Gender Mainstreaming
Gender Mainstreaming – bis heute fällt den schlauesten Köpfen keine treffende Übersetzung in die deutsche Sprache ein. Gender Mainstreaming sei etwas, das "mit seiner Mischung aus Bürokratieverheißung und Manager-Neusprech reflexhaften Fluchtdrang auslöst" (Zitat: EMMA 4/2007)
Gender Mainstreaming hat keine Grenzen und verlangt den Menschen Vieles ab: Wir sollen quer denken, alte Denkmuster hinterfragen und auch verwerfen! In allen Politik- und Lebensbereichen ist an Frauen und Männer zu denken. Gender Mainstreaming fragt daher nach neuen Lösungsansätzen, beleuchtet soziale und kulturelle Werte, kritisiert tradierte Entscheidungsprozesse - streift wie ein feiner Kamm durch das dichte Netz unserer Gesellschaft, Politik und Verwaltungen.
Als Koordinationsstelle für Gender Mainstreaming verstehen wir uns daher, einerseits einen guten Überblick über Gender Mainstreaming und seine Vielfältigkeit zu geben, aber auch als Wegbereiterin für Arbeitsgruppen, die sich innerhalb der Landesverwaltung, aber auch außerhalb mit dieser Strategie beschäftigen, um so Chancengleichheit für Frauen und Männer im Alltag herzustellen!
Was ist Gender Mainstreaming?
Gender Mainstreaming ist eine die Gleichstellungspolitik ergänzende und auf ihr aufbauende Strategie zur systematischen Berücksichtigung der unterschiedlichen Ausgangsbedingungen von Frauen und Männern in allen Politikbereichen.
Gender Mainstreaming ist ein international üblicher Fachbegriff, der aus dem Englischen übernommen wurde. Der Ausdruck „Gender“ bezeichnet das „soziale Geschlecht“ oder das „anerzogene Geschlecht“. „Gender“ bedeutet also mehr als nur die biologischen Unterschiede zwischen Frauen und Männern. Es bezieht auch Erziehung nach bestimmten Geschlechterrollen und gesellschaftliche Erwartungen und Normen an Frauen und Männer ein. „Mainstreaming“ bedeutet „in den Hauptstrom bringen“. So lässt sich aus Gender Mainstreaming die deutsche Übersetzung „durchgängige Gleichstellungsorientierung“ ableiten.
Gender Mainstreaming basiert auf der Erkenntnis, dass es keine geschlechtsneutrale Wirklichkeit gibt und Männer und Frauen in sehr unterschiedlicher Weise von politischen und administrativen Entscheidungen betroffen sein können.
Der Ansatz ist eine international anerkannte Vorgangsweise und rechtlich verankerte Strategie der Gleichstellungspolitik, um faktische Gleichstellung in allen Politik- und Lebensbereichen zu erreichen und die existierende Geschlechterordnung zu überwinden.
Die unterschiedlichen Lebenssituationen und Interessen von Frauen und Männern sollen bei allen gesellschaftlichen Vorhaben von vornherein und regelmäßig berücksichtigt werden, da es keine geschlechtsneutrale Wirklichkeit gibt. Mit dieser Methode soll zu einer geschlechtergerechten und solidarischen Gesellschaft beigetragen werden, in der Chancen, Möglichkeiten und Verpflichtungen gleich verteilt sind. In dieser Gesellschaft können alle Menschen ein selbstbestimmtes Leben entsprechend ihren persönlichen Fähigkeiten, Bedürfnissen und Wünschen führen.
Wem nutzt Gender Mainstreaming?
Ziel von Gender Mainstreaming ist eine geschlechtergerechte Gesellschaft mit gleichen gesellschaftlichen Strukturen, Start- und Rahmenbedingungen für Frauen und Männer. Gleichstellung bedeutet für Frauen und Männer in vielfacher Hinsicht eine höhere Lebensqualität und mehr Entscheidungsfreiheit für die eigene Lebensgestaltung und zeigt für nachfolgende Generationen neue Lebensperspektiven auf. Gender Mainstreaming ist eine Strategie, um alle Akteurinnen und Akteure, in allen Handlungsfeldern sowie in allen Sachgebieten, zu befähigen, gleichstellungsorientiert zu handeln.
Geschlechtsspezifische Lebensrealitäten systematischer in Planungs- und Entscheidungsprozesse einzubeziehen ist nicht nur ein Gebot von Demokratie und Gerechtigkeit. Auch ökonomische und politische Nutzen-Überlegungen sprechen für dieses Vorgehen. Wer Bedürfnisse der Mitarbeitenden und der Kundschaft so differenziert wahrnimmt, wie dies der Gender Mainstreaming - Ansatz erfordert, hat beispielsweise große Chancen, Verbesserungspotenziale für die angebotenen Dienstleistungen frühzeitig zu erkennen.
Zudem verbessert eine konsequente Orientierung am Ziel der Gleichstellung von Frauen und Männern auch das Image von Unternehmen sowie von modernen und zukunftsfähigen Verwaltungen, fördert Innovationen und verstärkt die Motivation und Qualifikation der Beschäftigten. Die Qualität von Dienstleistungen wird erhöht, weil Bedürfnisse und Lebenslagen systematischer und genauer erfasst werden. Der Abbau von Diskriminierung vermeidet weiters Kosten, weil weniger nachträgliche Korrekturmaßnahmen nötig sind. Nicht zuletzt trägt die Praktik zur viel geforderten „Europafähigkeit“ bei, zählt doch die Umsetzung des Gender Mainstreaming - Prinzips mittlerweile in vielen EU-Politikbereichen zu den Voraussetzungen, um Fördergelder für Projekte zu erhalten.
Die Aufgabe von Gender Mainstreaming besteht darin, den Blick weg von sogenannten „frauenspezifischen“ Problemen oder Politikfeldern auf „die Geschlechter“ allgemein zu richten, damit eine geschlechtersensible Perspektive in alle sozio-politischen und wirtschaftlichen Bereiche integriert und somit eine Gleichstellung der Geschlechter in allen Bereichen gefordert werden kann.
Weitere Informationen sowie eine Sammlung von Links zu relevanten Stellen in Österreich finden Sie auf den nachfolgenden Seiten (dzt noch im Aufbau):
- Gesetzliche Grundlagen
- Gender Mainstreaming in der EU, beim Bund, im Bundesland Salzburg und in den Gemeinden
- Gender Budgeting
- Gender Mainstreaming in der Raumplanung
- Gender in der Medizin
- Gender und Sprache
- Gender in der Arbeitswelt
- Gender und Schule
- Gender Toolbox

