Projekt Peter Szely

Konzeptidee

Intro:
Bei der Installation, die ich für Zell am See plane, handelt es sich um eine klangarchitektonische Intervention in Form einer Mehrkanalklanginstallation. Ihr Ziel ist es, die akustische Lebendigkeit der in das Projekt zu integrierenden Häuser (Stadtplatz 1, Stadtplatz 5, Saalfeldener Straße 10) und der darin agierenden Menschen zu künstlerischem Material umzucodieren, die Räume damit zu bespielen bzw. in akustischen Dialog treten zu lassen.

Grundlegende Gedanken:

1. Jedes Haus hat einen akustischen Charakter:
Jedes Haus hat eine einzigartige Akustik, vorgegeben von der Architektur der Räume, den verwendeten Materialien und Strukturen, in denen sich der Klan einzigartig verhält. Die Reflexion des Schalls von einer glatten Oberfläche verhält sich anders als jene einer stark strukturierten Oberfläche, was zur Folge hat, dass ein identer Klang in unterschiedlichen Räumen verschieden klingt, die Beschaffenheit des Raumes wirkt wie ein Filter.
Somit hat jedes Haus sozusagen eine einzigartige Klangaura, die sich aber nicht nur durch die baulichen und somit die Akustik bestimmenden Unterschiede auszeichnet, sondern auch durch die Art der Nutzung des Gebäudes (Schule, Amtshaus, Kaufhaus, Wohnhaus etc.) differenziert. Die Menschen und ihre Tätigkeiten, die sie in diesem Gebäude verrichten, sind ein wesentlicher Bestandteil der Klangaura. So entsteht eine singuläre Akustik, ähnlich einem Fingerabdruck eines Menschen. Diese Tatsache ist ein tragendes Moment der Installation.
Die Klänge sind wie begleitende Schatten der Menschen, die diese Gebäude benützen und sind gleichzeitig Informationen und Spiegelungen von Stimmungen und Energien, die diese Gebäude beleben. Somit ist es möglich, durch die künstlerische Verarbeitung von diesen Klängen, Informationen, die Gebäude auf einer virtuellen Ebene abzubilden und den virtuellen Raum gleichsam in den realen Raum zu integrieren. Dieser Subraum enthält die weiterverarbeiteten Informationen des realen Raumes und es kommt somit zu einer Verdichtung und Synchronisierung von oben erwähnten Stimmungen und Energien.

2. Die akustischen Abbilder der Häuser treten in Dialog:
Wie oben beschrieben werden nun diese Klangauren untereinander vernetzt – sie treten in Kommunikation und Dialog zueinander. Dabei werden die klanglichen Informationen, die die singuläre Akustik und Nutzung des Gebäude eingeschrieben haben, an die jeweils anderen Orte weitergeleitet und mischen sich dort mit der Klangaura vor Ort. Somit entstehen in den einzelnen Häusern Kraftfelder auf akusmatischer Ebene, die sich nicht nur aus der eigenen Klangaura speisen, sondern auch die künstlerisch weiterbearbeiteten Klanginstallationen der anderen Räume in sich tragen.

3. Synthese/Eine neue Rezeptionsebene entsteht:
Aufgrund dieses Dialoges ergibt sich für die Menschen die Möglichkeit, die einzelnen Gebäude und deren Betriebsamkeit auf einer neuen klangarchitektonisch ausgestalteten Rezeptionsidee zu erfahren. Somit wird der scheinbar starren Wahrnehmung der Häuser eine neue dynamische Ebene der Wahrnehmung hinzugefügt, die als Interface zwischen den Menschen und der Architektur gelesen werden kann. Die Menschen agieren wie Katalysatoren, sie bringen die Installation in Gang, die Klangarchitektur ist wie ein Organismus, der von Reizen von außen gespeist wird und so den scheinbar starren Häusern eine oszillierende, schwingende Lebendigkeit verleiht.

