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Alternsgerechte Arbeitswelt in Salzburg:
Die Diskussion beginnt

Zur Belebung der Diskussion rund um das Thema "Alternsgerechtes Arbeiten" wurden in einer Umfrage und in Kamingesprächen Salzburger Schlüsselpersonen, Politikerinnen und Politiker und Expertinnen und Experten befragt. Das Bewusstsein für das Thema ist bereits vorhanden.

Gefördert vom Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz und dem Europäischen Sozialfonds haben der "AMD Salzburg- Zentrum für Gesundes Arbeiten" und Mag. Michaela Erkl-Zoffmann, Expertin für Generationenmanagement und Alternsgerechtes Arbeiten, in Salzburg eine erste Erhebung zum Thema "Produktiv älter werden in Salzburg" umgesetzt. Im Auftrag des TEP "Arbeit für Salzburg" wurden im Juni 2011 bei 100 Salzburger Schlüsselpersonen aus Wirtschaft, Politik und Insitutionen die Einschätzungen bezüglich der Chancen und Risiken der demografischen Alterung im Bundesland Salzburg erhoben. Für die Dimensionen Bewusstsein, Werte und Einstellungen, Wichtigkeit und Relevanz sowie Zuständigkeit wurde auf einer sechsteiligen Skala die Zustimmung zu Aussagen anonym abgefragt und über die errechneten Durchschnittswerte gemessen. Das Ergebnis ist ein momentanes Stimmungsbild zum Thema "Alternsgerechtes Arbeiten".


Stimmungsbild zu Umfrageergebnissen

Stimmungsbild Umfrage

  

Das Stimmungsbild zeigt einen grünen Bereich, der ein großes Bewusstsein für die Thematik "Alterngerechtes Arbeiten" verdeutlicht.

Der gelbe Bereich ist vergleichsweise beträchtlich kleiner und zeigt, dass speziell wenn es um das Setzen von Maßnahmen geht, noch Zurückhaltung festzustellen ist.

Rot warnt, dass der Notwendigkeit der Schaffung von Strukturen für die kommenden Herausforderungen in der Arbeitswelt aufgrund des demografischen Wandels derzeit keine Priorität eingeräumt wird.

Altern beginnt mit der Geburt und zieht sich auch durch das Arbeitsleben. Im Laufe der Arbeitskarriere verschieben sich die Potenziale, von anfänglich hoher körperlicher Kapazität hin zu großem Erfahrungsschatz. Entscheidend dabei ist die Arbeitsfähigkeit, d.h. die Fähigkeit eine gestellte Aufgabe erfolgreich zu bewältigen. Mit dem Konzept "Haus der Arbeitsfähigkeit" von J. Illmarinen liegen die entscheidenden Arbeitsfelder für die Erhaltung der Arbeitsfähigkeit im Prozess des Alterns vor. Diese sind Gesundheit, Kompetenz, Werte und insbesondere Arbeit (Arbeitsumgebung, Organisation, Führung).


Bewusstsein vorhanden, aber keine Priorität


Ergebnis der Erhebung zum Thema "Produktiv älter werden in Salzburg" ist ein Durchschnittswert von vier auf einer sechsteiligen Skala. Dieser Wert lässt darauf sschließen, dass das Bewusstsein für "Alternsgerechtes Arbeiten" bei den befragten Salzburger Schlüsselpersonen bereits vorhanden ist. DIe Thematik wird allerdings noch nicht als besonders brisant erachtet.

Die Erhebung wird in Kamingesprächen mit Vertretern und Vertreterinnen der Salzburger Politik, Sozialpartnern und Wirtschaft vertieft. Bei den ersten Kamingesprächen im Juni 2011 standen Salzburgs Landeshauptfrau Mag. Gabi Burgstaller und Landeshauptmann-Stellvertreter Wirtschaftsreferent Dr. Wilfried Halsauer Rede und Antwort.

Sowohl Landeshauptfrau Burgstaller als auch Landeshauptmann-Stellvertreter Haslauer nahmen im Gespräch mit Michaela Erkl-Zoffmann die Salzburger Arbeitnehmenden in die Pflicht: Ein längeres Erwerbsleben beurteilen beide als unbedingt notwendig für Salzburg. Die Salzburger Landeshauptfrau plädiert jedoch dafür, die Arbeitnehmenden mit dem Thema „Alternsgerechtes Arbeiten“ nicht allein zu lassen. "Wir dürfen Alternsgerechtes Arbeiten nicht auf der individuellen Ebene alleine austragen, es muss sich auch auf der Makro-Ebene einiges ändern.“

Handlungsbedarf sieht Burgstaller neben dem Bereich Gesundheitsprävention vor allem in der Erwachsenenbildung – im Sinne von Weiterbildung, aber auch beruflicher Neuorientierung. Haslauer geht sogar so weit, das jetzige Pensionssystem volkswirtschaftlich auf lange Sicht für nicht mehr finanzierbar zu halten. „Die Herausforderung besteht darin ein bestehendes System, das von anderen Voraussetzungen ausgeht, umzubauen“, so der Salzburger Wirtschaftsreferent.


