Alternativer Nobelpreis - Right Livelihood Award
Der Right Livelihood Award, hierzulande besser bekannt als „Alternativer Nobelpreis, wurde 1980 von dem deutsch-schwedischen Publizisten, Philatelisten und ehemaligen Europa-Abgeordneten Jakob von Uexküll gestiftet. Mit dem Preis werden Personen und Initiativen geehrt, die auf verschiedene Weise Lösungen für Probleme unserer Zeit erarbeiten. Alle Preisträger eint die Vision von einer humanitären Gesellschaft ohne Unterdrückung und Ausbeutung, das Bestreben, die Vielfalt und die Ressourcen unseres Planeten zu bewahren, sowie einer Ethik der Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit. Vor allem in den Ländern der „Dritten Welt – in kaum eines ist jemals ein ‚echter’ Nobelpreis gegangen – hat der ‚Right Livelihood Award’ einen sehr hohen Stellenwert, weil er die Perspektiven dieser Länder und ihr berechtigtes Interesse an selbstbestimmter Entwicklung betont und unterstützt.
Von der Briefmarke zum Nobelpreis
Alles begann mit dem Traum eines Philatelisten. Ein gutes Vierteljahrhundert ist es her, dass der deutsch-schwedische Briefmarkensammler Jakob von Uexküll sich eines Tages fragte, ob man guten Gewissens sein Leben mit dem Sammeln kleiner bunter Papierchen verbringen dürfte, während zeitgleich die Welt immer mehr in Stücke fiel. Er entschloss sich, seine Sammlung zu verkaufen, gründete mit dem Erlös die Right Livelihood Stiftung und schrieb den „Preis für die richtige Lebensführung aus. Dass man ihn heute den ‚Alternativen Nobelpreis’ nennt, ist nicht die Idee des Stifters, sondern ein indirektes Lob der Öffentlichkeit, die ihn längst mit dem wichtigsten Wissenschaftspreis vergleicht. Und tatsächlich umfasst der „Right Livelihood Award’ (RLA) heute ein so breites Spektrum, dass man ihn getrost mit seinem großen Bruder vergleichen kann: Mit dem Alternativen Nobelpreis werden Friedens-, Umwelt- und soziale Projekte sowie Konzepte alternativer und nachhaltiger Entwicklung in der Ersten und der Dritten Welt ausgezeichnet. Mit ihm werden die Nutzung regenerative Energien und die Entwicklung entsprechender Technologien, die biologische Landwirtschaft und ganzheitliche Gesundheitsversorgung unterstützt. Der Preis belohnt den Schutz biologischer und kultureller Vielfalt, den Ausbau der Demokratie, den Schutz der Menschenrechte. Er belohnt all jene kleinen Lösungen, die für die großen Probleme im Ansatz längst vorhanden sind.
Die Right Livelihood-(RLA)-Stiftung ist in Schweden als gemeinnützig eingetragen und hat Vertretungen in England, Deutschland, Indien und den Vereinigten Staaten. Sie ist unabhängig von jedweden politischen oder religiösen Gruppierungen. Der Right Livelihood Award wird jährlich im Schwedischen Parlament in Stockholm am Tag vor der Nobelpreispräsentation vergeben. Alfred Nobel wollte diejenigen ehren, die „der Menschheit die größte Wohltat erweisen. Vom selben Geist getragen unterstützt die „Right Livelihood Award-Stiftung diejenigen, die an anwendbaren und beispielhaften Lösungen von den tatsächlichen Problemen unserer Zeit arbeiten. Der alternative Nobelpreis wird für keine Kategorien vergeben, sondern ehrt sehr unterschiedliche Beiträge für eine bessere Zukunft der Welt. Die Stiftung zieht es auch vor, ihre Preisträger nicht „Gewinner zu nennen, da dies den Eindruck erweckt, als seien die anderen Verlierer.
