Internationaler Frauentag
100 Jahre Frauentag 1911-2011
... und es geht weiter!
Dienstag, 8. März 2011
Eröffnung der Ausstellung "100 Jahre Frauentag": 16.30 Uhr, Makartsteg
Frauenpolitische Büttenrede "Zwei Felder vor, eins zurück": 17.30 Uhr, Rathausplatz vor dem Alten Rathaus
after bütte - girl at the bar: 18.30 Uhr, arthotel Blaue Gans Caverne, Getreitegasse 41-43 (in Kooperation mit "eat&meet", Altstadtmarketing, Eintritt € 5,--)
Mit der Ausstellung „100 Jahre Frauentag – … und es geht weiter“ wird ein bewegter Bilderbogen vom ersten Frauentag 1911 und der „Klassischen Frauenbewegung“ mit ihrer Forderung nach dem Wahlrecht über die Zäsuren der Weltkriege und der Zwischenkriegszeit, den Wiederaufbau, die „konservative Wende“ der 1950er- und 60er-Jahre bis hin zur autonomen neuen Frauenbewegung, der Institutionalisierung in den 90ern und aktuellen Zielen und Ausblicken gespannt. Eine frauenpolitische Büttenrede und ein buntes Spektrum von Veranstaltungen in den Bezirken machen klar: Der Internationale Frauentag hat Geschichte, ist aber aktuell wie eh und je!
Weitere Veranstaltungen zum Internationalen Frauentag 2011 in Stadt und Land Salzburg hier...
Internationaler Frauentag - 8. März
Die Frauenbüros von Stadt und Land Salzburg feiern den Internationalen Frauentag alljährlich gemeinsam und stellen ein aktuelles Thema der Frauenpolitik in den Mittelpunkt. Der Internationale Frauentag hat schon eine lange Tradition. Im Jahr 1911 fand er zum ersten Mal in Österreich statt, wo in mehreren Städten Demonstrationen stattfanden. Acht Jahre später wurde endlich das Frauenwahlrecht eingeräumt, ein wichtiger Meilenste
in der Frauenrechtsbewegung. In den vergangenen 100 Jahren wurde durch das Engagement vieler Frauen den frauen- und gleichstellungspolitischen Forderungen zum Durchbruch verholfen. Die Erfolge können sich sehen lassen, Frauen haben seither viel erreicht. Die völlige Chancengleichheit und gelebte Gleichberechtigung in allen gesellschaftlichen Bereichen zwischen Frauen und Männern gibt es allerdings noch nicht. Wir brauchen den Internationalen Frauentag also auch weiterhin, nicht nur als Tag der Erinnerung, sondern als Tag der Aufmerksamkeit, um gemeinsam jene Punkte zu beleuchten, wo Chancengleichheit noch nicht verwirklicht ist.
Troll-Borostyáni-Preise
Die Stabsstelle für Chancengleichheit, Anti-Diskriminierung und Frauenförderung des Landes Salzburg vergibt - gemeinsam mit dem Frauenbüro der Stadt Salzburg - seit 1996 jährlich zum Internationalen Frauentag den nach der ersten Salzburger Feministin Irma von Troll-Borostyáni benannten Preis für herausragende Leistungen von und für Frauen. Da nunmehr der Vergaberhythmus auf 2 Jahre verändert wurde, wird heuer kein Troll-Borostyáni-Preis vergeben. Die nächste Preisvergabe ist für den Frauentag 2012 geplant.
Chronik der bisherigen Troll-Borostyáni-Preisträgerinnen
| Jahr | Schwerpunkt | Preisträgerinnen Stadt | Preisträgerinnen Land |
| 2010 | an eine herausragende frauenpolitische Errungenschaft, die Salzburger Frauen in ihrer Selbstbestimmung und Eigenständigkeit stärkt | gemeinsame Preisträgerin Stadt und Land Salzburg | Frauenhaus Salzburg |
| 2009 | an bildende Künstlerinnen, die Feminismus in der Kunst als kritisch-reflexive Haltung einnehmen und zum Ausdruck bringen | Ulrike Lienbacher | Irene Kar |
| 2008 | Auseinandersetzung mit Geschlechterstereotypen, Rollenklischees und Diskriminierung von Frauen | Modeboutique Via Venty | Weltladen Salzburg |
| 2007 | Journalistinnenpreis für engagierte, frauenpolitische Medienberichterstattung | gemeinsame Preisträgerin Stadt und Land Salzburg | Elfriede Geiblinger |
| 2006 | Verbesserung der Bedingung der "Frauen-Arbeit" | Karin Beer | Maga Daniela Diethör |
| 2005 | Journalistinnenpreis für engagierte, frauenpolitische Medienberichterstattung | Elisabeth Fuchs | Bettina Dürnberger (Lofer), Helga Hammerschmied (Leogang), Sonja Ottenbacher (Stuhlfelden) |
| 2004 | Vereinbarkeit von persönlichen Lebensinteressen, familiärer Verantwortung und beruflicher Karriere | Drin Lisa Schirl-Leitgeb | Maria Höller-Jäger, Arche Noah, St. Michael/Lungau |
