Kormoran – Vogel des Jahres 2010

Kormoran Bild:Jürg Adler/Pixelio
Der Kormoran wurde vom Naturschutzbund Österreich, dem NB Deutschland, dem Landesbund für Vogelschutz in Bayern und Birdlife-Österreich zum Vogel des Jahres auserwählt. Grund für diese Ernennung war es, diese Vogelart wieder ins Bewusstsein zu rücken und sein schlechtes Image zu verbessern, nachdem die Art als Fischräuber in Misskredit geraten ist und daher stark bejagt wird.
Kormorane gehören innerhalb der Ordnung Ruderfüßer zur gleichnamigen Familie der Kormorane. Kormorane sind nahe mit dem bekannten Rosapelikan und den Scharben (Zwergscharbe und Krähenscharbe) verwandt. Phalacrocoracidae sind schlanke Schwimm- und Tauchvögel, deren Körper beim Schwimmen tief im Wasser liegt. Die Größe adulter Kormorane liegt zwischen der Größe des Haushuhns und der des Höckerschwans.
Ihr Gefieder ist schwarz gefärbt und kann im Sonnenlicht bei verschiedenen Unterarten bläulich und metallisch grün verschjeinen. Im Prachtkleid zeigen sie einen dunklen Federschopf, einen weißen Schenkelfleck und weiße Nachkenfedern Für kurze Zeit werden im Frühjahr lange, weiße Federn am Hinterkopf getragen. Bei den Adulttieren ist überdies die Schnäbelunterseite unterseitig hell sowie hell umrandet. Das Gefieder ist im Schlichtkleid weniger glänzend, das Weiß auf Kehle und Nacken wirkt verwaschen. Die Jungvögel sind bräunlich, die Bauchseite variabel hell mit bräunlicher Kehle. Bei den 2 marokkanischen Unterarten sind Vorderhals und Brust im Prachtkleid ausgedehnt weiß.
Beim Schwimmen liegen sie tief im Wasser und können zum Fischfang von der Wasseroberfläche weg tief eintauchen. Während früher auch von Seite der Ornithologen die Meinung vertreten wurde, dass Kormorane keine Bürzeldrüse besäßen, das Gefieder nicht einfetten könnten und deswegen die Flügel zum Trocknen aufspreizen müssten (BEZZEL 1992, 1996), haben Kormorane nach Angaben der Schweizerischen Vogelwarte (2010) eine solche Drüse und fetten auch ihr Gefieder ein. Doch werden die Flügel wegen der großen Abstände zwischen den Federstrahlen nass und somit sind die Vögel gezwungen, sie – auf einer Sitzwarte sitzend- „aufzuspannen“ und so zu trocknen!
Der Kormoranschnabel ist kräftig und an der Spitze hakig nach unten gebogen. Der keilförmige Kopf sitzt auf dem langen, kräftigen und gekrümmten Hals.
Die Vögel sind an das Leben im Wasser optimal angepasst. Wie vorne bereits erwähnt, stehen die Federstrahlen weit auseinander. Nach Angaben von BEZZEL (1996) ist das eine Anpassung an ihre Lebensweise im Wasser. Diese Federstruktur ist zum Tauchen wichtig, die Vögel hätten sonst unter Wasser zu viel Auftrieb. Weitere Anpassungen an das Leben im Wasser und die tauchende Lebensweise sind weniger Lufteinlagerungen in den Knochen, ein stromlinienförmiger Körper und kräftige Ruderfüße.
Ihr Flug und auch das Erscheinungsbild während des Fluges ähnelt dem der Gänse: die Größe, Flügelschlagfrequenz, der Flug hoch über Land sowie der Formationsflug sind einander sehr ähnlich. Erst bei eingeschobenen Gleitstrecken sind der längere Schwanz, der etwas geknickte Hals, die oft weniger ordentliche Formation und die etwas flacheren Flügelschläge erkennbar.
Kormorane sind sehr weit verbreitet: Sie brüten in mehreren Unterarten Europa, Asien, Australien und Nordamerika. Die größten Kormoranpopulationen während der Brutzeit sind im Küstenbereich von Nord- und Ostsee. Kormorane brüten kolonieweise auf hohen Bäumen und an der felsigen Meeresküste. Im Binnenland brüten sie zumeist auf den Inseln großer Seen, oft in enger Nachbarschaft zum Graureiher. Das Nest, das aus Zweigen, Schilf oder Seetang besteht, wird auf hohen Bäumen angelegt. Mitunter werden auch Küstenbauwerke oder Felsen als Neststandorte benutzt. An den Brutplätzen kann man die Vögel hören: sie geben ein tiefes, gutturales Krächzen von sich. Die schnarrenden, gurgelnden und krähenden Laute klingen wie „kra“, „korr korr“ oder „rähräh….“ Im Winter kommen die Vögel aus dem Norden als Überwinterungsgäste nach Mitteleuropa.
