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Salzburger Landessammlungen: Provenienzforschung und Restitution



Inhaltsverzeichnis: Geschichte der Landesgalerie


Freunde und Gegner in Salzburg


„Ich bin ja jetzt zu seinem (des Gauleiters, Anm.d.Autors) ‚Kunstberater‘ ernannt worden und habe daher manchen Einfluss. Ausserdem soll ich Kustos der neu zu gründenden Landesgalerie werden. Ich habe dabei grosse Absichten und möchte womöglich auch eine Akademie angliedern.“[1] Welz konnte tatsächlich zufrieden bilanzieren: Im März 1938 war er ein kleiner Rahmenhändler und bescheidener Galerist in Salzburg. 1941 verfügte er über eine Filiale in Wien, bekleidete eine Vertrauensstellung, trat als „Der Beauftragte des Gauleiters und Reichsstatthalters für die Landesgalerie Salzburg“ auf, sorgte für die Ausstattung von dessen Räumen mit Bildern, spielte somit im Kulturleben des Reichsgaus eine wichtige Rolle und hatte es verstanden, sich als Kunstexperte für zahlreiche Mitglieder, wenn schon nicht der höchsten, so doch der gehobenen NS-Elite unentbehrlich zu machen.[2] Dass die Gauleiter Rainer und Scheel gelegentlich abseits der Landesgalerie Kunstwerke ohne seinen Rat kauften oder beim Erwerb von historischen Stichen, Landkarten etc. die Meinung von Landesarchivdirektor Franz Martin einholten, fällt nicht ins Gewicht.[3] Unbestritten bleibt, dass sich Welz im Kulturleben Salzburgs während der Zeit von 1941 bis zum Jahreswechsel 1943/44 in den Vordergrund drängen konnte. Es ist verständlich, dass ihm dieser Erfolg zu Kopf stieg. Schon sein Auftreten in Paris dürfte zumindest merkwürdig gewesen sein. Mit Schreiben vom 31. Oktober 1941 schloss Legationsrat Carltheo Zeitschel jede Unterstützung für Welz seitens der Deutschen Botschaft in Paris aus.[4] Zeitschel nahm wie andere Botschaftsmitglieder am Pariser Kunsthandel teil.[5] Dementsprechend wird der Grund für das Schreiben weniger in Welz‘ Umgang mit den französischen Kunsthändlern zu suchen sein, deren Interessen die Deutsche Botschaft nicht zu vertreten hatte, als vielmehr in einer Übervorteilung deutscher Mitbewerber durch den „Ostmärker“ am Pariser Kunstmarkt.[6] Solches ruft Neider auf den Plan. Daran fehlte es bald auch in Salzburg nicht. Zeitschel richtete sein Schreiben an den Salzburger Kulturdezernenten Gerhard Leinveber. Dieser brachte Zeitschels Schreiben im Jänner 1942 dem neuen Gauleiter Scheel zur Kenntnis, womit er sich in die Front der Welz-Gegner einreihte.[7] Als zentrale Figur unter ihnen lässt sich unschwer Gaukämmerer Robert Lippert bestimmen. Er war am 1.Dezember 1939 zum Gaukämmerer bestellt worden, so dass er etwa zur gleichen Zeit die Bühne betrat, als Welz begann, seine Landesgalerie-Pläne zu konkretisieren.[8] Lipperts Bestreben musste der korrekten Abwicklung des öffentlichen Haushalts gelten. Darin sah er sich durch Welz und dessen unentwegtes Verwirrspiel, in dem seine öffentlichen Aufträge und seine privaten Ambitionen einander undurchschaubar ablösten, einschließlich der hin und her fließenden Gelder, einschließlich der hin und her getauschten Kunstobjekte, nachdrücklich beeinträchtigt.[9] Besonders musste ihn erbittern, dass er nach allen Vorschriften der öffentlichen Gebarung im Recht war, Welz‘ Usancen jedoch trotz aller Verstöße im Nachhinein „höheren Orts“ immer gebilligt wurden.[10] Daran änderten auch die Prüfungen aller Welz-Angelegenheiten durch die Steuerfahndung und den Reichsrechnungshof nichts, wobei man die Initiative dazu mit Sicherheit Lippert zuschreiben darf.[11] Obwohl die massiven Beanstandungen sogar zu einer vorübergehenden Stilllegung der Konzession für die private Galerie führten, kam Welz letzten Endes ungeschoren davon.[12] „Höheren Orts“ behielt er seinen Stein im Brett: „Mit den besten Wünschen für Sie und Ihr Werk, Rainer, Gauleiter“. Damit verabschiedete sich Rainer von Welz vor seinem Wechsel nach Klagenfurt im Dezember 1941.[13] Die Hoffnungen von Welz‘ Gegnern richteten sich auf seinen Nachfolger.