Seit 1980 121 Projekte aus 65 Ländern ausgezeichnet
Seit 1980 wurden etwa 121 Menschen und Projekte in 65 Ländern aus mehr als 650 Nominierungen ausgewählt und ausgezeichnet. Die jährliche Preissumme von zirka zwei Millionen Schwedischen Kronen (zirka 220.000,00 Euro) teilen sich drei oder vier Preisträger – zugunsten ihrer Projekte und Arbeiten, nicht zu ihrem eigenen, persönlichen Nutzen. Mit einem nicht monetären Ehrenpreis würdigt die Jury Personen oder Projekte, um sie so einer internationalen Öffentlichkeit näher zu bringen.
Zwei Alternative Nobelpreisträger aus Salzburg
Salzburg ist die einzige Stadt der Welt, die zwei Alternative Nobelpreisträger aufweisen kann: Prof. Dr. Leopold Kohr (1983), den visionären Wirtschafts-Philosophen, und Dr. Robert Jungk (1986), den Zukunftsforscher. Diese Tatsache war mit ein Grund, warum der Gründer des Alternativen Nobelpreises, Jakob Uexküll, schon das 20-Jahre-Jubiläum nach Salzburg gebracht hat und auch 2005 das 25-Jahre-Jubiläum des ANP wiederum hier gefeiert hat. Diese Auszeichnung für Salzburg sei aber auch der breiten Unterstützung über alle Partei- und Interessengrenzen hinweg zu verdanken, die nicht zuletzt durch das gemeinsame Engagement von Wirtschaftskammer und Arbeiterkammer verdeutlicht werde.
Auszeichnung und Wirkung
Der RLA (Right Livelihood Award) unterstützt nicht nur direkt und unmittelbar. Wissen und Erfahrungen der Preisträger werden einer breiten Öffentlichkeit zuteil. Dabei zeigt sich, dass Einzelne oder kleine Gruppen oft unlösbar erscheinenden Problemen entgegentreten; sie handeln gemeinsam, mobilisieren andere und bringen so den Stein im Interesse aller ins Rollen. Der alternative Nobelpreis soll außerdem immer wieder Debatten über unsere Wertvorstellungen und Ziele in Gang setzen. Er bringt Menschen unterschiedlichster Interessen und Projekte zusammen, stärkt sie und unterstützt ihre Ideen, um Zukunftsmodelle zu formen und zu verwirklichen.Das sind jene, die sich für soziale Gerechtigkeit und Menschenrechte, für Frieden und Abrüstung, für die Rechte von Minderheiten, für den Schutz der Umwelt und für viele andere Aspekte menschlicher Entwicklung einsetzen, angefangen von kultureller und geistiger Erneuerung bis hin zu Wissenschaft und Technologie zum Nutzen der gesamten Menschheit.
Sie alle eint die Vision unteilbarer Humanität, die Verpflichtung unseren Planeten zu bewahren und behutsam mit seinen Ressourcen umzugehen, sowie eine Ethik, die Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit verpflichtet ist.
Wie werden die Preisträger ausgesucht?
Jede/r kann eine Person oder Organisation vorschlagen, deren Arbeit er/sie kennt. Ein Informationsblatt mit Konditionen und Nominierungsrichtlinien kann bei der Stiftung in Schweden angefordert werden. Die eingegangenen Unterlagen werden überprüft und, falls erforderlich, die Nominierten besucht. Die Berichte über alle vorgeschlagenen Kandidaten werden der internationalen Jury vorgelegt. Neue Nominierungen und jene Nominierungen, die von der Jury aus ver-gangenen Jahren zwecks weiterer Nachforschungen beibehalten wurden, werden gleich behandelt. So können Kandidaten über mehrere Jahre auf der Vorschlagsliste bleiben, bevor die Juroren ihre abschließende Entscheidung treffen. Die Jurymitglieder wechseln kontinuierlich
Die derzeitigen Mitglieder sind: Marianne Andersson, Frank Bracho, Paul Ekins, Anuradha Mittal, Ahmedou Ouls-Abadallah, Vithal Rajan, Ursula Schulz-Dornburg, Frank Schwalba-Hoth sowie David Krieger.
