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Landeskrankenhaus Salzburg
Sanierung Priestergruft


Priestergruft


Planung und
Projektmanagement:
Referat 6/13 - Landeshochbau
Sachbearbeiter: Arch. Dipl.-Ing. Maximilian Schöppl
Örtliche Bauaufsicht:Referat 6/13 - Landeshochbau
Sachbearbeiter: Arch. Dipl.-Ing. Maximilian Schöppl
                           Franz Oberascher
Projektbeschreibung:  In der um etwa 1700 nach Plänen von Johann Bernhard Fischer von Erlach ge­bau­ten ba­rocken Spitalskirche befindet sich unterhalb des Kirchenraumes eine Be­gräb­nis­stät­te, die sogenannte "Priestergruft".
In der Vorhalle unmittelbar vor dem eigentlichen Kir­chen­ein­gang liegt boden­bün­dig eine schwe­re Mar­mor­plat­te, unter welcher sich der Zugang zur Gruft verbirgt. Die Gruft­ab­de­ckung ist mit einer lateinischen Inschrift versehen. Unter der Mar­mor­platte führt eine stei­le Treppe hinunter in das Columbarium, welche samt Vorzone ungefähr die Grö­ße des Kir­chen­schiffes hat. Die Treppe endet mittig in einem ca. 6,1 m langen und ca. 1,6 m brei­ten rechteckigen Raum, der ton­nen­för­mig über­wölbt ist und hinsichtlich seiner Längs­sei­te quer zur Treppe situiert ist. Geht man in Ver­län­gerung der Trep­pen­ach­se durch die Schmalseite dieser Vor­zone hindurch, so ge­langt man in den eigent­li­chen Be­stat­tungs­be­reich mit ins­ge­samt 90 Grabnischen, von denen 16 leer sind. Eine Gruftseite mit 45 Grab­stät­ten ist voll be­legt, auf der anderen Seite – der linken in Geh­rich­tung von der Treppe aus – sind 29 be­legt. Die belegten Grä­ber sind jeweils zu­ge­mau­ert.
Eine Liste aller bestatteten Priester ist im Archiv des Spitals­pfarramtes vor­han­den; eine Zu­ord­nung der Personen zu den einzelnen Be­gräb­nis­stät­ten ist jedoch großteils nicht mehr mög­lich. Der zuletzt hier Beigesetzte war der hoch­wür­di­ge Herr Spitals­kaplan M. Ke­me­ter; er wurde am 17.1.1790 in der Grabnische Nr. 23 zur letzten Ruhe gebettet.
In der Gruftapsis (gegenüber dem Zugang) steht gleichsam als Blickfang eine große, aus Untersberger Marmor gemeißelte Vase, in welcher Eingeweide des Spitals­stifters und Kir­chen­bau­herrn, des Erzbischofs Johann Ernst Graf von Thun (1687 – 1709) be­stat­tet sind. Die Vase wurde 1708 von einem un­be­kann­ten Steinmetz hergestellt und hat fol­gen­de Ab­mes­sun­gen: Höhe 145 cm, größte Breite 80 cm, Höhe ab Vasensockel 118 cm, Hö­he ab Kon­glo­me­rat­sockel 213 cm.
Die Belüftung des Columbariums wird durch zwei Lüftungsöffnungen im Ge­wöl­be­be­reich bewerkstelligt. Quer durch das Gewölbe wurde irgendwann vor 1952 äußerst lieblos ein massiver Unterzug eingebaut, welcher leider den sehr wür­digen Ge­samt­ein­druck beeinträchtigt.
Inschrift auf der
Gruftabdeckung:
STA VIATOR! BLEIBE STEHEN, WANDERER!
PRESBYTER PRIESTER
Lassus est? habes Diversorium Bist Du müde? Hier hast Du eine Herberge.