| 2003 | Europäisches Jahr der Menschen mit Behinderungen | Teresa Lugstein - Frauen in der Psychiatrie | Ricky Mooslechner - "Fest für Gabi" |
| 2002 | Für Verdienste um die Integration von ausländischen Frauen | Verein VIELE | Christl Holztrattner |
| 2001 | Für das Engangement um die Förderung von Mädchen und ihre Gleichstellung | Projekt MeEt des Vereins Einstieg | Maria Lehner (Ausbildungszentrum Schloss Oberrain) |
| 2000 | Pionierinnen des letzten Jahrhunderts, der Frauenpolitik und der Arbeit für Frauen | Drin Liane Pluntz | Agnes Primocic |
| 1999 | 80 Jahre Frauenwahlrecht - Für die Verdienste um die Gleichbehandlung in der Gesellschaft | Frauentreffpunkt | Verein KoKon, Pongau |
| 1998 | Lauter Frauen! - Frauen in der Politik und Öffentlichkeit | Helga Embacher, Mitorganisatorin der Wehrmachtsausstellung | Jeanette Moore, Gründerin des Frauenhauses Pinzgau |
| 1997 | Frauen begehren auf! - Frauenvolksbegehren | Tanja Wörndl, Projekt "Kinderbegleitung im Krankenhaus" | Erika Scharrer, AMS Zell am See |
| 1996 | Eigene Netze knüpfen - Für das Engagement im Sinne einer emanzipatorischen Frauenpolitik |
Helga Grabner (Jugendkripo Salzburg) Christine Dorfer (Kindergartenleiterin Maxglan) |
Annemarie Indinger (Frauentreff Lungau) |

Irma von Troll-Borostyáni
Feministin und Freidenkerin
Am 31. März 1847 gebar Josefine von Troll eine Tochter, das vierte und letzte ihrer Kinder, und ließ sie auf den Namen Marie taufen. Die Familie wohnte im Baumeister-Rauscher-Haus in der Griesgasse 4. Das Familienleben der Trolls bewegte sich im bürgerlichen Rahmen gehobenen Beamtentums.1864 wurde Marie in die Klosterschule im Stift Nonnberg eingeschrieben. Der auf Normierung zielende Unterricht, mehr als klösterlicher Gewahrsam denn als Entwicklungschance erlebt, sollte ihr schlecht bekommen. Noch war sie zu sehr Kind, um dagegen zu protestieren. Dafür rebellierte der Körper. Marie Troll erkrankte, sodass sie den Unterricht in häuslicher Zurückgezogenheit fortsetzen musste.
Die auf Freiheit und Eigenständigkeit zielende Erziehung der Mutter bildete gegenüber der auf Anpassung bedachten Außenwelt einen Widerspruch, der zeitlebens fruchtbar blieb. Marie Troll, der "erste Bubikopf" in Salzburg, trug das Haar kurz, ihre großgewachsene Erscheinung war betont knabenhaft - und im übrigen litt sie schon bald an der provinziellen Enge und moralischen Stickigkeit des Kleinstadtlebens. 1870 gelang der als rettend empfundene Sprung nach Wien, wo sie eine Ausbildung zur Konzertpianistin anstrebte. Als sie 1882 nach Salzburg zurückkehrte, um ihrer sterbenden Mutter beizustehen, nannte sie sich mit Vornamen Irma hatte heiratsbedingt einen ungarischen Nachnamen und dazu einen Namen als Schriftstellerin und Kämpferin für Frauenrechte, seit 1878. Ihr erstes Buch "Die Mission unseres Jahrhunderts. Eine Studie über die Frauenfrage" hatte für viel Aufsehen, einigen Beifall und heftigen Protest gesorgt. Was sie in der klerikalen Kleinstadtidylle Salzburgs auf Dauer festhielt, muss offen bleiben. Ein geeignetes Forum für ihr Engagement fand sie hier nicht, dafür einen ganzen Wald aus Reibebäumen. Aber die Stadt bot auch erfreuliche Nischen. Mit ihrer gleichgesinnten Schwester Wilhelmine zog Troll in das Haus ihrer Jugendfreundinnen Baumgartner in der Riedenburgerstraße 7, auch sie Außenseiterin im Gesellschaftsleben und künstlerisch tätig. Die Schwestern Adele und Hermine Esinger, die auf dem Mönchsberg ein idyllisch-uriges Anwesen bewohnten, boten mit ihrem großen Freundeszirkel den überlebenswichtigen Bekanntenkreis. "Da saß sie an unseren Abenden regelmäßig unter uns; ihr ernst-kluges Gesicht immer zu humorvollen Bemerkungen bereit, zu warm-menschlichem Urteil... Ihre Geistigkeit war sozusagen von breitem Format, die Zeitlage überblickend", schrieb Ludwig Prähauser über sie.
Irma von Troll-Borostyáni blieb ein radikal-feministischer Findling im Salzburger Stadtleben, eine von wenigen Randerscheinungen in seinem provinziellen Kulturbetrieb. Am 10. Februar 1912 starb sie 65-jährig an einem Gehirnschlag. Auf ihrem Grabstein am Salzburger Kommunalfriedhof ließ ihre Schwester Wilhelmine eine Gedenktafel anbringen: "Die tapfere Bahnbrecherin der Frauenbewegung."
Gertraud Steiner, Stadt Leben