„Die Salzburger Künstlerschaft ist verbittert, dass ausgerechnet dieser politisch unausgeglichene und charakterlich nicht einwandfreie Mann zum Kunstbeauftragten des Gaues ausersehen wurde. Wenn diese Angelegenheit zeitweise nicht mehr besprochen wurde, so taucht sie doch wieder beim Führungswechsel im Gau Salzburg mit Nachdruck auf und man erwartet nunmehr spannungsvoll, welcher Lösung diese Frage zugeführt werde.“[14] Mit diesen Worten versuchte der Sicherheitsdienst im Jänner 1942 noch unverhohlener als Leinveber und Lippert den neuen Gauleiter Gustav A. Scheel gegen Welz einzunehmen und seine offizielle Bestellung zum Leiter der Landesgalerie zu verhindern. Alle Anstrengungen scheiterten. Sie scheiterten an Albert Reitter. Als Regierungspräsident und Gauhauptmann stand er an der Spitze der Behörde des Reichsstatthalters, als Inhaber eines SS-Ehrenranges erstreckten sich seine Einflussmöglichkeiten noch darüber hinaus. Reitters politische Zugehörigkeiten wechselten, konstant blieben sein Interesse und Engagement für Kunst und Künstler.[15] Das und die Gemeinsamkeit, dass beide die rasche Erzielung materieller Vorteile zu Lasten anderer nicht verschmähten, führten Welz und Reitter zueinander. Zudem umschlang sie – die Diktion scheint angesichts der Materie passend – das Band gemeinsamer Mitgliedschaft beim Salzburger Männerbund „Der Gral“, dem auch Alberts Bruder, der Kleßheim-Architekt Otto Reitter, angehörte.[16] Die Vorhaltungen der Deutschen Botschaft in Paris waren zunächst mündlich Albert Reitter vorgetragen worden. Erst als Konsequenzen ausblieben, folgte der Brief an Leinveber. Mit seiner Weitergabe und mit dem SD-Bericht Gauleiter Scheel gegen Welz einzunehmen, konnte nicht gelingen, solange Reitter zu ihm stand. Der neue Gauleiter, der zugunsten seiner eigenen Leute Reitters Kreise bereits eingeengt hatte, war auf eine Zusammenarbeit mit seinem Spitzenbeamten angewiesen.[17] Wäre er den Einflüsterungen gegen Welz gefolgt, hätte er Reitter desavouiert. Eine Nähe wie zu Rainer konnte Welz zu Scheel allerdings nicht mehr aufbauen. Immerhin fällt auf, dass im Unterschied zu den häufigen Schriftzügen Rainers sich Scheel kein einziges Mal in Welz‘ Gästebuch eintrug, obwohl es auch bei den Ausstellungen der Landesgalerie auflag.[18] Diese nur angedeuteten Zusammenhänge zeigen, dass vieles von den Turbulenzen um Welz als Stellvertreterkrieg betrachtet werden muss. Man braucht für diese Streitigkeiten in der kleinen Salzburger Arena nicht die – ansonsten hilfreichen - Denkmodelle von polykratischen Strukturen der NS-Hierarchie zu bemühen. In diesem Fall reicht die Vorstellung von ganz persönlichen Machtkämpfen. Welz spielte nur eine Rolle am Rand. Er geriet sehr schnell darüber hinaus ins Abseits, als er seinen Mentor verlor. Das zeichnete sich schon 1943 ab, als Reitter der Korruption beschuldigt und Welz steuergeprüft wurde, und vollzog sich 1944, als Reitter im Februar seinen Dienst in Salzburg quittieren und Welz sechs Monate später zur Wehrmacht einrücken musste.[19] Die Freundschaft hielt aber über 1945 hinaus. Sobald Reitter seine Zulassung als Rechtsanwalt in Salzburg 1950 wieder erreichte, betraute ihn Welz mit der Wahrnehmung seiner Interessen.[20]

Koller, Fritz: Inventarbuch der Landesgalerie Salzburg 1942-1944.
Salzburg 2000, S. 20-22.


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[1] SLA HS 926/12 (Schriftverkehr Kolig I, 84, 90, 98 f.).

[2] SLA HS 926/5 (46 ff.); 12 (Schriftverkehr Kolig I, 84); schon die Amerikaner skizzierten Welz‘ Aufstieg nach 1945 mit ähnlichen Worten: BDA RestA Welz II (37).

[3] SLA RStH LV 37; BdRStH 13,14,15,46,47,62.

[4] Dokumentenanhang Nr.3.

[5] Dokumentation (wie Anm.82).

[6] Feliciano, Museum (wie Anm.27), S.140.

[7] SLA HS 926/5 (24).

[8] SLA RStH LH 18.

[9] SLA HS 926/5 (61, 75, 77); 7 (19).

[10] SLA HS 926/7 (26, 27).

[11] SLA HS 926/5 (68, 75); 7 (20, 24).

[12] SLA RStH BdRStH 99.

[13] SLA HS 926/12 (Auszug Gästebuch).

[14] SLA HS 926/5 (93).

[15] Amtsblatt der Landeshauptstadt Salzburg vom 22.6.1960, S.2; ein knappes, jedoch sehr treffendes Bild von Reitter entwirft Peter Broucek (Ein General im Zwielicht. Die Erinnerungen Edmund Glaises von Horstenau, Bd.2, eingel. u. hg. v. Peter Broucek [Veröffentlichungen d. Kommission f. Neuere Geschichte Österreichs, Bd.70] [Wien – Köln - Graz 1983], S.116, Anm.158).

[16] SLA HS 926/12 (Auszug Gästebuch).

[17] Ernst Hanisch, Die nationalsozialistische Herrschaft 1938-1945, in: Geschichte Salzburgs - Stadt und Land, Bd.II/2, hg. v. Heinz Dopsch u. Hans Spatzenegger (Salzburg 1988), S.1157.

[18] SLA HS 926/12 (Auszug Gästebuch).

[19] Ernst Hanisch, Nationalsozialistische Herrschaft in der Provinz. Salzburg im Dritten Reich (Salzburg Dokumentationen Nr.71) (Salzburg 1983), S.230 ff.

[20] SLA PräsA 1310/52.



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