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Salzburger Landespreis für Erwachsenenbildung und Öffentliches Bibliothekswesen

Preisträger und Preisträgerinnen 2009/2010

Landeshauptfrau Maga Gabi Burgstaller hat am 14.1.2010 in St. Virgil folgende Preise überreicht:


Innovationspreis

  • 1. Preis
    Projekt „Mut zum Leben“
    Klaus Burmann, Renate Gantschnigg, Brigitte Krause, Frieda Lanschützer, Klaus Rathgeb, Gustl Schoberleitner, Herta Wallner
  • 2. Preis
    Projekt „LebensSpuren. Begegnung der Generationen: Projekte – Ideen - Impulse“
    Elisabeth Zehetmayer, Salzburg
  • 3. Preis
    Projekt: Zeitspuren
    Mag. Andreas Deusch


Praxispreis

Landeskorrespondenz vom 14.1.2010

Innovationspreis
Erster Preis in Höhe von 3.000 Euro
Katholische Bildungswerke Pinzgau – Projektgruppe „Mut zum Leben“

Klaus Burmann, Renate Gantschnigg, Brigitte Krause, Frieda Lanschützer, Klaus Rathgeb, Gustl Schoberleitner, Herta Wallner

Landeshauptfrau Gabi Burgstaller überreicht den 1. Innovationspreis an „Mut zum Leben“
vlnr: Gustl Schoberleitner, Klaus Rathgeb, Herta Wallner, Frieda Lanschützer, Renate Gantschnigg, Brigitte Krause, Klaus Burmann, LHF Gabi Burgstaller

Seit knapp 20 Jahren verfolgt die Projektgruppe „Mut zum Leben“ im Pinzgau ein österreichweit ziemlich einzigartiges Projekt. Den Ausgangspunkt bildete das Anliegen, gegen die drückende und bedrückende Last einer hohen Depressions- und Suizidrate im Bezirk mit Mitteln der Bildung Signale der Ermutigung zu setzen. Dafür wurde die Gruppe bereits 1992 mit einem Landespreis für Erwachsenenbildung ausgezeichnet.

In der Zwischenzeit haben sich daraus eine stark vernetzte Initiative und damit ein völlig neues Projekt mit Wirksamkeit in weiten Teilen des Bezirkes, entwickelt. Die denkerische und strategische Basis bildet nach wie vor das Projektteam.

Neben der Hauptschiene über das Katholische Bildungswerk sind unter anderem Sozialhilfeeinrichtungen, das Bundesheer, die Lions oder Theatergruppen wichtige Partner.

Die Themenpalette ist sehr breit und reicht von „Trauer“, „Kränkung“, „Sucht“, „Kommunikation“, „Alkoholismus“, „Bulimie“ bis zur Beschäftigung mit „Lebensübergängen“. Der neueste Schwerpunkt nennt sich „Mannsbilder“. Dieses spannende Unterfangen möchte für die häufig für sensible Lebensfragen aufs erste eher schwer erreichbare Gruppe der Männer neue Zugänge schaffen – Zugänge unter anderem zu ihrer Gefühlswelt oder zu ihrem Gesundheitsbewusstsein.

Die Initiative setzt auf Teamarbeit im Hintergrund und auf einen langen Atem. Sie greift mutig aktuelle und teilweise tabuisierte oder in ihrer Bedeutung öffentlich unterschätzte Themen mitten aus dem Leben auf und trägt damit wesentlich dazu bei, dass Erwachsenenbildung existentiell wesentlich wird. Das Ziel der Tätigkeit ist, Beiträge zu leisten, um Betroffenen Lebensmut zu geben und Menschen zu einem gelingenden Leben zu ermächtigen.

Charakteristisch ist das Bemühen, die Themen regionalspezifisch zuzuschneiden. Methodisch geht man verstärkt neue Wege abseits von Vorträgen. Im Vordergrund stehen Netzwerkarbeit und die Arbeit in Selbsthilfegruppen und Austauschforen.