Kormorane ernähren sich hauptsächlich von Fischen. Das ist der Grund, warum er in Misskredit geraten ist und von den Fischern der Abschuss der Kormorane gefordert wird. In Wirklichkeit waren Kormorane immer bei uns beheimatet und sind erst auf Grund der Degradation ihres Lebensraumes verschwunden. Jetzt wandern sie durch die Verbesserung und Renaturierungsmaßnahmen wieder zu. Bis Mitte der achtziger Jahre galt der Kormoran als gefährdete Vogelart in Mitteleuropa. Seitdem erholen sich die Bestände wieder langsam. Der Kormoran darf daher nicht als „neue“ Art in Mitteleuropa gesehen werden. Ein zweites Problem in diesem Zusammenhang ist die Denaturierung von Flüssen durch den Menschen: Begradigung, Verbauung und Bau von Querbauwerken. Durch die Begradigung und Verbauung gehen Unterstände und Verstecke für die Fische verloren; sie können sich daher nur im freien Wasser aufhalten und sind den Angriffen der Vögel schutzlos ausgeliefert. Auch der künstliche Fischbesatz tut sein Übriges. Er ist der Grund, warum sich die Vögel bei diesem „reich gedeckten Tisch“ stark vermehren; so werden sie zum Problem, ähnlich dem Taubenproblem in den Städten, wo die Vögel gefüttert werden und sich anstelle aktiver Nahrungssuche stark vermehren.
Dem Autor liegt ein Positionspapier von Birdlife Österreich vor, in dem ausgeführt wird, dass bis heute nicht nachgewiesen werden konnte, dass fischfressende Vögel gefährdete Fischarten in ihrem Bestand bedrohen. Die EU-Vogelschutz - Richtlinie in Art.9 gestattet Ausnahmen vom generellen Schutz aller Vogelarten lediglich „zur Abwendung erheblicher Schäden“ unter der Voraussetzung, dass (Zitat:) „es keine zufriedenstellendere Lösung gibt“. Nach Meinung von BirdLife erfolgten die bisherigen Bekämpfungsmaßnahmen unkoordiniert und vielfach gegen die getroffenen Regelungen. BirdLife vermutet anstelle einer nachhaltigen Vertreibung der Vögel einen Zerstreuungseffekt durch Verlagerungen in benachbarte Fischreviere.
Weltweit gesehen gehört der Kormoran zu den ungefährdeten Vogelarten (IUCN-Kriterium : LC – least concern). Durch die starke Bejagung und die Freigabe des Abschusses in verschiedenen Bundesländern (Salzburg, Steiermark, Ober- und Niederösterreich) ist eine regionale Gefährdung durchaus gegeben. Kormorane unterliegen inSalzburg dem Jagdgesetz. Die Schonzeit für diese Vogelart ist im Zeitraum 1.Mai – 30. September. (IUCN., www.salzburg.gv.at/schonzeiten )
Insgesamt stellt sich der Kormoran als eine Vogelart dar, deren Bedürfnisse (Ernährung) den Interessen der Fischer entgegensteht.. Es darf aber bei der Debatte um diese Vögel nicht vergessen werden, dass die Mehrzahl der Probleme – wie oben erläutert – hausgemacht sind und anthropogene Ursachen haben. Fisch fressende Vögel sind eher die Sündenböcke für naturferne Bewirtschaftung,und technische Maßnahmen und Zerstörung an Flüssen und Seen. Der Kormoran hat es nicht verdient, als ein solcher zu gelten und der Bejagung freigegeben zu werden.
Literatur:
BEZZEL, E. (1992): Vögel – BLV Bestimmungsbuch
BEZZEL, E. (1996): Vögel – BLV-Handbuch
BIRDLIFE Österreich: Fischfresser – Positionspapier
IUCN ( International Union for Conservation of Nature; 2009): Rote Liste (www.iucnredlist.org)
HEINZEL, H.; R. FITTER & J. PARSLOW (1992): PAREYS Vogelbuch – Alle Vögel Europas, Nordafrikas und des Mittleren Ostens. 6.Aufl, PAREY-Verlag
SINGER, D. (1988): Die Vögel Mitteleuropas. – 283 Vogelarten. KOSMOS Verlag.
SVENSSON, L., P.J. GRANT, K. MULLARNEY, & D. ZETTERSTRÖM (1999): Der Neue Kosmos-Vogelführer. – Alle Arten Europas, Nordafrikas und Vorderasiens. Kosmos Naturführer.

