada, USA und Alaska) verbreitet. Heute gibt es in Europa nur mehr Reliktvorkommen in den Pyrenäen, in Südeuropa und in Norwegen. In Österreich hat der Braunbär im Bereich der Grazer Bucht und des Steirischen Hügellandes das Hochglazial überdauert und von dort ausgehend Österreich nacheiszeitlich wiederbesiedelt. Vor etwa 150 Jahren wurde er bei uns in Österreich ausgerottet.

Braunbär Bild: U. Zebunke
Durch die geografische Isolation der asiatischen, europäischen und nordamerikanischen Bärengruppe entstanden zahlreiche Unterarten, die jetzt weite Teile Eurasiens und Nordamerikas besiedeln.
- Der Europäische Braunbär umfasst die Bestände in den Alpen, den Pyrenäen in Ost- und Südeuropa sowie in Skandinavien.
- Der Kodiakbär ist die mit Abstand größte Unterart. Er lebt nur auf der Kodiakinsel vor der Küste Alaskas . Er frisst meistens Gras und Wurzeln. Zur Laichzeit der Lachse positioniert er sich an den Flüssen und versucht die stromaufwärts wandernden Fische zu fangen.
- Der Grizzlybär bewohnt die Rocky Mountains in den USA und Kanada . Er ist kräftiger und schwerer als europäische Braunbären und gilt als aggressiver.
- Sibirischer Braunbär: im asiatischen Teil Russlands beheimatet
- Der Isabellbär in Nordindien im Himalaya und in Zentralasien
- Der Hokkaido-Braunbär auf der Insel Hokkaido
- Der Mandschurische Braunbär im Nordosten Chinas und in der Mongolei
- Der Tibetische Braunbärin Tibet und Sichuan
Der Niederkalifornische und der Mexikanische Grizzly .gelten als ausgestorben.
Braunbären sind tagaktiv, besitzen einen kräftigen Rumpf, kurze Extremitäten und einen rückgebildeten Schwanz. Sie sind Sohlengänger und bilden 5 Zehen- sowie 5 Fingerstrahlen aus. Ihr Cephalisationsgrad ist hoch. Im Gebiss werden die Eckzähne häufig reduziert, die Mahlzähne vergrößert.
Die Tiere bewohnen Bergregionen und offene, mit Bäumen wenig bestockte Landschaften; die spärlich vorhandenen Bäume werden als Schutz für die Jungen benötigt. Bevorzugte Reviere der Tiere sind vor allem in der Nähe fischreicher Gewässer; bevorzugter Speisefisch ist - vor allem am amerikanischen Kontinent – der Lachs. Die Fische haben zur Zeit des Zuges als Reserve besonders viel Depotfett eingelagert und sind deshalb für die Bäreneine besondere Delikatesse. Zur Zeit des Lachszuges kann man an den Flüssen Nordamerikas deshalb größere Ansammlungen von Braunbären beobachten. In der übrigen Zeit sind Braunbären Einzelgänger und asozial; Männchen und Weibchen kommen nur während der Paarungszeit zusammen. Die Männchen beteiligen sich nicht an der Jungenaufzucht.
Die Tiere halten keinen Winterschlaf
Braunbären halten Winterruhe in selbstgebauten Höhlen. Während dieser Zeit wird die Körpertemperatur nur geringfügig abgesenkt; es wäre energetisch für ein so großes Tier wie einen Braunbären ein Ding der Unmöglichkeit, von einer sehr niedrigen Temperatur den Körper rasch wieder auf Betriebstemperatur zu bringen.Deswegen halten sie keinen Winterschlaf, sondern Winterruhe. Sie "dösen" und sind relativ leicht weckbar. Nachdem es zur Zeit seiner Abspaltung vom Höhlenbären noch relativ warm und auch die Winter gemäßigt war, entwickelte der Bär erst später die Fähigkeit, Winterruhe zu halten.
In der Zeit der Winterruhe werden die Jungen geboren, zumeist Zwillinge, jedoch sind Würfe bis zu fünf Tieren möglich. Die Neugeborenen sind nackt, blind und etwa rattengroß. Die Jungtiere bleiben etwa 2,5 Jahre in Obhut der Mutter.
Bären meiden Begegnungen mit dem Menschen
Der Mensch fällt nicht in das Beuteschema des Bären. Sie gehen dem Menschen aus dem Weg und greifen nur bei Unterschreiten einer Sicherheitsdistanz oder bei Gefährdung der Jungen an.. Ansonsten verbringen sie die Wachzeiten mit Fressen und mit Futtersuche. Die Vorliebe für zuckerhältige Nahrungsmittel (und damit auch Honig) hat ihn vorwiegend bei den Imkern in Misskredit gebracht. Manchmal stehen aber auch andere Säuger wie Bison, Elche und Schafe am Speiseplan; ja sogar Insekten, Vögel, kleine Nager und Aas zählen zu seinen Futtertieren. Durch diese Nahrungsaufbesserung mit Schafen besteht ein zusätzlicher Interessenskonflikt mit den Landwirten. Obwohl Bären zu den Raubtieren gehören, nehmen sie durchaus auch pflanzliche Kost wie Gräser, Beeren usw. zu sich.
