Logo Land Salzburg
von A bis Z
  

pic-ungehalten-logo.jpg

Internationale Konferenz zu Stand und Perspektiven der Frauenpolitik
27.-28. April 2000, Salzburg



Die Frauenbüros von Stadt und Land Salzburg feierten 10-jähriges Bestehen.
"Ungeh@lten", das Lebensmotto der ersten Salzburger Frauenrechtlerin Irma von Troll-Borostyáni, ist Titel der Konferenz.

Liebe Frauen,

die Frauenbüros von Stadt und Land Salzburg feierten am Beginn des dritten Jahrtausends ihr 10-jähriges Bestehen. Wir blicken zurück und ziehen Bilanz der Erfolge und Niederlagen institutioneller Frauenpolitik. Und wir schauen nach vorne und suchen Perspektiven moderner Frauenpolitik. Gerade vor dem Hintergrund der frauenpolitischen Trendwende in Österreich brauchen wir neue Themenstellungen, klare Strategien und funktionierende Netzwerke.

Für die Konferenz haben wir das Lebensmotto der ersten Salzburger Frauenrechtlerin Irma von Troll-Borostyáni (1847 - 1912) als Thema gewählt: ungeh@lten. Die international tätige Salzburger Foto- und Videokünstlerin Irene Andessner hat "Cyber-Irma" als Symbol für die Frau der Zukunft inszeniert. Um zu provozieren, Diskussionen anzuregen und einen neuen Weg zu gehen. "ungeh@lten" ins Jahrtausend der Frauen!

Einblick in das Programm

Festvortrag:
ungeH@LTEN: Frauenpolitik - eine Erfolgsgeschichte? Rückschau, Bilanz, Perspektiven - Johanna Dohnal, Frauenministerin a.D.


Podiumsdiskussion:
durchH@LTEN - von der Frauenbewegung zum Gendermainstreaming

  • Gabi Burgstaller, Landesrätin, Salzburg
  • Zita Küng, Agentur für Gendermainstreaming, Zürich
  • Gisela Lange, Referat für Chancengleichheit, Europäische Kommission, Brüssel
  • Friedl Schreyögg, Frauenbeauftragte der Stadt München

Moderation: Elfi Geiblinger, ORF Salzburg


Referat:
hinH@LTEN - Wünsche, Bedürfnisse und Forderungen von Frauen im neuen Jahrtausend
Imma Palme, Politikforscherin, IFES, Wien


Podiumsdiskussion: ausH@LTEN - Frauenidentitäten
Lifestyle: Uschi Fellner, Journalistin News, Wien
Perspektiven der Sozialisation: Anita Heiliger, Deutsches Jugendinstitut, München
Lebensraum: Eva Kail, Leitstelle "Alltags- und frauengerechtes Planen und Bauen" der Stadt Wien
Körper, Sexualität, Gesundheit: Beate Wimmer-Puchinger, Frauengesundheitsbeauftragte, Wien
Moderation: Astrid Zimmermann, Der Standard, Wien


unterH@LTEN - Galerie:Gespräch
Bürgermeister Heinz Schaden im Gespräch mit der Journalistin Barbara Coudenhove-Kalergi
Fest mit DJane Ali König


Workshops: mitH@LTEN - Strategien und Netzwerke
Frauenförderung in Betrieben: Sandra Frauenberger, Gewerkschaft der Privatangestellten, Wien
Gendermainstreaming: die neue Frauenpolitik? Zita Küng, Agentur für Gendermainstreaming, Zürich
Frauen im öffentlichen Raum: Ursula Spannberger, Architektin, Salzburg
Frauen(bild) in den Medien: Karin Stockinger, Kommunikationswissenschafterin, Salzburg
Frauen und Wirtschaft/Technologie: Birgit Weiß, Präsidentin webgrrls Österreich, Wien
Jede Teilnehmerin kann hintereinander zwei Workshops besuchen.


Während der Konferenz

  • Video-Dokumentation von "Making of Irma".
  • Ergebnisse einer Delphi-Befragung zum Thema "Wie sehen Sie die Situation der Frauen im Jahr 2020?"

