| (LK) Schnitzel mit Nudeln und Apfelstrudel brachten Claudia Rohrmoser, gemeinsam mit dem Bregenzer Marcel Schobel, den erstmals ausgeschriebenen Salzburger Landespreis für Medienkunst 2006 ein. Anfang nächsten Jahres wird der etwas andere Heimatfilm mit dem Titel "schnitzel with noodels and crisp apple strudel" fertig sein und präsentiert. Heute, Dienstag, 21. November, wurde Dipl.-Ing. (FH) Claudia Rohrmoser, Lektorin für Animation im FH-Studien-gang MultiMediaArt und international renommierte Videokünstlerin, zur "Salzburgerin der Woche" auf SALZBURG.AT, der Internet-Plattform für die Europaregion auf www.salzburg.at, gekürt. Der Gewinn des mit 10.000 Euro dotierten Landespreises für Medienkunst kam für die 29-jährige Flachgauerin nicht nur überraschend, "sondern es setzte auch sofort der Termindruck ein", erzählt Rohrmoser. Innerhalb von drei Wochen musste das Konzept in die Tat umgesetzt werden, um beim Medienkunstfestival "Schmiede" auf der Pernerinsel in Hallein zumindest einen Prototypen präsentieren zu können. Das endgültige Werk wird voraussichtlich Anfang März nächsten Jahres im ARGE Kulturgelände Salzburg aufgeführt. Für die Präsentation auf der Pernerinsel wurden nur einige wenige populäre Filme wie "Geierwally", "The Sound of Music" oder "Der Förster vom Silberwald" verwendet. Mehr als 100 Filme werden Rohrmoser und Schobel für die Endfertigung gesichtet haben. Worum geht's beim Sieger-Projekt? In einer Live-Video-Audio-Vorstellung werden alte und neue Heimatfilme in diverse Film-Schnitzel zerlegt und neu zu einem kuriosen Heimatfilm des 21. Jahrhunderts montiert. Die Schnitzel werden dann mit VJ-Praktiken wie Videomixen, Video-scratchen und -verfremden zusammen mit Live-Musik zu einem neuen Film montiert. So erwischt man oft verzerrte, unschöne Gesichter, wiederholte Bewegungen bekommen eine gewisse Komik. Dadurch wird der klassische Heimatkitsch unter die Lupe genommen, und die heile Welt des Heimatfilms wird verzerrt. "Liebesszenen werden so zum Beispiel ins Gegenteil verkehrt", erklärt Rohrmoser. Hassliebe zum Heimatfilm Die Praktiken der Video-Jockeys sind klarerweise von den DJ-Scratches beeinflusst. Auch der Original-Ton des Filmes wird auf diese Weise und mit Live-Musik verfremdet. Aus einem dieser Original-Töne stammt auch der Titel zum Projekt. Der Titel kommt im Lied "My favourite things" – nämlich Schnitzel mit Nudeln und Apfelstrudel – aus dem Film "The Sound of Music" vor. Die Zeilen verraten, welche Erlösung der schöne Heimatfilm in sich birgt. "Das ist Verdrängung pur", sagt Rohrmoser. Auch wenn man nicht sofort den Eindruck hat, aber Claudia Rohrmoser liebt den Heimatfilm. Deshalb schmerzt es auch ein bisschen, wenn sie wie im Projekt derart grob damit umgeht. Es ist eine Art Hassliebe. "Wäre ich immer in Österreich, wäre von der Hassliebe bald nur mehr wenig Liebe übrig." Die richtige Distanz für den ausgewogenen Blick hat sie, seit sie in Berlin lebt. In die deutsche Hauptstadt zog es sie bereits 1999. Dort arbeitet sie als Freelancer in der Branche Medien-Design. Auf der Universität der Künste Berlin hat sie das Studium Medienkunst und Narrativer Film erfolgreich abgeschlossen. "Jetzt werde ich aber mehr und mehr wieder an meine Heimat gebunden", erkennt die Künstlerin. Sie ist Lektorin für Animation bei MultiMediaArt an der Fachhochschule Salzburg. Die Lehrveranstaltung und weitere Verpflichtungen führen sie mindestens zweimal pro Semester zurück nach Salzburg. In Eugendorf – wo sie nach der Geburt 1977 in Oberndorf bei Salzburg aufwuchs und zur Volksschule ging – hat sie sich ein Haus gekauft. Nach der Matura am Musischen Gymnasium in Salzburg-Itzling absolvierte sie das Fachhochschul-Studium MultiMediaArt an der FH Salzburg. Rohrmosers Arbeiten wurden international aufgeführt, unter anderem beim Steirischen Herbst in Graz, bei der Klangwerkstatt und dem Inventionen-Festival in Berlin, im Mabadaa-Theater in Jerusalem, auf der International Computer Music Conference in Barcelona und an der Stanford University in Kalifornien. Für ihren Dokumentar-Film "Joao" über Indios in Brasilien bekam sie 2004 eine Produktionsförderung des Landes. Beim Electroacoustic Music Award 2004 in Bourges (Frankreich) erhielt sie den ersten Preis in der Kategorie Multimedia. Talent kommt erst in der Teamarbeit zur Entfaltung Bis Ende Jänner kommenden Jahres wird ihr nächstes Projekt fertig sein: ein Klavierkonzert mit Video, bei dem jeder Tastendruck auf dem Klavier ein bestimmtes Bild im Video, das gleichzeitig abläuft, auslöst. Claudia Rohrmoser spielt Klavier, hat aber nach eigenen Worten kein Talent zum Komponieren. Vielleicht liegt es daran, dass sie "viel lieber im Team als alleine" arbeitet. Da kommt ihr auch entgegen, dass der Trend zur Multimedia-Kunst die verschiedenen Künste immer mehr zusammenwachsen lässt. In Berlin hat sie dafür den geeigneten Nährboden gefunden: "Berlin macht's einem leicht. Ich treffe viele international erfolgreiche Künstlerin-
nen und Künstler, das ist gut für das Entstehen gemeinsamer Arbeiten." Andererseits stehe Österreich in Deutschland im Ruf, die Kultur sehr großzügig zu unterstützen. "Da sind wir fast schon verschrien", beschreibt es die Salzburgerin. k232-53 Zu dieser Landeskorrespondenzmeldung steht digitales druckfähiges Bildmaterial in der Bilddatenbank des Landes unter www.salzburg.gv.at/bilddatenbank zur Verfügung. Zum schnellen Auffinden geben Sie bei der Suche die Kennzahl am Ende dieser Pressemeldung (z.B. k43-10) ein. |