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Streuobstwiesen als Lebensraum

Bauernhaus mit Streuobstbestand bei Unken  Foto: G.Jaritz Reifer Apfel - Nahrungsquelle für eine Vielzahl von Tieren  Bildquelle: www.pixelio.de
Bauernhaus mit Streuobstbestand in Unken. Bild:Jaritz Reifer Apfel - Produkt einer Streuobstwiese Bildquelle:www.pixelio.de


Streuobstwiesen sind anthropogene Lebensräume

Streuobstwiesen sind mehrfach nutzbare, hochstämmige Baumbestände auf Dauergrünland; mit Obstbäumen bestandene Flächen, die nicht nur der Ernte von Früchten wie Äpfel oder Birnen, sondern gleichzeitig auch der Gewinnung von Heu oder als Weide dienen. Sie sind besonders in den Bundesländern Salzburg, Kärnten, Oberösterreich, Burgenland, Vorarlberg und Steiermark anzutreffen. Streuobstwiesen sind definiert als mindestens zweizeilige, lockere Bestände von verschiedenen Obstbäumen: Apfel, Birne, Kirsche, Eberesche (Vogelbeere) und Walnuss sind sie wichtigsten, die häufig idyllisch in der Nähe von Gehöften liegen. Im Frühjahr oder Frühsommer erfreuen sie uns mit ihrer Blütenpracht, im Herbst belebt ihr bunt gefärbtes Laub die Landschaft.

Streuobstwiesen tragen zur Erhaltung alter, an das jeweilige Lokaklima angepasster Obstsorten bei. Sie sind auch Elemente zur Hangsicherung und zum Wasserrückhalt.  Sie dienen dem Wild als Futterquelle. Streuobstwiesen sind  Vermehrungshabitate von Nützlingen  und sind wegen seiner tierökologischen Bedeutung hervorzuheben. Streuobstwiesen sind wesentliche Bestandteile der Biotopverbundsysteme.

Streuobstwiesenpflege kann im Bundesland Salzburg gefördert werden. Für die Förderung muss der extensive Charakter gegeben sein, das heißt, es dürfen nur autochtone (bodenständige) Hochstammsorten gepflanzt werden, außerdem muss auf synthetische Pflanzenschutzmittel verzichtet werden, es darf nicht intensiv mit Handelsdünger gedüngt werden und die Nutzung (Beweidung, Mahd) nicht vor dem 1.6. (unter 600m N.N.) bzw. vor dem 10.6. (über 600m N.N.) stattfinden (Antragsformulare siehe unten)
Durch die Intensivierung der Landwirtschaft (Viehwirtschaft) und wegen der mit dem Streuobstwiesenbau verbundenen Arbeit (Pflege, Ernte) tritt dieser Biotoptyp leider immer mehr in den Hintergrund.

Sie sind Wohn- und Nahrungshabitat  für zahlreiche Tierarten

Streuobstwiesen bieten  Nahrung und Behausung für viele Tierarten: Schon im Frühling während der Obstblüte werden zahlreiche Insekten angelockt: Bienen, Hummeln und Schmetterlinge, die für die Bestäubung sorgen, Wespen, Schlupfwespen und holzbewohnende Käfer. Es muss nicht extra erwähnt werden, dass durch diesen Insektenreichtum viele andere Tiere wie Igel, insektenfressende Vögel und Fledermäuse angelockt werden.

n Streuobstwiesen finden auch alte Bäume Platz, deren Stämme und Äste schon anmorsch, hohl  sind; dadurch bieten sie einer Vielzahl von Tieren Unterschlupf und sind ein wichtiges Wohn- und Bruthabitat wie verschiedene Specht- und Eulenarten. Sie sind Wohnhabitat von mehr als 50, teilweise gefährdeten Singvogelarten. Viele Vogelarten bauen ihre Nester erst ab einer gewissenen Baumhöhe und bemötigen einen Verbund an extensiv genutzten Biotopen. Auch für die europaweit seltenen Schläferarten sind sie ein wichtiges Wohnhabitat.
In der Reifezeit des Obstes finden wir wieder viele Tierarten, die der Mensch zwar nicht so sehr schätzt, die aber wichtige Glieder im Kreislauf der Natur sind: Wespen, Hornissen, Würmer und Spinnentiere. Auch Schmetterlinge werden vom süßen Duft des Obstes angelockt. Herabgefallene, faulende Früchte sind Nahrungssubstrat und Lebensraum von Bienen, Wespen, Schlupfwespen, Ameisen und Fliegen. Wegen dieses Insektenreichtums während der Obstzeit wird die Streuobstwiese gerne von Vögeln und Igeln besucht. Für Fledermäuse ist dieser Biotoptyp ein wertvolles Jagdhabitat.
Laut verschiedenen Erhebungen sind auf einem Ostbaum bis zu 320 verschiedene Tierarten, außerdem viele Algen, Moose, Pilze und Flechten vorhanden. Die Einheit Baum-Wiese präsentiert einen äußerst wichtigen Lebensraum.

Die "Streuobstwiesennutzung" durch Tiere findet aber auch im Winter statt: Viele Vögel bessern ihr ohnehin karges Futterangebot durch den einen oder anderen am Baum verbliebenen Apfel oder Birne auf, oder graben die gefrorenen Früchte aus dem Schnee aus.

Es ist wichtig, dass Streuobstwiesen als sogenannter Trittstein für die genannten Tierarten, deren Lebensraum durch die Umstrukturierung der Landwirtschaft, ohnehin knapp wird, erhalten bleiben, und gerade die bäuerliche Bevölkerung durch geeignete Öffentlichkeitsarbeit dahingehend sensibilisiert wird. Der Naturschutz bietet mit seinem Förderungsprogramm dazu seine Hilfe an.

Links zum Thema Streuobstwiesen
Obst und Naturschutz
Ökologie der Streuobstwiesen
Information der Landwirtschaftskammer zum Thema
(genaue Förderungsrichtlinien)
Formulare für Förderungsantrag
Formular (doc), Formular (pdf)

link nach oben

Literatur: GRILL, D. und H. KEPPEL (2005):  Alte Apfel- und Birnensorten für den Streuobstbau. Leopold Stocker Verlag Graz - Stuttart

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Vogel des Jahres 2006
Rückfragen: Mag.Michael Hubka
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