Infirmus est? Nosocomium Bist Du krank? Da hast Du ein Krankenhaus.
Mortuus? Ecce Sepulchrum Bist Du tot? Siehe, hier ist ein Grab.
In Via Æternitatis ne erres, Damit du auf dem Weg der Ewigkeit nicht irrest,
PRÆCURSOREM HAST DU DEN VORLÄUFER
DOMINI DES HERREN
Coram Iudice ne desit Damit dir vor dem Richter der Fürsprecher
      Advocatus       nicht fehle,
VOCEM CLAMANTIS HAST DU DIE STIMME DES RUFENDEN:
MISERERE! ERBARME DICH!
(freie Übersetzung)
Inschrift auf der Vase:
IOANNES ERNESTUS Johann Ernst
ARCHIEPISCOPUS ET PRINC. Salzburger Erzbischof und Fürst
      SALISBURGENSIS
S. SEDIS APOSTOLICÆ LEGATUS Legat (Gesandter) des Heiligen Stuhles
EX COMIT. DE THUN &c. &c. aus dem Geschlechte der Thun.
VERUS PATER PAUPERUM, Ein wahrer Vater der Armen,
QUOS INTIMIS IN VISCERIBUS die er im Innersten als Freunde
      DILEXIT,       schätzte,
DUM VESTIMENTA NUDIS, welcher die Nackten bekleidete,
CIBUM ESURIENTIBUS, den Hungernden Speise
ET POTUM DEDIT SITIENTIBUS, und den Durstigen Trank gab,
AC ÆGRIS MEDICUM und den Kranken Hilfe
ANIMÆ ET CORPORIS für Seele und Körper bot
CUM AMPLIUS NON HABERET, Weil er nicht mehr hatte,
QUOD DARET PAUPERIBUS, was er den Armen geben konnte,
SUA VISCERA HUC DEDIT. ließ er hier seine Eingeweide bestatten.
OBIIT Er starb
XX. APRILIS ANNO MDCCIX. am 20. April im Jahre 1709.
(freie Übersetzung)
Durchgeführte
Sanierungen:
Sämtliche Sanierungsmaßnahmen wurden im Detail mit dem Bun­des­denk­mal­amt, mit der Spi­tals­lei­tung sowie mit dem Spitalspfarrer abgestimmt.
An der gruftabdeckenden Marmorplatte wurden die abgebrochenen Ecken mit Kunst­stein aus­ge­bes­sert. Die Inschrift wurde nachgraviert und sepiabraun ein­ge­färbt.
Der vorhandene Altputz an den Gruftwänden stellte sich großteils als nicht mehr sa­nier­bar heraus; er musste deshalb abgeschlagen und durch einen neuen at­mungs­aktiven Kalk­ze­ment­mör­tel ersetzt werden. Die Stiegen­ein­fassungs­wände, Teile der Vorzone, so­wie das gemauerte tonnenförmige Gewölbe blieben un­ver­putzt.
Die Gruft wurde "gebrochen weiß" ausgemalt. Im Bereich der Marmorvase wurde das Weiß etwas stärker gebrochen, sodass die Wandnische geringfügig dunkler erscheint. Die teil­wei­se noch vorhandene Nummerierung der Grabkammern wur­de sepiabraun nach­gemalt.
Eine Tafel mit Namen, Geburts- und Sterbedaten aller in der Gruft bestatteten Pries­ter wur­de neu angefertigt und in der Vorzone angebracht.
An der Vase waren keine Restaurierungsarbeiten erforderlich.
Die belegten Grabnischen wurden nicht geöffnet.
Zeitlicher
Ablauf:
Erstmalige Gruftöffnung seit 1952: 03.10.1986
Projektvorbereitung: Sommer 1987
Sanierungsbeginn: 07.09.1987
Fertigstellung: November 1987
 
Sanierungskosten:€ 11.000,-- zuzüglich 20 % Ust.


Rückfragen: HR Arch. Dipl.-Ing. Maximilian SCHÖPPL, Telefonnummer +43 (0) 662 8042-4400