Kurzbeschreibung der Installation:
In den einzelnen Häusern wird jeweils ein System an Signalinputs (Mikrofone), Signalempfänger/-wandler (Computer, Soundkarte, elektronische Verfremdungsmodule) und Signaloutputs (Verstärker, Lautsprecher) installiert. Dabei dienen vier bis sechs Mikrofone (je Haus), die in den Häusern an exponierten Stellen angebracht werden, als Signalinputs. Die Mikrofone fangen die Lebendigkeit und Betriebsamkeit der Bezirkshauptmannschaft ein.
Diese Informationen werden in einem Computer in einem Soundpool eingelagert und dort mithilfe von Computer-Plug-ins und elektronischen Verfremdungsmodulen weiter verarbeitet. Mittels einer Software, einer Public Data – Lösung wird das Material an die Signaloutputs so weitergeleitet, dass sich der Klang im Raum bewegt und einen eigenen virtuellen Raum beschreibt. Die einzelnen Aufnahmen der Mikrofone (Signalputs) werden somit ihrer Umgebung entnommen und durch die Bearbeitung im Computer so modifiziert, dass das daraus resultierende Klangmaterial einen abstrakten Charakter erhält.
Von dem Computer aus wird dieses Material nun mittels einer Mehrkanal (8-Kanal) Soundkarte auf die im Raum gruppierten Lautsprecher verteilt. Dabei handelt es sich um Kleinlautsprecher, die als visuelles Element so neutral wie möglich platziert sind. Dieses hier beschriebene Netzwerk wird in allen drei Gebäuden installiert.
Über ein Real-Audio-Streaming sind die Systeme untereinander im Austausch. Sie treten gleichsam in einen Dialog ein und bilden somit eine virtuelle Verschränkung der drei voneinander physisch getrennten Gebäude. Somit wird jeder einzelne Raum auch mit den Informationen der anderen Räume gespeist; es entsteht eine dynamische Klangarchitektur, die sich aus den Geräuschen und Klängen der drei Räume speist.

Interaktivität:
Wie bereits oben erwähnt, sind die Menschen, deren Gesprächsfetzen, deren Schritte und Lachen, sowie die einem Amtsgebäude immanente Geräuschkulisse (Telefon, Computertastatur, Fax, Durchsagen etc.) Katalysatoren für die Installation. Somit sind die Menschen in den Gebäuden selbst Material und Ausgangspunkt. Um der Beteiligung der Menschen im Bezirk Nachdruck zu verleihen, denke ich bei der Installation auch an ein eigenes Mikrofon, in das jede/r Interessierte/r, bewusst Wörter, Sätze oder Geräusche sprechen kann, die dann ebenso mit den Klängen der anderen Räume künstlerisch vermischt werden: Es könnten sich sozusagen zu einer Art „offenen Kanal“ für die Menschen entwickeln.

Betrieb:
Die Installation ist auf mehreren Ebenen realisierbar:
1. Als permanente Installation: Dabei ist es möglich, auf die einzelnen Computer mittels eines ftp-Servers Zugriff zu haben und somit die Installation über das Netz zu überwachen und zu warten. Das restliche Equipment (24 Kleinlautsprecher, 12-18 Mikrofone, Verkabelung) ist – bei Bedarf – in einem vor Ort mit Sicherheit vorhandenen Fachgeschäft einfach zu reparieren.
2. Als temporäre Installation: Dabei würde es sich um eine Art „Ausstellung“ mit einer festzulegenden Laufzeit handeln. Auch gibt es natürlich die Möglichkeit (z.B. zur Eröffnung), eine von mir live gesteuerte Klangarchitektur (ähnlich einem Konzert) zu realisieren.
3. Mischvariante: Während der Laufzeit einer temporären Installation kann man die verschiedenen Klangweiten einfangen bzw. aufnehmen und nach Ende in Form einer CD in den Räumlichkeiten der Bezirkshauptmannschaft abspielen.



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