Bartgeier

Bartgeierhorst im Dorfertal Bild: Nationalpark Hohe Tauern
Bartgeier sind mächtige, auffällige Vögel
Bartgeier sind Greifvögel. Sie sind unsere größten Greife, ihr Flugbild her ähnlich dem des Steinadlers: Sie unterscheiden sich aber durch den keilförmigen Schwanz von diesem. Sie sind größer, vom Gewicht mächtiger und haben eine etwas größere Flügelspannweite. Ihre Flügel sind lang und spitz, ihr Schwanz lang, schlanken und keilförmig.
DerKopf der Altvögel ist hell mit dunklem Augenstreif; typisch ist der Besitz eines „Bartes“ aus schwarzen Borstenfedern (Name). Die Augen sind gelb und von einem leuchtend roten Hautring umgeben. Auffällig ist seine orangerot eingefärbte Unterseite, die durch verschiedene Verhaltensweisen derart eingefärbt wird (Suhlen in eisenoxidhältigen Bädern).
Bartgeier sind meist stumm, stoßen aber bei der Flugbalz schrille, laut pfeifende Töne oder Triller aus. Rufe des Bartgeiers
Die Vogelart wurde wegen eines Missverständnisses fast ausgerottet
Bartgeier kommen als Brutvogel von Marokko über Südeuropa bis zur Mongolei vor. Restbestände leben in den Pyrenäen. Sie waren ursprünglich weit verbreitet, über die gesamten Alpen bis hin zu den Pyrenäen. In früherer Zeit gerieten sie in Misskredit, weil sie mit dem Raub von Kindern und Schafen in Zusammenhang gebracht wurden; deswegen heißen sie als Lämmergeier. Aus diesem Grund wurden sie fast bis zum Aussterben ausgerottet. Heute besteht nur noch ein Teilbestand in den Pyrenäen, auf Korsika, auf Kreta und im Kaukasus.
Die Bartgeierbestände sind stark gefährdet, einerseits durch Bejagung, andererseits durch Giftköder, der primär Hunden, und Katzen ausgelegt ist. Weitere Gefährdungsfaktoren sind Straßenbau, Kollision mit Stromleitungen, Störungen durch Forstwirtschaft und Kletterer (Störungen bei der Brut), sowie sonstige Lebensraumbeeinträchtigungen. 1997 gab es wieder erfolgreiche Bruten in Frankreich und Italien, auch in Österreich und der Schweiz gemeldet.
Der WWF betreibt ein alpenweites Wiederansiedelungsprogramm
Seit 1986 läuft alpenweit ein ehrgeiziges Wiederansiedlungsprojekt des WWF, dem Zoo Frankfurt und der Veterinärmedizinischen Universität Wien, das zum Ziel hat, den Bartgeier als Brutvogel wieder einzubürgern. Dabei werden in Österreich, der Schweiz und Frankreich von Zoos und Zuchtstationen aufgezogene Tiere ausgewildert.
Nach Angaben von ZULKA et al. entsprechen die ausgesetzten Tiere hinsichtlich ihrer genetischen Ausstattung nicht dem ausgestorbenen Alpen-Bartgeier; für das Wiederansiedlungsprojekt werden Tiere unterschiedlicher Herkunft verwendet. Freilassungsort in Salzburg ist das Krumltal in den Hohen Tauern bei Rauris. Dabei werden zumeist in der Eulen- und Greifvogelstation Haringsee (NÖ) aufgezogene Tiere freigelassen.
Lebensraum der Bartgeier sind Hochgebirge mit tiefen Tälern und Schluchten. Sie leben in riesigen Revieren, bis zu 400 km² pro Paar. Wichtig ist ein guter Bestand an Gämsen, Steinböcken, Schafen und sonstigem Almvieh.
Sie haben eine eigentümliche Ernährungsweise
Bartgeier ernähren sich von Gämsen, Schafen, geschwächten Tieren, Aas und Knochenmark.
Die Tiere steigen hoch in die Luft und lassen die Beutetiere dann auf Felsen herunterfallen. Verirrte, verletzte oder geschwächte Tiere werden zum Absturz gebracht, und dann verzehrt. Frische Kadaver werden lieber genommen als alte, schon in Verwesung übergegangene. Knochen spielen eine große Rolle bei der Ernährung. Am griechischen Festland lebende Tiere fressen auch Schildkröten, die sie aus größerer Höhe herunterfallen lassen, um den Panzer zu knacken.
Bartgeier bauen große Nester
Die Tiere leben in Ein- und Dauerehe. Die Geschlechtsreife erreichen sie mit etwa 6 Jahren. Bartgeier bauen große Horste die sie in Felswänden in geschützten Halbhöhlen an. Legebeginn ist Januar/Februar. Die Vögel legen 1-2 helle bis rostbraun gefärbte Eier. Die Brutdauer beträgt 54 Tage; es wird nur ein Junges aufgezogen, das die Eltern es anfänglich mit Fleisch, später mit Knochen füttern. Die Nestlingdauer beträgt etwa 116 Tage bis zum Ausfliegen; hohe Mortalitätsrate der Jungen.
Die Vögel sind geschützt
Bartgeier gelten nach dem Salzburger Jagdgesetz als jagdbares Wild, sind aber ganzjährig geschont; Bartgeier sind außerdem EU-Richtlinien Anh. 1 EU-weit geschützt. Nach Ansicht des Umweltbundesamtes sind Bartgeier akut gefährdet. Ihre Gefährdungssituation macht ein rasches Handeln erforderlich.
Die Bartgeierbestände werden jährlich einmal gezählt
Einmal im Jahr finden die internationalen Bartgeierzähltage im Rahmen des Bartgeiermonitorings statt. Die Flügelunterseiten werden mit weißer Farbe markiert und anschließend ihr Schicksal mehrere Jahre verfolgt. So erhält man Informationen über Wanderungs- und Brutverhalten sowie Veränderung der Populationen.Bartgeierbeobachtungen können unter der E-Mail-Adresse Beobachtung@gmx.net oder unter der Bartgeier-Hotline für Österreich mit der Nummer 0664/820 30 55 gemeldet werden. Das Bartgeierteam freut sich über jede Meldung – auch außerhalb der festgelegten Bartgeierzähltage.
Weiterführende Links:
Pflanzen- und Tierarten-Schutzverordnung
Rote Liste gefährdeter Tierarten
Ursachen für die Gefährdung der Tiere