Heute sind die größten Bärenbestände im asiatischen Teil Russlands. In Nordamerika wurden sie durch den Menschen immer mehr nach Norden abgedrängt; in Europa führte der Mensch-Bär-Konflikt zur Ausrottung dieser Raubtiere; stabile Populationen gibt es noch in Skandinavien und Osteuropa.
Heutzutage gibt es Bestrebungen, Braunbären bei uns wieder anzusiedeln. Als ein ursprüngliches Projekt des World Wide Fund for Nature (WWF,) den Bär in Österreich wieder heimisch zu machen, wurde eine Bärin („Mira“) im Ötschergebiet (NÖ) ausgesetzt. Man wusste, dass dort ein aus Slowenien eingewandertes Männchen wohnte. Auf Grund der Konflikte zwischen Bär und Mensch wurden in jüngerer Zeit illegale Abschüsse getätigt, wodurch die schon bestehende, ohnehin schwache Population weitgehend ausgelöscht wurde. Durch Funde von Haaren und Losungen wurde bekannt, dass es sich um den, aus Südtirol eingewanderten Bär Bruno handelte, der auf der Suche nach einem Weibchen war.
Um den in der Bevölkerung entstehenden Gegenströmungen zu begegnen, wurden seitens des WWF so genannte „Bärenanwälte“ als Anlaufstelle und Schlichtungsstelle in den betroffenen Bundesländern eingerichtet. Erfreulicherweise wusste der WWF jedes Jahr von Bärenjungen zu berichten; im letzten Jahr wurde sogar ein Braunbär im Nationalpark Kalkalpen (Molln/OÖ) fotografiert.
Braunbären sind bei uns in Österreich verschwunden
Der Braunbär in Österreich gilt als ausgestorben, ausgerottet oder verschollen. Es gibt keine autochtonen Bestände mehr. Derzeitige Bärennachweise sind zugewanderte oder im Rahmen des oben erwähnten WWF-Projektes angesiedelte Bären. Bärennachweise im Bundesland Salzburg sind selten; es kommt jedoch vor, dass sie ab und zu von Slowenien auf alten Bärenwanderwegen in den Lungau wandern, 1993 wechselte ein Bär durch den Lungau in die steirischen Sölktäler. Im Sommer 2002 waren 3 verschiedene Bären im Nationalparkgebiet unterwegs, ein ausgewachsener im Raum Bernkogel/Rauris , ein junger auf der Walchenalm in Fusch.und eine Bärin auf der Südseite der Glocknergruppe. Braunbären gelten im Bundesland Salzburg als jagdbares Wild im Sinne des Jagdgesetzes, sind jedoch ganzjährig geschont. Wie neuesten Pressemeldungen zu entnehmen ist, werden derzeit in Kärnten Bären im Bereich der Karnischen Alpen und der Karawanken vermutet.
Um den Bären mehr ins Bewusstsein der Bevölkerung zu bringen und damit trotz des Konfliktes mit dem Mensch wieder beliebter zu machen, wurde der Bär in vielen europäischen Ländern zum Wildtier des Jahres 2005 ernannt.
Braunbären sind aufgrund mehrerer internationaler Abkommen geschützt: Washingtoner Artenschutzabkommen, Anh.2. sie gelten als prioritäre Tierart im Sinne der Fauna-Flora-Habitat-RL Anh II und Anh IV sowie der Berner Konvention, Anh.II. Zu seiner Erhaltung ist erhöhter Schutzbedarf und Monitoring der Beständeerforderlich.
Bärenbeobachtungen oder Probleme mit Bären: Meldung bitte an Bärenanwalt Walter Wagner 07255/8117
Literatur:
HUBKA, M. (2005): Braunbär (Ursus arctos) (Wildtier des Jahres 2005) auf: www.salzburg.gv.at/naturschutz
KNAUF, T. (2006): Vergleichende Studien zur Reproduktionsbiologie bei Großbären.
Dissertation/ Freie Univ. Berlin
RAUER, G. et al.(2001): Der Braunbär in Österreich II , Umweltbundesamt, Monographien (Zusammenfassung)
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STORCH,V. und U.WELSCH (2004) : Systematische Zoologie - 6.Aufl. Spektrum Akademischer Verlag
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ZULKA, K. P. et al. (2005): Rote Listen gefährdeter Tierarten Österreichs, Checklisten, Gefährdungsanalysen, Handlungsbedarf Teil 1: Säugetiere, Vögel, Heuschrecken, Wasserkäfer, Netzflügler, Schnabelfliegen, Tagfalter .
Grüne Reihe des Lebensministeriums. Band 14/1, Böhlau Verlag Wien Köln.Weimar