Making of Irma:

Irene Andessner ist Irma von Troll-Borostyáni
Irene Andessner rollt sich ein in den Lebensentwurf einer längst verstorbenen Salzburgerin und wagt damit erneut die innere Annäherung an eine weitgehend nur noch dem Namen nach bekannte Frau, deren außergewöhnliches Leben sich in eben diesem Namen zu spiegeln scheint: Irma von Troll-Borostyáni. Eine Freidenkerin zur Zeit der Jahrhundertwende in Salzburg! Was für ein Schicksal kann das gewesen sein? Kein leichtes allemal. Aber offenbar ein gewolltes, zumindest in nicht verhindertes. Eben ein weibliches. Andessners Interesse an einem solchen exzentrischen Schicksal ist ein weiblich-solidarisch-künstlerisches. Für einen Moment wurde am Abend des 1. Februar im Salzburger Felsenkeller die erstaunliche Persönlichkeit jener Irma von Troll-Borostyáni wieder greifbar. Nicht als historische Rekonstruktion, sondern als Kunstprodukt, als Umsetzung der Hypothese, wie eine solche Frau, die sich in ihrer Zeit radikal von weiblichen Rollenklischees verabschiedete, heute benehmen würde, benehmen müsste, wenn sie selbes unternähme.
Aus: "Irene Andessner ist Irma von Troll-Borostyáni" von P. Laub

Irma von Troll-Borostyani, Feministin und Freidenkerin
Am 31. März 1847 gebar Josefine von Troll eine Tochter, das vierte und letzte ihrer Kinder, und ließ sie auf den Namen Marie taufen. Die Familie wohnte im Baumeister-Rauscher-Haus in der Griesgasse 4. Das Familienleben der Trolls bewegte sich im bürgerlichen Rahmen gehobenen Beamtentums. 1864 wurde Marie in die Klosterschule im Stift Nonnberg eingeschrieben. Der auf Normierung zielende Unterricht, mehr als klösterlicher Gewahrsam denn als Entwicklungschance erlebt, sollte ihr schlecht bekommen. Noch war sie zu sehr Kind, um dagegen zu protestieren. Dafür rebellierte der Körper. Marie Troll erkrankte, sodaß sie den Unterricht in häuslicher Zurückgezogenheit fortsetzen mußte.

Die auf Freiheit und Eigenständigkeit zielende Erziehung der Mutter bildete gegenüber der auf Anpassung bedachten Außenwelt einen Widerspruch, der zeitlebens fruchtbar blieb. Marie Troll, der "erste Bubikopf" in Salzburg, trug das Haar kurz, ihre großgewachsene Erscheinung war betont knabenhaft - und im übrigen litt sie schon bald an der provinziellen Enge und moralischen Stickigkeit des Kleinstadtlebens. 1870 gelang der als rettend empfundene Sprung nach Wien, wo sie eine Ausbildung zur Konzertpianistin anstrebte. Als sie 1882 nach Salzburg zurückkehrte, um ihrer sterbenden Mutter beizustehen, nannte sie sich mit Vornamen

Irma hatte heiratsbedingt einen ungarischen Nachnamen und dazu einen Namen als Schriftstellerin und Kämpferin für Frauenrechte, seit 1878. Ihr erstes Buch "Die Mission unseres Jahrhunderts. Eine Studie über die Frauenfrage" hatte für viel Aufsehen, einigen Beifall und heftigen Protest gesorgt. Was sie in der klerikalen Kleinstadtidylle Salzburgs auf Dauer festhielt, muß offen bleiben. Ein geeignetes Forum für ihr Engagement fand sie hier nicht, dafür einen ganzen Wald aus Reibebäumen. Aber die Stadt bot auch erfreuliche Nischen. Mit ihrer gleichgesinnten Schwester Wilhelmine zog Troll in das Haus ihrer Jugendfreundinnen Baumgartner in der Riedenburgerstraße 7, auch sie Außenseiterin im Gesellschaftsleben und künstlerisch tätig. Die Schwestern Adele und Hermine Esinger, die auf dem Mänchsberg ein idyllisch-uriges Anwesen bewohnten, boten mit ihrem großen Freundeszirkel den überlebenswichtigen Bekanntenkreis. "Da saß sie an unseren Abenden regelmäßig unter uns; ihr ernst-kluges Gesicht immer zu humorvollen Bemerkungen bereit, zu warm-menschlichem Urteil... Ihre Geistigkeit war sozusagen von breitem Format, die Zeitlage überblickend", schrieb Ludwig Prähauser über sie.

Irma von Troll-Borostyani blieb ein radikal-feministischer Findling im Salzburger Stadtleben, eine von wenigen Randerscheinungen in seinem provinziellen Kulturbetrieb. Am 10. Februar 1912 starb sie 65-jährig an einem Gehirnschlag. Auf ihrem Grabstein am Salzburger Kommunalfriedhof ließ ihre Schwester Wilhelmine eine gedenktafel anbringen: "Die tapfere Bahnbrecherin der Frauenbewegung." (Gertraud Steiner, Stadt Leben)



Rückfragen: Katharina Zehner