Wandel der Definition des Begriffs "alt“


In den Reihen der Umfrageteilnehmenden herrscht breiter Konsens zum Wandel des Begriffs "alt“: „Wann jemand 'alt‘ ist, werden wir in zehn Jahren anders beurteilen als heute“ – dieser Aussage stimmte die Mehrheit der Befragten, wie auch Landeshauptfrau Burgstaller und Landeshauptmann-Stellvertreter Dr. Wilfried Haslauer, zu. Beide sehen angehende Pensionistinnen und Pensionisten künftig länger im Erwerbsleben stehen oder ihre Zeit für ehrenamtliche Tätigkeit nutzen. Um die alteren Arbeitnehmenden länger im Erwerbsleben zu halten, haben Burgstaller und Haslauer folgende Lösungsansätze parat: Die Landeshauptfrau will den Arbeitnehmenden vor allem den Rücken stärrken und die Arbeitszeit individueller gestalten. Der Landeshauptmann-Stellvertreter möchte einen Bewusstseinswandel bei Unternehmerinnen und Unternehmern herbeiführen, damit diese stärker auf die Fähigkeiten der Arbeitnehmenden zurückgreifen.


Lebenslanges Lernen erfordert neues Bildungssystem


Aus- und Weiterbildung der Arbeitnehmenden ist für Landeshauptfrau Burgstaller einer der entscheidenden Faktoren, um auf den demografischen Wandel angemessen zu reagieren. Sie fordert: „Das Bildungssystem muss völlig umstrukturiert werden.“ Es gehe nicht nur darum eine Ausbildung zu absolvieren; Menschen sollten auch ihre Träume verwirklichen können und die Chance ergreifen das zu tun, was sie schon immer tun wollten. Dazu sollen laut Burgstaller bestimmte Phasen im Arbeitsleben wie etwa Praktika, Ausbildungen und Umschulungen finanziell abgesichert werden.

Salzburger Führungskräfte sehen keinen großen Zusammenhang zwischen der wirtschaftlichen Entwicklung und dem demografischen Alterungsprozess in Salzburg. Die Mehrheit aller Befragten spricht sich für eine Qualifizierungsoffensive aus. Diese Forderung ist auch Haslauer besonders wichtig. In der Lösung des Facharbeiter/-innenmangels sieht der Wirtschaftsreferent des Landes die gröte Herausforderung für die Salzburger Wirtschaft.


"Alternsgerechtes Arbeiten“ – Sache der Betriebe?


Die Befragten meinen, dass das Thema „Alternsgerechtes Arbeiten“ vor allem im Verantwortungsbereich der Betriebe liegt. Nur ein kleiner Teil der Befragten sieht "Alternsgerechtes Arbeiten“ als zentrale Aufgabe der Politik. Das Thema wird nicht als Herausforderung für die Öffentlichkeit betrachtet. Das gleiche Bild hat sich auch bei den Kamingesprächen gezeigt: "Alternsgerechtes Arbeiten“ ist als Thema in der Politik bereits präsent, hat aber noch keine große Priorität.

Wie die Umfrageergebnisse belegen, glaubt nur ein kleiner Teil der Befragten, dass Salzburg für eine alternsgerechte Arbeitswelt eine koordinierende Stelle benötigt. Dem widerspricht Dr. Reinhold Popp, wissenschaftlicher Leiter des Zentrums für Zukunftsstudien der Fachhochschule Salzburg. Ohne eine koordinierende Stelle werde es nicht gehen, wichtig sei ein Generationenmanagement mit einem Mix aus betrieblicher Gesundheitsförderung und betrieblicher Weiterbildung. „Dies funktioniert aber nur dann, wenn das Thema zur Chefsache erklärt wird“, so der Salzburger Zukunftsforscher im Gespräch mit Landeshauptfrau Burgstaller.


Videos der Kamingespräche (erstellt von "visual elegance" im Auftrag des AMD) zum Thema "Alternsgerechtes Arbeiten“ (youtube.com):