Das Projekt entzieht sich dem Diktat der vollen Säle und der schnellen Erfolge. Es verfolgt konsequent ein Konzept der Bildung als Hilfe zur Selbsthilfe. Und das Projekt erbringt damit eine in ihrer Bedeutung nicht zu unterschätzende Versorgungsleistung für die Region.

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Innovationspreis
Zweiter Preis in der Höhe von 2.200 Euro
Projekt: LebensSpuren. Begegnung der Generationen: Projekte – Ideen - Impulse
Elisabeth Zehetmayer, Salzburg

Elisabeth Zehetmayer

Die Wiege dieses Projekts steht in der Öffentlichen Bibliothek der Pfarre Aigen. Alles begann 1997 mit einer Präsentation des Bilderbuchs „Der rote Ball“ mit Dias und Musik zum Thema „Begegnung zwischen Jung und Alt“ im Pfarrsaal Aigen. Es folgten Erzählcafés unter dem Titel „Erzähl doch mal“. Dabei konnten die Kinder ältere Menschen mitbringen, die aus ihrer Kindheit, vom Alltäglichen oder Besonderen in ihrem Leben zu erzählen wussten.

Ein Hauptziel des Projekts ist es also, die Generationen über das Lesen miteinander ins Gespräch zu bringen. Als nachhaltiges Ergebnis sollte ein veränderter Blick der jungen Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf Leben und Denken der älteren Generation und umgekehrt, der Seniorinnen und Senioren, auf die nächste und übernächste Generation bleiben.

Der Öffentlichen Bibliothek kommt hier die Funktion zu, Räume zu Information und Beratung, zu Lernen und Bildung, zu Begegnung und Kommunikation, zu Aktivierung und Motivation bereit zu stellen.

Frau Zehetmayer hat in den Jahren seither kontinuierlich Grundlagen für dieses Projekt ausgearbeitet und Praxishilfen entwickelt. Ein zentrales Element des Projekts bildet die umfangreiche LebensSpuren-Projekttasche. Multiplikatorinnenseminare in Form von Informationsveranstaltungen und Workshops finden inzwischen in allen Bundesländern statt und zahlreiche Bibliotheken haben das Projekt zumindest in Teilen übernommen.

Seit 2003 werden die Lesungen und Gespräche durch themenspezifische Schreibwerkstätten ergänzt. 2007 kam der Literaturgesprächskreis „Literatur am Nachmittag“ dazu, seit 2009 werden gezielt „Vorlesepatenschaften“ angeboten.

Die Preisträgerin, die ehrenamtlich in der Öffentlichen Bibliothek der Pfarre Aigen tätig ist, hat inzwischen alle Hände voll damit zu tun, das inzwischen beträchtliche Netzwerk zu koordinieren und auszubauen.

Besonders beeindruckt hat die Jury die Dynamik und die Nachhaltigkeit der Initiative sowie das ständige Bemühen, innovative Elemente in den Praxisunterlagen und im Veranstaltungsangebot einzubauen. Bemerkenswert sind auch der Methodenreichtum, den Frau Zehetmayer im Laufe der Jahre entwickelt hat und die inhaltliche Breite des Projekts. In all diesen Belangen ist das Projekt beispielgebend.

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Innovationspreis
Dritter Preis in der Höhe von 1.200 Euro
Projekt: Zeitspuren
Mag. Andreas Deusch, Eugendorf

Bild: Andreas Deusch

Den Ausgangspunkt des 2004 gestarteten Projekts bildete das Thema „Archäologie“. Neben der Wissensvermittlung sollte vor allem für die Thematik sensibilisiert werden. In erster Linie bestand die Absicht, einen Pool an ehrenamtlichen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen für archäologische Projekte, insbesondere für Grabungen, Fundsicherungen und Nachbauten zu schaffen und ein Netzwerk von Meldern für archäologische Funde zu knüpfen. Bereits im ersten Jahr fanden die ersten sieben angebotenen Seminare 161 Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

In den Folgejahren wurde das Projekt um je ein Thema pro Jahr erweitert. Baudenkmäler – Erdgeschichte – Anthropologie – Flora und Fauna – Kunstbegegnung – Geschichte. Inzwischen ist die Zahl der Angebote auf 94 im Jahr 2008 angewachsen. Mehr als 1300 Menschen nahmen in diesem Jahr an den Seminaren und Exkursionen teil.

