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Streuobstwiesen als Lebensraum

Bauernhaus mit Streuobstbestand bei Unken  Foto: G.Jaritz Reifer Apfel - Nahrungsquelle für eine Vielzahl von Tieren  Bildquelle: www.pixelio.de
Bauernhaus mit Streuobstbestand in Unken. Bild:Jaritz Reifer Apfel - Produkt einer Streuobstwiese Bildquelle:www.pixelio.de


Streuobstwiesen sind anthropogene Lebensräume

Streuobstwiesen sind mehrfach nutzbare, hochstämmige Baumbestände auf Dauergrünland; mit Obstbäumen bestandene Flächen, die nicht nur der Ernte von Früchten wie Äpfel oder Birnen, sondern gleichzeitig auch der Gewinnung von Heu oder als Weide dienen. Sie sind besonders in den Bundesländern Salzburg, Kärnten, Oberösterreich, Burgenland, Vorarlberg und Steiermark anzutreffen. Streuobstwiesen sind definiert als mindestens zweizeilige, lockere Bestände von verschiedenen Obstbäumen: Apfel, Birne, Zwetschke, Kirsche sind die wichtigsten Obstsorten. Daneben findet man regional auch Ebereschen (Vogelbeere) und Walnussbäume. Im Frühjahr oder Frühsommer erfreuen sie uns mit ihrer Blütenpracht, im Herbst belebt ihr bunt gefärbtes Laub die Landschaft.

Streuobstwiesen tragen zur Erhaltung alter, an das jeweilige Lokalklima angepasster Obstsorten bei. Sie sind auch Elemente zur Hangsicherung und zum Wasserrückhalt.  Sie dienen vielen Tierarten als Lebensraum und Nahrungsquelle. Streuobstwiesen sind  Vermehrungshabitate von Nützlingen  und sind wegen ihrer tierökologischen Bedeutung hervorzuheben. Streuobstwiesen sind wesentliche Bestandteile der Biotopverbundsysteme.

Streuobstwiesenpflege kann im Bundesland Salzburg gefördert werden.

Detaillierte Informationen

Sie sind Wohn- und Nahrungshabitat  für zahlreiche Tierarten

Streuobstwiesen bieten  Nahrung und Behausung für viele Tierarten: Schon im Frühling während der Obstblüte werden zahlreiche Insekten angelockt: Bienen, Hummeln und Schmetterlinge, die für die Bestäubung sorgen, Wespen, Schlupfwespen und holzbewohnende Käfer. Es muss nicht extra erwähnt werden, dass durch diesen Insektenreichtum viele andere Tiere wie Igel, insektenfressende Vögel und Fledermäuse angelockt werden.

In Streuobstwiesen finden auch alte Bäume Platz, deren Stämme und Äste schon morsch, hohl  sind; dadurch bieten sie einer Vielzahl von Tieren Unterschlupf und sind ein wichtiges Wohn- und Bruthabitat wie für verschiedene Specht- und Eulenarten. Sie sind Wohnhabitat von mehr als 50, teilweise gefährdeten Singvogelarten. Viele Vogelarten bauen ihre Nester erst ab einer gewissen Baumhöhe und benötigen einen Verbund an extensiv genutzten Biotopen. Auch für die europaweit seltenen Schläferarten sind sie ein wichtiges Wohnhabitat.
In der Reifezeit des Obstes finden wir wieder viele Tierarten, die der Mensch zwar nicht so sehr schätzt, die aber wichtige Glieder im Kreislauf der Natur sind: Wespen, Hornissen, Würmer und Spinnentiere. Auch Schmetterlinge werden vom süßen Duft des Obstes angelockt. Herabgefallene, faulende Früchte sind Nahrungssubstrat und Lebensraum von Bienen, Wespen, Schlupfwespen, Ameisen und Fliegen. Wegen dieses Insektenreichtums während der Obstzeit wird die Streuobstwiese gerne von Vögeln und Igeln besucht. Für Fledermäuse ist dieser Biotoptyp ein wertvolles Jagdhabitat.
Laut verschiedenen Erhebungen sind auf einem Ostbaum bis zu 320 verschiedene Tierarten, außerdem viele Algen, Moose, Pilze und Flechten vorhanden. Die Einheit Baum-Wiese präsentiert einen äußerst wichtigen Lebensraum.

Die "Streuobstwiesennutzung" durch Tiere findet aber auch im Winter statt: Viele Vögel bessern ihr ohnehin karges Futterangebot durch den einen oder anderen am Baum verbliebenen Apfel oder Birne auf, oder graben die gefrorenen Früchte aus dem Schnee aus.

Es ist wichtig, dass Streuobstwiesen als sogenannter Trittstein für die genannten Tierarten, deren Lebensraum durch die Umstrukturierung der Landwirtschaft ohnehin knapp wird, erhalten bleiben, und gerade die bäuerliche Bevölkerung durch geeignete Öffentlichkeitsarbeit dahingehend sensibilisiert wird. Der Naturschutz bietet mit seinem Förderungsprogramm dazu seine Hilfe an.



Literatur: GRILL, D. und H. KEPPEL (2005):  Alte Apfel- und Birnensorten für den Streuobstbau. Leopold Stocker Verlag Graz - Stuttgart





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Rückfragen: Mag.Michael Hubka