Logo Land Salzburg
von A bis Z

Neuntöter  

Neuntöter     Bildquelle: Wikipedia

Neuntöter                                         Bildquelle: Wikipedia

Neuntöter fallen durch ihre Augenbinde besonders auf

Neuntöter sind tagaktive Singvögel aus der Familie der Würger und erreichen eine Länge von 16-18 cm (größer als Sperling).
Neuntötermännchen besitzen eine braunrosa, nicht gebänderte Unterseite und  einen braunen Rücken. Kopf und Bürzel sind braun. Der lange Schwanz ist schwarz mit basalen, weißen Federn. Auffällig ist eine breite, schwarze, vom Auge bis an die Schnabelbasis verlaufende, schwarze Augenbinde.  Die Oberseite der Weibchen ist matt rostbraun, die Unterseite gelblichweiß mit deutlicher Querbänderung.  Ihre Gesichtsmaske ist dunkelbraun, unauffälliger als beim Männchen und vom übrigen Kopf abgesetzt. Der Schnabel des Neuntöters ist kräftig.  Im Jugendkleid sind Die Jungvögel sind oberseitig rostbraun mit starker Querbänderung an Rücken und Bauch.

Neuntöter sind über fast ganz Europa verbreitet

Sie kommen von Westeuropa bis Zentralasien vor; sie fehlen im Süden der iberischen Halbinsel, großen Teilen Großbritanniens, Irlands, Skandinaviens sowie einigen Mittelmeerinseln. Sie bevorzugen Mittelgebirgslagen und sind im Flachland selten anzutreffen. Die Bestände sind fast überall rückläufig !

Die Vögel bleiben von Mai bis September im Brutgebiet und überwintern in Ost- und Südafrika. Sie ziehen aus allen Teilen Europas über das Östliche Mittelmeergebiet in ihre Überwinterungsgebiete.

Neuntöter bevorzugen naturbelassene Landschaften

Bevorzugte Bruthabitate sind halboffene Landschaften mit Einzelbäumen, Hecken, Dorngebüsch (Schlehe, Hundsrose und Weißdorn),Waldränder, gebüschreiche Feuchtgebiete sowie Schlag- und Aufforstungsgebiete. Die Größe der Reviere schwankt abhängig von der Habitatqualität zwischen  ein und sechs Hektar.

Sie legen Napfnester in 1-2m Höhe an. Legebeginn ist Anfang Mai bis Juni; sie legen 4-6 rosa- oder rahmfarbene Eier. Die Weibchen brüten, während das Männchen die Nahrung herbeischafft; die Brutzeit dauert 14-16 Tage, die Nestlinge werden von beiden Eltern nach dem Schlupf noch 12-16 Tage im Nest gefüttert, nach dem Ausfliegen weiterhin 3-4 Wochen betreut. Nach weiteren 5 Wochen sind sie selbständig.

Der Bruterfolg und Überlebenswahrscheinlichkeit hängt vom Nahrungsangebot und dem Brutplatz ab. Bei Misserfolg der Brut sind Ersatzgelege möglich. Nur 55%der Eier bringen flugfähige Junge hervor.
Die Vögel sitzen gerne auf Sing- und Aussichtswarten (Zaunpfosten, Leitungsdrähten,  Busch- und. Baumspitzen). Auffallend ist ihre aufrechte Sitzhaltung. Ihr Gesang beginnt und endet mit einem „dschrä“ „dschrä“. Die Gesänge sind selten zu hören und meist ein Schwätzen mit Imitationen anderer Vogelstimmen. Die Jungen betteln durchdringend „qui“  oder „quää“.  

Gesang des Neuntöters

Ihre Nahrung ist vielfältig

Das Nahrungsspektrum der Neuntöter reicht von großen Insekten wie Heuschrecken, Käfern, Hummeln, Eidechsen, kleinen Vögeln bis zu Kleinsäugern.  Sie spießen die Beutetiere als Vorrat gerne auf Stacheln oder Dornen auf. Jungvögel lernen im Alter von etwa acht Tagen die Technik des Aufspießens, die im Laufe der Zeit optimiert werden muss. Wegen dieser  Technik des Nahrungserwerbs müssen die Jungvögel von den Altvögeln lange betreut werden.

Neuntöter sind derzeit ungefährdet

Sie gehören zu den,   bei uns aktuell ungefährdeten  Vogelarten. FRÜHAUF (2005) in ZULKA et al. (2005) schätzt die Bestandessituation als „häufig“ ein. Die Bestandesentwicklung ist regional abnehmend, die Arealentwicklung stabil. Die Habitatverfügbarkeit ist einerseits hoch, die Habitatentwicklung andererseits schwach negativ.

Neuntöter erfahren eine gering negative Beeinflussung durch den Menschen. Die Ursachen für die Gefährdung dieser Art sind vielfältig: Biotopverluste (Zerstörung von Waldrändern und Mooren), das Fehlen offener Landschaften (Verbuschung und Verwaldung als Folge von Nutzungsaufgabe) und  das Fehlen von Kleinstrukturen (Hecken und Sträucher).

Die Methoden der modernen Landwirtschaft  (intensive Nutzung wie Düngung, Insektizid- und Herbizideinsatz, oder oftmalige Mahd) schränken zusätzlich die Nahrungsvielfalt ein.

Diese Vogelart ist EU-weit geschützt

Neuntöter sind im Bundesland Salzburg  geschützt. Sie unterliegen sowohl den Bestimmungen  der Salzburger Pflanzen- und Tierarten-Schutzverordnung sowie der EU-Vogelschutz-Richtlinie Anh.1. Nach Angaben der Biopdiversitätsdatenbank des Landes Salzburg am Haus der Natur sind sie bei uns in den Natura2000- Gebieten Antheringer und Achertinger Au, Im Weidmoos, im Hundsfeldmoor und Seethalersee beheimatet.

Nach Angaben des Umweltbundesamtes ist ein Lebensraummanagement auf längere Zeit zu planen. Nach FRÜHAUF (2005) hat diese Art seit dem EU-Beitritt Österreichs von Stilllegungsprogrammen, Erhalt von Brachen und Landschaftselementen profitiert. Allerdings belegt BIRDLIFE Österreich durch Monitoring der Bestände einen Rückgang von 2000-2003 um 25% (Dvorak  & Wichmann 2003).

Zum Schutz dieser Art wäre nach Ansicht von FRÜHAUF. (2005) Anlage, Pflege und Erhalt von Stilllegungen, ebenso die Erhaltung offener Landschaften mit Einzelbüschen und Hecken, eine extensive Bewirtschaftung der Wiesen (Einschränkung von Düngung und Pestizideinsatz) sowie Monitoring der Bestände für ein rechtzeitiges Erkennen von Defiziten, wichtig. Der Neuntöter ist auch in der Vogelschutzrichtlinie, Anh.I  der EU aufgeführt.. Damit werden die Mitgliedsstaaten verpflichtet, besondere Schutzmaßnahmen hinsichtlich des Lebensraumes zu ergreifen, um ihr Überleben und ihre Vermehrung in ihrem Verbreitungsgebiet sicherzustellen

Literatur

   

 




Weiterführende Links:

Pflanzen- und Tierarten-Schutzverordnung

Rote Liste gefährdeter Tierarten

Abfrage - Rote Listen

Ursachen für die Gefährdung der Tiere

Vogelschutz-Richtlinie

Bonner Konvention

Biodiversität in Österreich

Birdlife

Umweltbundesamt


Rückfragen: Mag. Michael Hubka