Das Projekt ist grenzübergreifend und will Erwachsene sowohl aus Salzburg als auch aus dem bayerischen EuRegio-Raum ansprechen.

Im Vordergrund steht die lebendige und praxisorientierte Wissensvermittlung gleichsam mit allen Sinnen. Wo es möglich ist, können sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihr Wissen selber aktiv erarbeiten, zB durch Bearbeiten von Materialien, Begehungen, archäologische Grabungen, Bestimmen von Pflanzen oder Fossilien oder durch das selbständige Mauern eines Rundbogens. Hervorragende Fachleute aus Salzburg und Bayern stehen zu den jeweiligen Themengebieten beratend und informierend zur Verfügung. Auf fächerübergreifende Wissensvermittlung wird großer Wert gelegt.

Das Bildungsprojekt verdankt sein Gelingen wesentlich guten Projektpartnerschaften, wie zB mit dem Salzburg Museum, der Universität Salzburg, dem Bundesdenkmalamt, dem Bajuwarenmuseum Waging oder dem Nationalpark Berchtesgaden.

Neben den rein fachlichen Aspekten zielt das Projekt auch auf ein verbessertes Kennenlernen oft weniger bekannter Regionen mit ihren Problemstellungen und ihren spezifischen Gegebenheiten in der Nachbarschaft Salzburg-Bayern ab. Der Preisträger will vor allem auch die Wertschätzung der Natur und der Leistungen unserer Vorfahren in der genannten Region fördern.

Die Finanzierung erfolgt ausschließlich über Teilnehmerbeiträge.

In dieser Form ist das Projekt für Österreich einmalig.

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Praxispreis zu je 1.500 Euro

Bezirksschulinspektor Robert Grießner, Muhr

Bild: Robert Grießner

Robert Grießner leitet seit 1985 das Salzburger Bildungswerk in Muhr und wirkt seit 2004 außerdem als ehrenamtlicher Bezirksleiter des Salzburger Bildungswerkes.

Im Mittelpunkt der Bemühungen standen anfangs der Aufbau eines Bildungszentrums und die Entwicklung eines umfassenden Bildungskonzepts für die Gemeinde unter dem Titel „Für eine lebenswerte Wohnsitzgemeinde Muhr“, das Weiterbildung für alle Bevölkerungsteile ermöglichen soll.

Dieses Anliegen umfasste im Wesentlichen die Errichtung einer geeigneten Infrastruktur für Bildungsveranstaltungen in Form eines Bildungszentrums, die zeitliche und inhaltliche Abstimmung des Programms auf die spezifische Pendlersituation des Ortes und auf die Bevölkerungsstruktur, sowie die Förderung und Unterstützung der Vereine im Ort.

Mit diesen Aktivitäten hat Robert Grießner wegweisende Pionierarbeit in der Weiterbildung am Land überhaupt und im Salzburger Bildungswerk im Besonderen geleistet. Nicht allzu viele Landgemeinden sonst verfügen über ein „Bildungskonzept“.

BSI Grießner ist es gelungen, Weiterbildung zu einem festen und selbstverständlichen Bestandteil im gesellschaftlichen und persönlichen Leben der Muhrer Bevölkerung zu machen.

Die Liste der unter seiner Leitung erstellten und erfolgreich durchgeführten Bildungsangebote ist lang. Sechs Bildungs- und Nationalparkwochen wurden konzipiert und insgesamt etwa 460 Veranstaltungen organisiert, die knapp 16.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer zählten. Ein mehr als kräftiges Lebenszeichen eines kleinen örtlichen Bildungswerkes.

