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Gebhard Sengmüller erhält den Landespreis für Medienkunst 2008

Brenner: Kulturpolitik soll sich noch stärker mit kulturellen Ausdrucksformen der neuen Generationen auseinandersetzen


Salzburger Landeskorrespondenz, 03.09.2008

Landeswappen Salzburg
 

(LK)  Der Salzburger Landespreis für Medienkunst 2008 geht an Gebhard Sengmüller für sein Projekt "A Parallel Image". Das gab heute, Mittwoch, 3. September, Kulturreferent Landeshauptmann-Stellvertreter Mag. David Brenner bekannt. Der heuer zum dritten Mal vergebene Preis ist mit 10.000 Euro dotiert. Gebhard Sengmüllers Projekt wurde von der Jury, der Prof. Monika Fleischmann, Dr. Gunter Reisinger und Gerfried Stocker angehörten, einstimmig auf den ersten Platz gewählt.

Auch heuer wieder hatte es zahlreiche hochqualitative Einreichungen für den Salzburger Landespreis für Medienkunst gegeben. Kulturreferent Brenner zeigte sich beeindruckt und betonte: "Das ist ein eindeutiges Zeichen, dass die noch junge Medienkunstszene in Salzburg stark vertreten ist. Ich betrachte das aber auch als Signal an die Kulturpolitik, sich noch stärker mit neuen kulturellen Ausdrucksformen auseinanderzusetzen."

Medienkunst experimentiert mit Medien oder Mediensystemen

Medienkunst experimentiert mit einzelnen Medien oder ganzen Mediensystemen. Die Medien sind gleichzeitig Mittel und Gegenstand der Medienkunst. Sie ist die ästhetische und künstlerisch-innovative Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten der neuen Medien, der Informations- und Kommunikations- sowie der Computertechnologie, und/oder deren Verknüpfung mit traditionellen Medien wie Fotografie, Film, Performance u.v.m.

Medienkunst beschäftigt sich mit Kommunikation, Interaktion sowie – technischer und symbolhafter – Übertragung und Vernetzung. Besonderes Augenmerk liegt auf prozessbasierten künstlerischen Arbeiten, offenen Prozessen und deren Gestaltung.

Das Siegerprojekt "A Parallel Image"

"A Parallel Image" ist, wie Preisträger Gebhard Sengmüller erklärt, eine "elektronische ‘Camera Obscura‘. Diese medienarchäologische, interaktive Skulptur baut auf der fiktiven Annahme auf, dass das bis heute gültige Prinzip zur elektronischen Übertragung von bewegten Bildern, nämlich deren Zerlegung in Einzelbilder und Bildzeilen, nie entdeckt wurde. Das Ergebnis ist eine  Vorrichtung, die auf höchst umständliche Weise eine parallele Übertragung jedes einzelnen Bildpunktes vom Sender zum Empfänger versucht. Das wird nur möglich, indem Kamera und Bildschirm durch etwa 30.000 Kabel miteinander verbunden werden. Im Gegensatz zu herkömmlichen elektronischen Bildübertragungsverfahren ist "A Parallel Image" technologisch vollkommen transparent und vermittelt dem Betrachter eine sinnlich erfahrbare Entsprechung zwischen Realwelt und Übertragung."

In der Jurybegründung heißt es: "Neben der möglichen Zuordnung an performante und bildkritische Kunstformen muss die Arbeit Gerhard Sengmüllers ebenso in das Feld der performativen Wissenschaften verortet werden: gerade in Hinblick auf aktuelle Bemühungen um die Etablierung rein theoretisch ausgerichteter ‘Bildwissenschaften‘, kann die objektbezogene und praktische Auseinandersetzung mit Übertragungs- und Bildschirmthematiken als bewusster Akt der didaktischen Re-Inszenierung gesehen werden. Die vom Künstler intendierte ‘Erfahrungsqualität‘ wird tatsächlich als solche verstanden: dem vorgelegten Konzept wird daraus ein interdisziplinärer Mehrwert über ebenso vorhandene künstlerisch-ästhetische Aspekte hinausgehend zugesprochen."

Gebhard Sengmüller, der heute in Salzburg und Wien lebt und arbeitet,  wurde 1967 in Wien geboren und verbrachte seine Kindheit und Schulzeit in Salzburg. Seit 1985 beschäftigt er sich künstlerisch mit Fotografie, Video, Computer und anderen neuen Medien. Von 1992 bis 2002 studierte Mag. art. Gebhard Sengmüller an der Universität für angewandte Kunst in Wien, Meisterklasse für visuelle Mediengestaltung bei Prof. Peter Weibel. Daneben erwarb er zwischen 1987 und 1989 am Institut für Elektroakustik der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien ein Diplom für Tontechnik. Seit 2005 hat Sengmüller regelmäßig Lehraufträge im Fach Medienarchäologie an der Universität für Gestaltung in Linz sowie an der Donau Universität Krems. Seine Ausstellungstätigkeit führte ihn von Italien und Belgien über Israel, die Slowakei und die Niederlande bis nach Japan und in die USA sowie zahlreiche andere Länder.

Lobende Jury-Erwähnungen erhielten auch die Konzepte zu "Midi Orchester" von Chris Janka (musikalische Übersetzung kybernetischer Paradigmen), "Screambox" von Osmanovic/
Malzer/Höller (Relation von Bild-Ton-Emotion) und "Remote Control 2.0" von Christian Höller (Live-TV-Remix).

Kooperation des Landes mit der Schmiede Hallein

Der Salzburger Landespreis für Medienkunst wird in enger Kooperation mit der Schmiede Hallein vergeben. Der Preisträger nimmt an der diesjährigen Schmiede teil, die vom 18. bis 28. September auf der Halleiner Pernerinsel über die Bühne gehen wird. Das Vorjahres-Siegerprojekt "1n0ut: "CPU (Central Processing Unit) – Der Prozess", ein "stereoskopisches Echtzeit-Tanz-Theater-Stück nach Kafka" des Künstlerduos Robert Praxmarer und Reinhold Bidner wird übrigens am 18. Oktober ab 20.30 Uhr in der ARGEkultur Nonntal präsentiert. m175-111

 

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