Salzburger Motoren
Seit 1998 gibt es eine enge Zusammenarbeit mit den Kulturellen Sonderprojekten des Landes Salzburg (Prof. Alfred Winter) und der Leopold Kohr Akademie. Die Bildungsakademie des Vereins Tauriska im Kammerlanderstall in Neukirchen am Großvenediger ist nach dem Philosophen Professor Dr. Leopold Kohr (1909 bis 1994) benannt. Die Kohr’sche Leitidee der „Rückkehr zum menschlichen Maß!" ist Auftrag und gleichermaßen Programm für die Leopold-Kohr-Akademie, die sich als Fortbildungsinstitut speziell für die Nationalparkregion Hohe Tauern versteht und die Förderung der wirtschaftlich kleinen Einheiten zum Ziel hat, erläuterte Christian Vötter von der Leopold-Kohr-Akademie. Kohr selbst erachtete Modelle wie den Tauriska-Kammerlanderstall, die im überschaubaren Rahmen perfekt funktionieren, als Richtung weisend für das Überleben der Menschheit.
Aufgaben der Leopold Kohr Akademie:
- die wissenschaftliche Be- und Aufarbeitung des gesamten Nachlasses von Leopold Kohr sowie die Öffnung dieser Materialien für die interessierte Fachwelt. Archivstandort Salzburg (Altstadt);
- die kommentierte Neuherausgabe aller bereits publizierten (jedoch vergriffenen) Bücher Leopold Kohrs sowie die erstmalige Edition bisher unveröffentlichter Werke;
- die Vergabe und Betreuung von wissenschaftliche Arbeiten (Diplomarbeiten, Dissertationen) in Zusammenarbeit mit dem Institut für Geschichte der Universität Salzburg;
- die kritische und (möglichst) interdisziplinäre Auseinandersetzung mit dem Werk Leopold Kohrs in der universitären Lehre;
- Gründung und Durchführung sowie internationale Forcierung des Projektes Geschichte@Internet (im Mittelpunkt steht die wissenschaftliche und kritische Auseinandersetzung mit dem neuen Leit-Medium) im Sinne Leopold Kohrs;
- die Betreuung der jeweils aktuellen Alternativen Nobelpreisträger plus Ausrichtung von themenbezogenen Jahrestagungen in Neukirchen und Salzburg;
- Entwicklung und Vorbereitung eines Leopold-Kohr-Preises;
- Herausarbeitung der Elemente einer „Theorie kleinräumiger Wirtschaftskreisläufe im Kohr`schen Werk als spezifischer Beitrag zur Wirtschaftstheorie und Perspektive für die Wirtschaftspolitik;
- Unterstützung der Bemühungen zur Errichtung eines Gewerbe- und Industriemuseums für den Zentralraum Salzburg sowie
- Unterstützung von Projekten eigenständiger Kultur- und Regionalentwicklung auch im europäischen Kontext.
Eine enge Zusammenarbeit der Leopold-Kohr-Akademie mit der Right Livelihood Foundation und dem Gründer und Stifter des Preises, Jakob von Uexküll, gibt es bereits seit dem Jahr 1998. 1999 organisierte die Akademie mit den Kulturellen Sonderprojekten das 20-Jahre-Jubiläum in Salzburg. Bei diesem Anlass entstand die Idee, jährlich die aktuellen Preisträger nach Salzburg einzuladen, um ihre zukunftweisenden Projekte vorzustellen, jeweils in Verbindung mit Projekten aus Salzburg. Dieser Plan wurde bei folgenden Veranstaltungen umgesetzt:
- Friedenssymposion in St. Johann und Bad Hofgastein – 2000,
- Ökokulturprojekt Teufelsgraben in Seeham – 2001,
- Tagung „Viktualien neu gedacht in Neukirchen am Großvenediger – 2002,
- salzburg glokal – 2003
- Konferenz „Alternativen die sich rechnen zum 25. Jahr Jubiläum - 2005
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