Als Bezirksleiter hat Robert Grießner den vorher begonnenen Weg, ein flächendeckendes und aktives Netz an Bildungswerken aufzubauen und zu begleiten erfolgreich fortgesetzt. Darüber hinaus ist er unter anderem als Nebenstellenleiter und Kursleiter der Salzburger Volkshochschule und als Obmannstellvertreter des Muhrer Nationalpark- und Kulturvereins tätig, und kann hier in bester Weise die sich so ergebenden Synergiechancen nutzen.

Das Denken über den eigenen „Tellerrand“ hinaus, die ständige Suche nach neuen Wegen in der örtlichen und regionalen Weiterbildung, sein verbindlicher Umgang mit Menschen, sein langer „Atem“ in der Umsetzung von Anliegen und seine hohe Fachkompetenz bilden herausragende Merkmale seiner Tätigkeit.

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Gertrude Rakusan, Bürmoos

Bild: Gertrude Rakusan

Frau Gertrude Rakusan engagiert sich seit 15 Jahren vorbildhaft und unermüdlich für die Integration von Behinderten und Nichtbehinderten in ihrer Wohngemeinde Bürmoos.

Ausgehend von der eigenen Betroffenheit durch ihre mehrfach behinderte Tochter entstand 1994 die Idee, eine Gruppe zu gründen, in der sich Alt und Jung, Behinderte und Nichtbehinderte regelmäßig treffen und austauschen können. So hat sie die Eltern-Kind-Gruppe „Integratives Soziales Aktives Leben“, kurz ISAL, in Bürmoos ins Leben gerufen.

Mit persönlichem Engagement und Ideenreichtum baute Frau Rakusan das Projekt auf. Ziel war die soziale Integration von Kindern, Behinderten und Senioren und Seniorinnen.

Durch das aktive miteinander Tun und voneinander Lernen sind über die Jahre viele tragfähige Kontakte entstanden, die Menschen vor allem in schwierigen Lebenssituationen begleiten und halten können.

Frau Rakusan hat sich auf diese Weise aktiv in das gesellschaftliche Leben ihres Wohnortes eingebracht. Inzwischen ist ihre Initiative zu einem unentbehrlichen Fixpunkt im pfarrlichen und kommunalen Leben von Bürmoos und zu einem Symbol gegen die Resignation in schwierigen Lebenssituationen geworden.

In unzähligen ehrenamtlichen Stunden hat Frau Rakusan anspruchsvolle Angebote entwickelt und war vielfach auch selbst als Referentin tätig.

Durch ihre Initiative wurde der Alltag für viele Behinderte und deren Angehörige bunter und erträglicher. Großen Anklang fanden die jährlich in den Sommerferien stattfindenden thematischen Projektwochen.

Auch für Frau Rakusan selber war und ist Weiterbildung ein wichtiger Bestandteil ihres Lebens. So hat sie im Laufe der Jahre eine Vielzahl von Zeugnissen und Zertifikaten erworben. Unter anderem erhielt sie 2007 das staatliche Diplom als Erwachsenenbildnerin im Fachbereich Seniorinnenbildung.

Frau Rakusan lebt mit ihrer Arbeit hohes persönliches Engagement für soziale Bildung im eigenen Lebensumfeld vor. Ihre Arbeit ist ein ermutigendes Signal dafür, nicht im eigenen, mitunter nicht leichten Schicksal verhaftet zu bleiben, sondern die eigene Betroffenheit und Erfahrung zu nutzen, um anderen Menschen Mut zu machen.

Am 18. September 2009 hat die Eltern-Kind-Initiative ISAL Bürmoos mit einem Fest ihr 15-jähriges Bestehen gefeiert. Der Preisträgerin und der Initiative herzlichen Glückwunsch dazu.

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Die Laudationes wurden von Professor Dr. Martin Wiedemair verfasst.

Landeskorrespondenz vom 14.1.2010

Rückfragen: Mag. Robert Luckmann